GROSSBRITANNIEN: Vom «Rottweiler» zur Hoheit

Vor zehn Jahren heiratete Thronfolger Prinz Charles seine langjährige Jugendliebe Camilla. Die Briten haben die spröde Herzogin von Cornwall inzwischen ins Herz geschlossen.

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Die Royals unterwegs für die Monarchie: Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla 
am 18. März bei ihrem USA-Besuch vor dem Lincoln Memorial in Washington. (Bild: AP/Pablo Martinez Monsivais)

Die Royals unterwegs für die Monarchie: Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla am 18. März bei ihrem USA-Besuch vor dem Lincoln Memorial in Washington. (Bild: AP/Pablo Martinez Monsivais)

Michael Donhauser, DPA

Im Jahr 2005 war sie bei der Mehrheit der Briten nur «die andere Frau». Sie hatte die beliebte Prinzessin Diana (19611997) von der Seite des Thronfolgers Charles verdrängt und die heile Welt der britischen Monarchie in ein schlechtes Licht gerückt. Als Camilla Parker-Bowles Prinz Charles am 9. April 2005 heiratete, wurde alles anders.

Camilla (67) ist zehn Jahre nach der Hochzeit vollkommen akzeptiert bei Königin und Volk. So ist sie bei der zeremoniellen Eröffnung des Parlaments zugegen und sass neben der Queen in der Kutsche, als diese ihr Thronjubiläum feierte. Die offizielle Anrede «Königliche Hoheit» für die einst in der Regenbogenpresse als «Rottweiler» verspottete Camilla klingt längst nicht mehr seltsam. Und sie zeigt sich wie selbstverständlich auf dem Balkon des Buckingham-Palastes dem Volk.

Mögliche nächste Königin

«Sie hat ihre Rolle in Windeseile gewechselt. Erst war sie die Gespielin, dann war sie die Hoheit», sagt etwa die Königshaus-Biografin Penelope Junor. In einigen Jahren dürfte Herzogin Camilla Königin sein.

Frühere Pläne der Krone, ihr als Gattin des künftigen Königs Charles nicht den Titel «Queen» zu verleihen, werden immer seltener erwähnt. Inzwischen sind laut Umfragen fast 50 Prozent der Briten dafür, dass ihre nächste Königin Camilla heissen soll. Als Charles (66) sich vor zehn Jahren traute, mit seiner Jugendliebe Camilla Parker-Bowles seine zweite Ehe einzugehen, war das noch nicht absehbar. Die Zeremonie in Windsor war vergleichsweise nüchtern weit entfernt von der Märchenhochzeit, die Charles 1981 mit Prinzessin Diana gefeiert hatte. Königin Elisabeth II. hielt sich betont im Hintergrund.

Sie kennen sich seit 1970

Camilla lernte Charles bereits im Jahr 1970 bei einem Polospiel kennen. Für beide sollen es intensive Gefühle gewesen sein. Ihre Beziehung dauerte bis 1972 an. Camilla machte sich aber keine Hoffnungen, die Frau des Prinzen von Wales zu werden.

Feier fernab der Glitzerwelt

Charles und Camilla haben angekündigt, ihren zehnten Hochzeitstag in Schottland zu verbringen, auf Birkhall, einem Herrenhäuschen auf dem königlichen Landsitz Balmoral. Dort gehen beide gerne wandern und fischen, in Gummistiefeln und grobem Tweet, weit abseits der Glitzerwelt des schrillen London, die Charles’ erste Frau Diana so schätzte.

Camilla hat ihre Rolle in der königlichen Familie angenommen. Zunächst nervös und zurückhaltend, ist sie zur festen Grösse bei den Royals geworden und Schirmherrin von 85 gemeinnützigen Organisationen. «An ihrem Hochzeitstag hatte sie Angst, öffentlich ausgebuht zu werden», sagt Junor. Das änderte sich nach und nach. Als etwa Prinz Williams Braut Kate vor ihrer Hochzeit im Jahr 2011 Rat suchte, war Camilla zur Stelle. Für Charles ist das eine Genugtuung. Camilla ist die Liebe seines Lebens auch wenn sie nicht Mutter seiner Söhne William (32) und Harry (30) ist.