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GEWALT: Pyrotechnik im Stadion: Die Fankurve mauert

Der St. Galler Staatsanwalt begrüsst es, dass die Bundesanwaltschaft erstmals eine Klage wegen Gewalt im Luzerner Sportstadion erhoben hat. Gleichwohl wurden gestern wieder Pyros gezündet.
Michael Genova, Julia Nehmiz
Basler Fans zündeten gestern am Match gegen den FC St. Gallen im Kybunpark Pyros. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 1. April 2017))

Basler Fans zündeten gestern am Match gegen den FC St. Gallen im Kybunpark Pyros. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 1. April 2017))

Michael Genova, Julia Nehmiz

Die Bundesanwaltschaft hat zum ersten Mal einen Fussballfan angeklagt, wie vorgestern bekannt wurde. Ein 23-jähriger Anhänger des FC St. Gallen hat im Februar 2016 im Luzerner Stadion mehrere Spreng- und Rauchkörper aufs Spielfeld geworfen. Dabei erlitt eine unbeteiligte Person Verletzungen am Gehör. Bei einer Hausdurch­suchung fand die Polizei zudem 100 Kilogramm pyrotechnisches Material.

Dass sich in diesem Fall die Bundesanwaltschaft für zuständig erklärt, könnte mit der Art der Spreng- und Rauchkörper sowie mit der Art der Verwendung zusammenhängen, sagt Thomas Hansjakob, erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. Das Vorgehen der Bundesanwaltschaft begrüsst er grundsätzlich. «Es ist an sich ein gutes Signal, dass ein vergleichsweise kleines Delikt ernst genommen wird.»

Bundesstrafgericht urteilt milder

Allerdings werden am Bundesstrafgericht in Bellinzona in der Regel eher schwere Straftaten ­beurteilt. So zum Beispiel Fälle von Wirtschaftskriminalität oder Delikte in Zusammenhang mit dschi­hadistisch motiviertem Terrorismus. «Es ist deshalb zu befürchten, dass die Strafzumessung im vorliegenden Fall nicht so hoch sein wird wie in den Kantonen», sagt Hansjakob. So sei das Bundesstrafgericht erfahrungsgemäss bei der Beurteilung von Betäubungsmitteldelikten milder als die kantonalen Gerichte.

Zur Situation im St. Galler Fussballstadion sagt Hansjakob: «Ich kann mich in dieser Saison an keine grösseren Pyro-Aktionen erinnern.» Die Massnahmen der vergangenen Jahre gegen Böller, ­Pyros oder Petarden zeigten Wirkung. Dazu zählt eine immer ausgefeiltere Videoüberwachung. Es gebe aber Stadien, wo das Problem noch nicht gelöst sei, etwa in Basel oder im Tessin. Daniel Last, Mediensprecher des FC St. Gallen, sagt zur Klage der Bundesanwaltschaft: «Grundsätzlich sind die Klubs einig mit der Swiss Football League, dass fehlbare Gewalttäter identifiziert und der Justiz zugeführt werden sollen – unabhängig von der Vereinszugehörigkeit.» Fans, Fanarbeiter, Fanverantwortliche und auch Redakteure von Fan- oder Fussballmagazinen wollten gestern zum Fall nichts sagen. «Zu heikel», «zu kurzfristig», lauteten die Absagen. Oder schlicht: Zu einem laufenden Verfahren wolle man sich nicht äussern. «Das Thema ist halt zu komplex, als dass sich jemand auf die Äste hinauswagt», sagt ein Insider.

Zumindest Leuchtfackeln, so­genannte Pyros, gehören für Fussballfans wegen der Stimmung wohl dazu. «Bei Pyros ­haben wir alle was davon», schreibt ein Fan des FC St. Gallen in einem Forum. Als ein Vater berichtet, er ärgere sich in der Fankurve über Pyros, Kiffer und Fansprecher, die per Mikrofon auffordern, die «Scheisshandys» nicht zu zücken, schreibt ein anderer lakonisch darunter: «Das Genannte und im Übrigen noch viel mehr gehören in der Kurve definitiv dazu.»

Pyros wurden denn auch gestern beim Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel im Kybunpark gezündet.

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