GROSSBRITANNIEN: Prinz William wird Vollzeit-Royal

Weil die 90-jährige Queen kürzertreten muss, gibt Prinz William seinen Job als Pilot eines Rettungshelikopters auf und wird Vollzeit-Repräsentant des britischen Königshauses.

Sebastian Borger/London
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Der Familie von Prinz William steht wohl bald ein Umzug nach London bevor. (Bild: Andrew Matthews/AP (Englefield, 25. Dezember 2016))

Der Familie von Prinz William steht wohl bald ein Umzug nach London bevor. (Bild: Andrew Matthews/AP (Englefield, 25. Dezember 2016))

Sebastian Borger/London

Vier prominenten jüngeren Mitgliedern der britischen Königs­familie bringt das neue Jahr einschneidende Veränderungen. Aus seiner ländlichen Idylle in der ostenglischen Grafschaft Norfolk zieht das Prinzenpaar Kate (35) und William (34) spätestens im Herbst in den Londoner Kensington-Palast um. Dem dann vierjährigen Prinzen George steht die Einschulung bevor, seine im Mai das zweite Lebensjahr vollendende Schwester Charlotte soll in den Kindergarten gehen. Und Papa William muss mehr royale Pflichten übernehmen.

Kurz vor Weihnachten kündigte Elizabeth II an, sie wolle bis zu ihrem 91. Geburtstag im April 25 Schirmherrschaften abgeben. Eine Hand voll davon soll der Dritte der Thronfolge, also Prinz William, übernehmen. Über die Feiertage wurde die Königin dann von einer «schweren Erkältung» geplagt und musste zum ersten Mal seit Jahrzehnten sowohl Weihnachts- wie auch Neujahrsgottesdienst absagen.

Raum für Privates geschaffen

Bisher hat es William geschickt verstanden, sich trotz der ihm vorgezeichneten Zukunft als König private Freiräume zu erarbeiten. Dem Kunstgeschichts­studium im schottischen St. Andrews, wo der Herzog von Cambridge seine Zukünftige kennen lernte, folgten siebeneinhalb Jahre Militärdienst, darunter als Pilot eines Rettungshelikopters im walisischen Anglesey. Seit 2015 dient er in gleicher Funktion in Norfolk und lebt mit der jungen Familie in komfortabler Abgeschiedenheit in dem Landhaus Anmer Hall, das zum Königsschloss Sandringham gehört.

Das Herzogspaar habe dar­über nachgedacht, dort wohnen zu bleiben, berichtete ein Freund jetzt der «Sunday Times». Aber da die Staatspflichten zunehmend Williams Anwesenheit in London erforderlich machen, wäre der Prinz dann unter der Woche selten zu Hause gewesen. Also doch lieber eine Schule und einen Kindergarten im Umfeld des Londoner Wohnsitzes finden, was im feinen Stadtteil Kensington kaum Schwierigkeiten machen dürfte. Ein wenig dürfte für den Umzug auch die bekanntermassen robuste Londoner Boulevardpresse verantwortlich sein. Sie rechnet der Königsfamilie gern akribisch vor, wie viele offizielle Termine deren Mitglieder pro Jahr wahrnehmen. An der Spitze liegt seit Jahr und Tag Prinzessin Anne (66) als älteste Tochter der Monarchin, Princess Royal genannt. Die als ebenso robust wie uncharmant geltende Dame war vergangenes Jahr an 179 Tagen in offiziellem Auftrag unterwegs, gefolgt von ihrem älteren Bruder, Thronfolger Charles, mit 139 Tagen. Dass es aber der 95-jährige Prinzgemahl Philip auf 110 Tage mit Königsterminen brachte, der 61 Jahre jüngere William hingegen nur auf 80, ebenso viele wie seine 90-jährige Grossmutter Elizabeth, stösst bei vielen Beobachtern auf Unverständnis.

Schon im vergangenen Jahr musste sich der junge Familienvater deshalb als «arbeitsscheu» verspotten lassen, zumal maulende Pilotenkollegen der «Sun» mitgeteilt hatten, der Prinz mache zu viel frei und sei «ein wenig gelangweilt» im verantwortungsvollen Job. William hingegen beteuerte zuletzt, er habe grossen Spass an der Aufgabe: «Am Ende des Tages habe ich das Gefühl, etwas geleistet zu haben.» Ob das für Ordensverleihungen und Denkmaleröffnungen auch gilt? Darüber wird der Vollzeit-Royal sicher beizeiten berichten.