GOTTHARD: Tausende nehmen Abschied von Steve Lee

Sie wollten ihm noch einmal ganz nahe sein. Über 3000 Fans nahmen am Sonntag auf dem Gotthard-Pass Abschied von Steve Lee.

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In einem Zelt beim Gotthard-Hospiz erwiesen im Verlaufe des Tages rund 3000 Rockfans dem verstorbenen Steve Lee die letzte Ehre. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

In einem Zelt beim Gotthard-Hospiz erwiesen im Verlaufe des Tages rund 3000 Rockfans dem verstorbenen Steve Lee die letzte Ehre. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Unendlich gross war die Anteilnahme am Sonntag bei leichtem Schneefall, heftigem Wind und minus 10 Grad auf dem 2091 Meter hoch gelegenen Gotthardpass. Hunderte von Fans trugen sich im grossen, weissen Gedenkzelt in die Kondolenzbücher ein, stellten Kerzen, Briefe und andere Gedenkgegenstände auf den riesigen, schneeweissen Tisch mitten im Zelt. Weinend nahmen die Fans, einige unter ihnen auch aus Deutschland, Frankreich und Italien, vor der bewachten, dunkelblauen Urne von Steve Lee Abschied. Still verharrten sie vor den 12 grossen Schwarzweiss-Konzertbildern des stimmgewaltigen Bandleaders, der am 5. Oktober bei einem Verkehrsunfall in den USA verstorben war.

Zuspruch für Lebenspartnerin
Die beiden Kapuzinerpatres Edi Rossi aus Faido und Marzell Camenzind aus Andermatt zelebrierten draussen vor dem Zelt die kurze, sehr bewegende Trauerfeier. Hoch auf dem Fels trauerten auch die «Gotthard»-Bandmitglieder sowie Steve Lees Angehörige und engsten Freude. Darunter auch Lees Lebenspartnerin Brigitte Voss-Balzarini und ihre beiden Kinder. Brigitte und Lee hatten sich in der Westschweiz, an der Expo 2002, kennen gelernt. «Wir schicken dir viel, viel Kraft und Mut», riefen ihr die Fans zu. «Herzlichen Dank, ich spüre das so fest, es tut so gut», erwiderte die ehemalige Miss Schweiz, die mit Steve Lee seit Jahren im Tessin lebte.

Gedenktafel am Gotthard
«Er sprach deutsch und italienisch, sang in Englisch – seine Sprache aber war die Musik», sagte Pater Marzell während der Trauerfeier. «Und die Musik verbindet, wie der Gotthard hier oben, die Menschen.» Vor gut einem Jahr hatte die «Gotthard»-Band auf dem Pass oben noch ein Jubiläumskonzert gegeben, eine Gedenktafel soll künftig hier an Steve Lee erinnern, versicherte Pater Edi den Fans, die am Schluss zu einem Lied von «Gotthard» höchst bewegt die Arme in der Luft schwenkten. «Es war eine sehr emotionale, würdiger Abschied», erklärte Contry-Sängerin Suzanne Klee unter den Trauergästen.

Harleys aus Zug
Trotz schlechtem Wetter waren zahlreiche Fans auf ihren Harleys angereist. «Die Gotthard-Band ist mehrmals an unseren Harley-Treffen aufgetreten. Das sind wir dem unvergesslichen Steve Lee mehr als schuldig», erklärte Assistant-Klubdirektor Markus G. Weiler aus Zug. Auch er sprach von einer «sehr eindrücklichen Feier», die auch ihm «echt unter die Haut» gegangen sei. Oder wie stand es in einem handschriftlichen Brief auf dem weissen Gedenktisch geschrieben: «Lieber Steve, wir vermissen Dich so sehr und wir werden Dich niemals vergessen. In unseren Herzen lebst Du weiter. See you, anytime, anywhere. Keep on rockin' – in Heaven!»

Letztes Album im Frühling
René Rindlisbacher
, der sich mit seiner Ehefrau Monika ins Kondolenzbuch eintrug, ist überzeugt, dass die «Gotthard»-Musik weiter leben wird. «Es wird einen Neuanfang der Band geben, vielleicht unter einem anderen Namen. Das ist ganz bestimmt im Sinne von Steve Lee, den wir alle nie vergessen werden», sagte der Ex-«Schmirinki's»-Komiker.

Sicher ist, dass im kommenden Frühling ein letztes «Gotthard»-Album erscheinen wird. «Das ist ein schöner Trost für alle Fans», meinte «Good-News»-Agenturgründer André Béchir. «Es wird noch sehr lange dauern, bis wir alle über den grossen Verlust und Schmerz kommen, den wir und die ganze Schweizer Musikwelt erlitten haben.»

André Häfliger