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GESUNDHEIT: Abgeschirmt, aber ungeschützt

Auch wenn man sich wappnet, darf man die Kräfte der Sonnenstrahlen nicht unterschätzen. Sonnenbrand-Fallen lauern auch an vermeintlich sicheren Orten.
Christian Satorius
Selbst wenn der Sonnenschirm fast nichts durchlässt: UV-Strahlen haben auch im Schatten ihre Tücken. (Bild: Martin Moxter/Getty)

Selbst wenn der Sonnenschirm fast nichts durchlässt: UV-Strahlen haben auch im Schatten ihre Tücken. (Bild: Martin Moxter/Getty)

Christian Satorius

Unter dem Sonnenschirm kann es heiss werden: Selbst im Schatten gibt es nämlich noch jede Menge UV-Strahlung, die zu einem starken Sonnenbrand ­führen kann, mit kurzfristig schmerzhaften und langfristig lebensgefährlichen Folgen.

Wissenschafter der Universität Valencia haben in ihrer Studie bis zu 34 Prozent ultraviolette Strahlen unter einem Sonnenschirm nachweisen können, obwohl der Stoff des Schirmes nur etwa 5 Prozent Strahlung durchliess. Wie kann das sein? Studienleiter José Antonio Martinez Lozano kennt die Antwort: «Die Strahlung gelangt von den Seiten her unter den Schirm.»

Unsere Umgebung reflektiert das Sonnenlicht auch in den Schatten hinein, ja sogar bis unter den Sonnenschirm. «Albedo» (lat. «Weisse», «Helligkeit») nennen Experten dieses Rückstrahlungsvermögen, das beachtliche Ausmasse annehmen kann und für so manchen Sonnenbrand verantwortlich ist.

Auch Sand, Gras und Wasser reflektieren Sonnenlicht

Hans Häckel geht davon aus, dass trockener Sand das Sonnenlicht zu etwa 30 bis 45 Prozent reflektiert, Wiesen und Gärten zu zirka 20 bis 30 Prozent und schwarzer Asphalt noch im Bereich von 5 bis 10 Prozent. Beim Reflexionsvermögen des Wassers kommt es gemäss dem Münchener Meteorologen sehr auf den Sonnenstand an bzw. auf den Winkel, in welchem die Sonnenstrahlen auf das Wasser auftreffen. Je kleiner der Winkel, um so grösser die Reflexion (allerdings strahlt die Sonne im kleineren Winkel weniger).

Wirklich sicher ist man vor einem Sonnenbrand also auch im Schatten nicht, schon gar nicht direkt am Meeressandstrand. Dort hat man zudem wegen des vom Wasser herwehenden kühleren Lüftchens häufig auch das trügerische Gefühl, dass die Sonne gar nicht so stark brennt. Erst recht empfindet man das im Wasser selber.

Nicht mal abtauchen hilft, denn UV-Strahlen können nämlich tief in das Wasser eindringen und dadurch Badenden und Schnorchlern gefährlich werden, wenn diese lange im Wasser sind. Studien haben gezeigt, dass noch etwa die Hälfte der vor allem die Sonnenbrände auslösenden UV-B-Strahlung und zirka drei Viertel der UV-A-Strahlen bis in eine Wassertiefe von einem Meter vordringen können.

Auch eine Wolkendecke schützt nicht

Auch im Gebirge sieht es nicht viel besser aus. Hier lauert so manche unterschätzte Sonnenbrand-Falle, weiss man beim Bundesamt für Gesundheit in Bern. Die Strahlungsintensität nimmt mit der Höhe zu. «Im Gebirge ist die Atmosphäre dünner. Der UV-Index steigt pro 1000 Höhenmeter um etwa 10 Prozent.»

Wer nun aber meint, bei bedecktem Himmel bestehe keine Gefahr, wird durch das BAG eines Besseren belehrt: «Wolken schwächen die UV-Strahlung nur bedingt ab. Eine leichte Wolkendecke in der Höhe reduziert die UV-Strahlung auf der Erde um gerade mal 5 bis 10 Prozent, eine dickere Wolkendecke auf mittlerer Höhe um 30 bis 70 Prozent.» Immerhin – aber häufig bleibt es gleichwohl gefährlich. Es gilt also, sich vor Sonnenbrand zu schützen. Und hier lauern auch schon die nächsten Sonnenbrand-Fallen. Bei den Sonnencremes kommt es nämlich nicht nur auf einen hohen Lichtschutzfaktor an. Wichtig ist auch, dass man sich überall eincremt, auch an oft vergessenen Stellen wie Ohren, Nase und Füsse. Und auch die richtige Menge ist von einiger Bedeutung.

Sechs Teelöffel Crème für einen Erwachsenen

«Verbraucher verwenden nur etwa die Hälfte der notwendigen Menge», weiss man bei der EU-Kommission und empfiehlt: «Um den durch den Lichtschutzfaktor angegebenen Schutz zu erreichen, muss eine Menge von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut aufgetragen werden. Dies entspricht etwa 36 Gramm (6 Teelöffel) Sonnencreme für den Körper eines Erwachsenen.»

Damit aber nicht genug. Nach dem Schwimmen und Abtrocken muss nachgecremt werden, paradoxerweise auch bei wasserfesten Produkten, denn einen hundertprozentigen Schutz über den gesamten Tag bieten auch sie nicht. Wasserfest ist ein Sonnenschutzmittel laut Vereinigung der europäischen Kosmetikindustrie in Brüssel immer dann, «wenn nach zweimaligem 20-minütigem Bad in bewegtem Wasser noch 50 Prozent des Schutzes zur Verfügung steht».

Kein Sonnenbrand, aber dennoch Hautalterung

Apropos nachcremen: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man durch Nachcremen den Lichtschutzfaktor erhöhen kann. Selbst die Schutzzeit, die durch das Eincremen gewonnen wird, ist mit Vorsicht zu geniessen, meint man beim Deutschen grünen Kreuz (DgK) in Marburg: «Je nach Höhe des Lichtschutzfaktors lässt sich eine maximale Zeit der Bestrahlung errechnen, ehe ein Sonnenbrand eintritt (Erythemschwelle). Zu chronischen Lichtschäden und vorzeitiger Hautalterung kann es jedoch schon viel früher kommen, und zwar nach etwa 60 Prozent der ermittelten Zeitspanne.»

Den wohl besten Tipp gibt es aber ganz zum Schluss, denn hier sind sich wirklich alle Experten einig: Die intensive Mittagssonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr sollte man am besten ganz meiden und in dieser Zeit Siesta machen.

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