GRAUBÜNDEN: Engadin – ein Tal für Entdecker

Im Schatten von St. Moritz hat sich das Engadin zu einer gerade bei Schweizern äusserst beliebten Ferienregion gemausert. Nun wollen Pontresina und Co. noch stärker ihren eigenen Weg gehen. Mit gutem Grund.

Dominik Buholzer
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Biker im Val dal Buegliet; im Hintergrund der Cambrenagletscher mit dem Piz d’Arlas und dem Piz Cambrena. (Bild: Markus Greber/Swiss-Image)

Biker im Val dal Buegliet; im Hintergrund der Cambrenagletscher mit dem Piz d’Arlas und dem Piz Cambrena. (Bild: Markus Greber/Swiss-Image)

Dominik Buholzer

Jan Steiner mag nicht klagen. Und schon gar nicht über die Konkurrenz durch St. Moritz. Der Zeitgeist spiele ihnen in die Hände, sagt der Geschäftsführer von Pontresina Tourismus: «In St. Moritz trägt man den Pelz nach aussen, in Pontresina nach innen.» Understatement heisst das Zauberwort, und dies drückt sich kaum besser aus als bei Pontresinas bekanntestem Gast.

Seit Jahren verbringt Angela Merkel zusammen mit ihrem Mann ihre Ski- und Wanderferien im beschaulichen Ort am Fusse des Berninapasses. Statt im Fünf-Sterne-Hotel, das es im Ort auch gibt, logiert die deutsche Kanzlerin im Drei-Sterne-Hotel Schweizerhof. Als man in Pontresina Merkel eine Übernachtung in einem Vier-Sterne-Haus offerierte, willigte diese mehr widerwillig denn freudig ein. Das Jahr darauf verzichteten Merkel und ihr Mann auf den zusätzlichen Sterneglanz und stiegen wieder im «Schweizerhof» ab. Dies würde ihnen mehr behagen, liessen sie ausrichten.

Mehr Genuss, weniger Glamour – das könnte auch das Motto des Tourismus im Engadin sein. Im Schatten des mondänen St. Moritz entwickelten sich die anderen Gemeinden des Hochtales zu einem beliebten Ausflugsziel. Insbesondere bei Schweizern, wie Pontresina zeigt. 70 Prozent der Gäste sind Schweizer, 20 Prozent sind Deutsche, der Rest sind andere Nationalitäten. Die starke Verankerung im heimischen Markt führte dazu, dass die Frankenstärke in Pontresina weniger Kratzer hinterliess als in St. Moritz. Auch ist die Region nicht so stark vom Wintergeschäft abhängig wie andere Bündner Destinationen. Im Gegenteil: Das Sommergeschäft gewinnt für Pontresina an Bedeutung.

Seit letztem Jahr sind nun auch die Voraussetzungen geschaffen, dass sich die Gemeinden rund um St. Moritz marketingmässig selber besser ins Licht rücken können. «Das Engadin ist für viele ein Sehnsuchtsort in den Schweizer Alpen. Dem wurde in der Vergangenheit zu wenig Rechnung getragen. Aus diesem Grund wurde die Region wohl unter ihrem Wert geschlagen», sagt Gerhard Walter, der neue CEO Engadin St. Moritz Tourismus AG. Es gibt gute Gründe dafür. Das Engadin ist ein Tal für Entdecker. Dies widerspiegelt sich wiederum in Pontresina.

Im Gebiet am Fusse des Berninapasses lässt sich die grösste Steinbock-Kolonie des Alpenraumes beobachten. Und nirgendwo steht man so schnell am Fusse eines Gletschers. Wer mal keine Lust hat, die Berge zu erklimmen, der kann sich demnächst im Dorfzentrum auf der neuen Flaniermeile die Beine vertreten. Und Wagemutige segeln bald durch die Ova-da-Bernina-Schlucht. Der Gemeinderat hat sich im vergangenen September grundsätzlich für eine Flyline ausgesprochen, eine Einrichtung, dank der man an einem Spezialgurt hängend eine Gegend entlanggleitet.

Die Berninabach-Schlucht mitten in Pontresina war schon einmal ein touristisches Highlight. Das war in den 1930er-Jahren. Jetzt wird die spektakuläre Schlucht touristisch wieder reaktiviert – Nervenkitzel inklusive.