«GOTTHARD»: Steve Lees Freundin rettete den Unfallfahrer

Die Urne des tödlich verunglückten Rocksängers Steve Lee ist zurück in der Schweiz. Bandmitglieder und Lebenspartnerin orientierten in Zürich.

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Erschüttert: (von links) Freddy Scherer, Hena Habegger, Leo Leoni, Marc Lynn, Brigitte Voss-Balzarini und Anja Lynn. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Erschüttert: (von links) Freddy Scherer, Hena Habegger, Leo Leoni, Marc Lynn, Brigitte Voss-Balzarini und Anja Lynn. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Es war mäuschenstill gestern Abend im Konferenzsaal des Hotel St. Gotthard in Zürich. Über 50 Medienleute hatten sich zur ersten Medienkonferenz in der Schweiz versammelt, genau eine Woche nach dem schrecklichen Motorrad-Unfall des «Gotthard»-Leadsängers am 5. Oktober auf der Interstate 15 nördlich von Las Vegas. Ganz in schwarz gekleidet und in schwarzer Lederjacke betrat Lees Lebenspartnerin Brigitte Voss-Balzarini den Saal. Gestützt von Bandmitglied Marc Lynn und dessen Ehefrau Anja, begleitet von den übrigen Bandmitgliedern Leo Leoni, Hena Habegger und Freddy Scherer.

Urne zurück in der Schweiz
Erschüttert, in schwarzer Sonnenbrille und immer wieder gestützt von Anja und Marc Lynn ergriff zuerst Brigitte Voss-Balzarini das Wort. Alle 21 Teilnehmer der 22-köpfigen Schweizer Motorrad-Gruppe seien am Dienstagmittag in Zürich gelandet – zusammen mit der Urne von Steve Lee, die tags zuvor von den Behörden frei gegeben worden sei. «Noch heute, am Todestag meines Vaters, werde ich die Urne meines geliebten Steve seinen Eltern übergeben können», sagte Voss-Balzarini in gefassten, schriftlich auf einem Blatt Papier formulierten Worten. «Und noch heute werde ich nach Hause zu meinen Kindern gehen können.» Trotz allem wirkten diese Worte aus dem Munde der ehemaligen Miss Schweiz doch irgendwie erleichtert, aber noch lange nicht frei von tiefer Trauer und Schmerz.

«Steve wäre gelähmt gewesen»
Der 47-jährige Steve Lee war von einem herumfliegenden Motorrad tödlich getroffen worden, als die ganze Töff-Gruppe wegen eines nahenden Gewitters auf dem Autobahn-Pannenstreifen anhielt, um sich Regenanzüge anzuziehen. Einige Motorräder wurden dabei von einem schleudernden Lastwagen-Anhänger erfasst und durch die Luft gewirbelt. Brigitte Voss-Balzarini schilderte erstmals auch den Moment, als sie noch am Unfallort den LKW-Fahrer in die Arme nahm: «Es war ein junger, verzweifelter Mann, der nur noch weinte und mir sagte, er wolle sich das Leben nehmen. Ich hielt ihn davon ab und bin so froh darüber und ich bete immer wieder auch für ihn.» Später fügte die ehemalige Schönheitskönigin noch an: «Steves Rücken war ganz weich, als ich ihn ein letztes Mal streichelte. Hätte er überlebt, wäre er ganz bestimmt ganz gelähmt gewesen. Schlussendlich ist es deshalb gut, dass er unter diesen schrecklichen Umständen sofort gehen konnte.»

Zukunft der Band offen Bassist
Marc Lynn, der zusammen mit seiner Ehefrau Anja ebenfalls an der Tour teilnahm, konnte bei der Schilderung des Unfallhergangs die Tränen nicht zurückhalten, als er den Moment der traurigen Nachricht eines Helfers schilderte: «?He's gone – er ist gegangen?, sagte er zu mir.» Angesprochen auf die Zukunft der Band sagte Lynn: «Wir haben alle vier jetzt noch gar keine Ahnung, wie es mit ?Gotthard? weiter geht.» Gitarrist Leo Leoni fügte an: «Wir können das im Moment nicht entscheiden. Wir müssen zuerst einmal Zeit haben, diese Tragödie zu verarbeiten. Darum bitten wir alle unsere Fans und Freunde um Verständnis.»

André Häfliger

HINWEIS
Die öffentliche Gedenkfeier für Steve Lee findet am kommenden Sonntag ab 10 Uhr auf dem Hospiz des Gotthardpasses statt.