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GESUNDHEIT: Trinken setzt sozialökonomisch Bessergestellten weniger zu

Derselbe Alkoholkonsum schädigt Herz und Blutgefässe bei Menschen der Unterschicht mehr als bei denjenigen mit höherem sozioökonomischem Status.
Derselbe Alkoholkonsum schädigt Herz und Blutgefässe bei Menschen der Unterschicht mehr als bei denjenigen mit höherem sozioökonomischem Status (Symbolbild).

Derselbe Alkoholkonsum schädigt Herz und Blutgefässe bei Menschen der Unterschicht mehr als bei denjenigen mit höherem sozioökonomischem Status (Symbolbild).

Wie sich Alkoholkonsum auf die Gesundheit von Herz und Blutgefässen auswirkt, hängt nicht nur von der Menge des konsumierten Getränks ab. Auch die soziale Stellung spielt dabei anscheinend eine Rolle, berichten jetzt norwegische Mediziner.

So hat zwar jeder, der mässig viel Alkohol trinkt, ein geringeres Risiko für Herz- und Gefässkrankheiten als Wenigtrinker. Dieser Zusammenhang ist aber in der oberen Gesellschaftsschicht stärker ausgeprägt als in der unteren. Zudem erhöht ein sehr häufiger Alkoholkonsum das Sterberisiko nur für Menschen der unteren sozioökonomischen Schicht, schreiben die Forscher im Fachblatt «PLoS Medicine».

Ausgewertet wurden Daten von 207394 Erwachsenen mittleren Alters, die an drei norwegischen Langzeitstudien teilgenommen hatten. Nach Selbstangaben zu ihrem Alkoholkonsum wurden die Teilnehmer in mehrere Gruppen eingeteilt. Als «mässig» galt ein Alkoholkonsum an zwei bis drei Tagen pro Woche. Knapp 19000 Personen gaben an, gar keinen Alkohol zu trinken.

Die Zuordnung zu einem hohen, mittleren oder unteren Gesellschaftsstatus erfolgte aus Informationen über Wohn- und Besitzverhältnisse, Einkommen und Bildungsstand.

In einem Zeitraum von durchschnittlich 16,6 Jahren starben 8435 Menschen infolge einer Herz- oder Gefässerkrankung, etwa 2000 davon an einem Schlaganfall. Bei der statistischen Auswertung wurden Angaben wie Geschlecht, Alter, Tabakkonsum, körperliche Aktivität, BMI, Blutdruck und familiäre Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mitberücksichtigt.

Insgesamt hatten Menschen mit mässigem Alkoholkonsum im Vergleich zu denen, die höchstens einmal pro Woche Alkohol tranken, ein um 22 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz- oder Gefässkrankheit zu sterben. Bei Menschen aus der oberen Gesellschaftsschicht erhöhte sich dieser Wert sogar auf 34 Prozent. Ein Alkoholkonsum an vier bis sieben Tagen pro Woche war nur bei Menschen der unteren Gesellschaftsschicht mit einem – und zwar um 42 Prozent – erhöhten Sterberisiko verbunden.

Gekoppelt mit ungesunder Ernährung und Rauchen?

Die je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedliche Alkoholwirkung könnte auf Unterschieden im ­generellen gesundheitsbewussten Verhalten beruhen. So verbinden womöglich Menschen aus benachteiligten Gesellschaftsschichten den Konsum von Alkohol häufiger als andere mit Rauchen und dem Verzehr von Junkfood. Umgekehrt könnten Bessergestellte durch gesündere Ernährung die schädlichen Wirkungen des Alkohols verringern.

«Wer allgemeine Empfehlungen zum Alkoholkonsum geben will, muss auch Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen berücksichtigen», folgern die Wissenschafter um Eirik Degerud vom Norwegian Institute of Public Health in Oslo.

Zu erwähnen ist ferner, dass die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf andere Aspekte der Gesundheit wie zum Beispiel das Krebsrisiko in dieser Studie nicht untersucht wurden. Weltweit sind fast 6 Prozent aller Krebstodesfälle auf den Alkohol zurückzuführen. Ein höheres Risiko hat dabei anscheinend auch, wer wenig oder mässig trinkt.

Joachim Czichos

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