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GRIPPE UND CO.: Was Viren anrichten können und weshalb es sie braucht

Manch einer ist krank in diesen Tagen, Opfer der allgegenwärtigen Grippe. Wie gefährlich sie ist, zeigt der Blick in die Geschichte. Wäre die Welt also ein schönerer Ort, wenn es diese vielen Viren nicht gäbe? Nein, keineswegs.
Viren. (Bild: PD)

Viren. (Bild: PD)

Saft, Schleim, Gift

Virus bedeutet im Lateinischen «Saft, Schleim, Gift» und wurde zum ersten Mal verwendet von Cornelius Aulus Celsus im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Er bezeichnete den Speichel, durch den Tollwut übertragen wurde, als «giftig». Erst vor hundert Jahren aber fand der Mikrobiologe Martinus Beijerinck heraus, dass das Filtrat von kranken Tabakblättern erneut Krankheiten auslöst. Bakterien werden von Filtern zurückgehalten, daher musste es sich um einen neuartigen Erreger handeln.

Ohne sie gäbe es uns nicht

«Regieren die Viren die Welt?», fragt Curtis Suttle, der in Vancouver Marine Mikrobiologie und Virologie lehrt. Er meint damit nicht jene Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, wie Polio, Masern, Pest oder Pocken. Sie haben Kulturen ausgelöscht, Kriege entschieden und Landstriche entvölkert. Suttle aber meint etwas anderes: «Ohne Viren gäbe es uns nicht.» Jeder zweite Atemzug wird von Viren gespeist. Viren lösen Bakterien auf. Die dabei freiwerdenden Nährstoffe dienen anderen Lebewesen.

Besiedler des Menschen

Im Unterschied zu den – normalerweise sehr viel grösseren – Bakterien sind Viren unselbstständig. Sie brauchen einen Wirt, das heisst ein Bakterium oder eine Zelle, um sich vermehren zu können. Aber es genügt auch, dass sie über eine andere Energiequelle verfügen. Überall findet man sie. Ein gutes Beispiel sind wir selbst: Gesunde Menschen sind eine Art Superorganismus. Sie bestehen aus etwa 10¹² Zellen – das ist eine 1 mit 12 Nullen. Und sie werden bewohnt von 10¹4 Bakterien und noch 100-mal mehr Viren.

Viren und Äpfel

«Viren sind nicht tot», widerspricht die Virologin Karin Mölling in ihrem Buch «Supermacht des Lebens» der verbreiteten Auffassung, Viren dürften nicht zum Leben gezählt werden,
weil sie sich nicht selber vermehren können. Weit eher liessen sie sich mit Äpfeln vergleichen: «Ein Apfel auf dem Küchentisch wird nicht von selbst zu zwei Äpfeln; ein Virus auch nicht.» Ein Virus vermehrt sich nicht allein. Die Umgebung ist so essenziell wie beim Apfel, dessen Kern aus der Erde heraus zum Baum wird.

Die Erbauer der Zellen

Genau wissen kann man es nicht, doch Karin Mölling ist tief davon überzeugt, dass am Beginn des Lebens die Viren stehen. «Der Anfang muss klein und einfach gewesen sein», stellt sie fest. Schon Bakterien seien viel zu gross. Der deutsche Nobelpreisträger Manfred Eigen habe die Ribonukleinsäure (RNA) an den Anfang des Lebens gesetzt, die in der Zelle genetische Information in Proteine (Eiweisse) umsetzt. «Schon die ersten RNA sind eigentlich eine Art von Viren.» Sie hätten dann die Zellen aufgebaut.

Wie Viren uns austricksen

Gegen Viren ist der Mensch oft machtlos, weil sie sich einer Therapie durch ihre enorme Veränderbarkeit entziehen. Deshalb die Probleme, rechtzeitig die geeignete Grippeimpfung bereitzustellen. Deshalb die Schwierigkeiten im Kampf gegen Aids. Das HI-Virus besteht aus 10000 Bausteinen, von denen sich bei jeder Vermehrungsrunde etwa 10 verändern. Schon in einem einzigen Aidskranken sammeln sich also Mutationen an. Einige dieser Viren vermehren sich und überwachsen die anderen.

Wir tragen Viren in uns

Für die Virologin Karin Mölling ist das ein besonders wichtiger Punkt: Viren haben es gar nicht darauf angelegt, uns umzubringen. «Die meisten Viren und Bakterien machen uns gar nicht krank, sondern haben sich in Millionen Jahren zusammen mit uns entwickelt.» Im Ökosystem herrsche keineswegs ein permanenter Krieg oder ein ständiges Wettrüsten, sondern eine Balance, die erst der Mensch aus dem Gleichgewicht bringe. Bis dahin ist er Profiteur, denn zur Hälfte besteht sein Erbgut aus Virusresten.

Achtung, Schnupfen

Viren sind Minimalisten. Sie kommen mit einer Handvoll Erbinformationen aus, einem Stück Desoxyribonukleinsäure (DNA) oder Ribonukleinsäure (RNA), verpackt in eine Hülle aus schützendem Eiweiss. So lagert sich etwa das Schnupfenvirus an bestimmte Strukturen der Nasenschleimhautzellen an, die es in sich aufnehmen und seiner Eiweisshülle berauben. Nun zwingt der Eindringling die Zelle dazu, ein Enzym herzustellen, welches die viruseigene RNA vervielfältigt und neue Eiweisshüllen produziert.

R.A.

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