GESUNDHEIT: Schauen, was im Darm vor sich geht

Die effektivste Darmvorsorgeuntersuchung ist die Darmspiegelung. Ist das nicht eklig? Wir wollten es genau wissen. Hier ein leicht verdaulicher Erlebnisbericht.

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Der eindrückliche Gang durchs Darmmodell soll zu einer Vorsorgeuntersuchung animieren. (Bild: pd)

Der eindrückliche Gang durchs Darmmodell soll zu einer Vorsorgeuntersuchung animieren. (Bild: pd)

Arno Renggli

Mit dem Thema Darmspiegelung wurde ich bei meinem letzten Gesundheitscheck konfrontiert. Der Arzt meinte, ich sei ja nun 50, ab diesem Alter sei das Risiko von Darmkrebs nun allmählich relevant. Zwar gäbe es auch andere Untersuchungsmethoden, etwa über Stuhlproben, aber die Darmspiegelung sei immer noch die zuverlässigste.

Eine Darmspiegelung? Diese Perspektive musste ich erst mal verdauen. Aber dann dachte ich: Was solls, Augen zu und durch! Ich wurde beim Facharzt angemeldet und bekam schon tags darauf neben den Infounterlagen zwei Beutel mit Pulver plus vier Tabletten. All das, so weit war mir klar, dazu da, dass es mich vor der eigentlichen Invasion so richtig durchputzt, um es mal auf gut schweizerisch zu sagen.

Falsche Vorstellung

So hatte ich mir das Ganze vorgestellt: Ich muss mehrere Tage streng fasten, dann eine scheussliche Brühe und dazu literweise Wasser trinken, dann die ganze Nacht auf dem WC sitzen (ein Kollege berichtete mir, er sei dabei in der Badewanne gesessen, aber vielleicht wollte er mich auch nur veralbern) und am folgenden Tag auf höchst unangenehme bis schmerzhafte Weise eine Art Minikamera in mich einführen lassen.

Aber es kommt dann so: Essen darf ich bis und mit Mittag vor dem Untersuchungstag genug, verboten sind lediglich etwa Früchte oder Vollkornprodukte, einfach was Ballaststoffe hat, vermute ich mal. Das heisst: Normales Brot, Teigwaren, Reis, Kartoffeln, Fleisch, Käse ist alles erlaubt. An den Abenden habe ich jeweils eine oder zwei Tabletten zu schlucken, diese laut Anleitung ein erstes Abführmittel, das auch zu Darmkrämpfen führen könne. Ich spüre gar nichts.

So richtig ernst wird es erst am Vorabend des Untersuchs, nicht nur, weil jetzt keine feste Nahrung mehr erlaubt ist. Denn da ist dieser erste von zwei Beuteln mit dem Pulver, das ich in einem Glas Wasser auflösen muss. Als ich das Glas ansetze, mache ich mich aufs Schlimmste gefasst und ... schmecke etwas wie Zitronenlimonade. Die Zeiten der scheusslichen Brühen sind offenbar vorbei. Auch muss ich nicht literweise Wasser trinken, ein Liter reicht, verteilt über eine Stunde. Locker machbar.

Ich habe gedacht, dass ich dann sofort rennen muss. Aber es kommt erst allmählich und jeweils mit Ansage. Insgesamt bin ich dann in der Nacht etwa dreimal auf der Toilette und kann dazwischen problemlos schlafen. Am Morgen muss ich früh auf, weil ich vier Stunden vor der Untersuchung die zweite Portion Pulver zu nehmen habe. Und nochmals einen Liter Flüssigkeit dazu. In der Folge gibt es nochmals zwei Toilettengänge, dafür kein Frühstück. Dann fahre ich mit dem Bus zum Spezialisten und hoffe, dass unterwegs nichts mehr läuft. So ist es dann auch.

Entspannungsmittel

Aber der Eingriff steht mir ja noch bevor. Nach einer Kurzinfo durch den Arzt komme ich in den Behandlungsraum. Da liege ich dann, übrigens bekleidet, nur habe ich eine überdimensionierte Unterhose anzuziehen bekommen, die den Eingriff nicht vorne hat, sondern ... naja, man kann sich ja leicht vorstellen. Die Assistentin setzt mir eine Nadel, mittels derer mir ein Entspannungsmittel verabreicht wird. Von der Wirkung merke ich nichts, plaudere mit der Assistentin, die mir verrät, sie werde ebenfalls 50-jährig und unterziehe sich im April selber einer Darmspiegelung. Dann kommt der Arzt, irgendwann spüre ich etwas Kühles im hinteren Bereich, sonst nichts, während ich weiterschwatze. Die Assistentin meint zwar nachher, ich sei eventuell mal ein paar Sekunden weggetreten gewesen. Aber ich selber habe nicht diesen Eindruck. Rasch ist der Arzt fertig, ich darf ins Wartezimmer und geniesse meinen ersten Kaffee des Tages. Etwas warten muss ich, weil man die Behandelten nach dem Entspannungsmittel jeweils noch für ein Weilchen einbehalten will.

Frühestens in acht Jahren wieder

Danach meldet sich der Arzt mit dem Befund: alles in Ordnung. Und zum Schluss nochmals eine positive Überraschung. Als ich frage, wann ich das nächste Mal eine Darmspiegelung machen solle, meint er: frühestens in acht Jahren. Denn so lange würden sogar kleinste Polypen, die jetzt vielleicht noch nicht sichtbar gewesen sind, keinen Schaden anrichten.

In acht Jahren? Das passt. Oder ob man es bis dahin zu Hause selber machen kann? Zum Beispiel mittels einer App? Aber vielleicht spricht aus diesem Gedanken nun doch noch das mir verabreichte Entspannungsmittel.

Hinweis

Die Grundversicherung übernimmt bei Personen zwischen 50 und 69 Jahren auf ärztliche Verordnung die Kosten von zwei Früherkennungsmethoden, dem Blut-im-Stuhl-Test (alle zwei Jahre) und der Darmspiegelung (alle zehn Jahre). Die Darmspiegelung ist effektiver. Der Blut-im-Stuhl-Test sucht nach Blut, das von Auge nicht immer sichtbar ist. Blut im Stuhl kann von einem Polypen (gutartige Wucherung) oder einem Tumor im Darm stammen.