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GUADELOUPE: Savoir-vivre in der Karibik

Das französische Überseedépartement hat viel mehr zu bieten als bloss idyllische Postkartenstrände. Acht Flugstunden von Paris entfernt, trifft man auf der Insel auf eine atemberaubende Naturvielfalt und lernt eine lebensfrohe Bevölkerung kennen. Pflicht ist der Besuch des weltweit grössten Museums zur Geschichte der Sklaverei.
Rahel Hug
Das malerische Inselchen Îlet du Gosier eignet sich perfekt für einen Badetag und ist mit dem Boot von Le Gosier aus zu erreichen. (Bilder: Rahel Hug)

Das malerische Inselchen Îlet du Gosier eignet sich perfekt für einen Badetag und ist mit dem Boot von Le Gosier aus zu erreichen. (Bilder: Rahel Hug)

Rahel Hug

Warum in Montpellier, Paris oder Bordeaux Französisch lernen, wenn es auch in der Karibik geht? Auf Guadeloupe herrschen das ganze Jahr über Temperaturen zwischen 25 und 32 Grad, die vom Massentourismus (noch) verschonten Strände sind schöner als in jedem Reiseprospekt und im rund 20000 Hektar grossen Nationalpark mit seiner üppigen Vegetation und zahlreichen Wander­wegen kommen auch Aktivtouristen auf ihre Kosten. Auf der Schmetterlingsinsel – den Namen trägt die Insel wegen ihrer Form – lässt sich ein Sprachaufenthalt wunderbar mit einem entspannenden Urlaub kombinieren.

Die kleine Sprachschule Inter Media Langue Caraibes befindet sich im Städtchen Le Gosier, das zur Agglomeration des wirtschaftlichen Zentrums Pointe-à-Pitre gehört. Vom Schulzimmer aus sieht man auf das türkisblaue Meer und das dem Ort vorgelagerte Inselchen, der Strand ist nur wenige Gehminuten entfernt. Le Gosier, umgeben von grünen Hügeln, ist ein quirliger Fleck. Der Ort, der nach den hier heimischen Pelikanen benannt ist, erwacht früh: Kurz nach Sonnenaufgang, wenn die Luft noch angenehm kühl ist, machen sich die älteren Einwohner auf den Weg an den Strand für die tägliche Wassergymnastik. Richtig Leben kehrt aber erst ein, wenn die Schule beginnt: Die Kinder werden ins Zentrum gefahren, Stau ist dann an der Tagesordnung. Das Chaos auf den Strassen bringt aber kaum jemanden aus der Ruhe. Die Inselbewohner gehen gelassen durch den Alltag – eine Eigenschaft, von der man sich als Besucher gerne anstecken lässt. Die älteren Herren, die dem Treiben von den Veranden ihrer bunten Häuschen aus zuschauen, rufen freundlich «Bonjour», aus den vorbeifahrenden Autos klingt laut Reggaeton-Musik, während der Gemüsehändler an der Ecke seine Bananen sortiert – ein typischer Morgen in Le Gosier.

Der authentische Markt am Hafen von Pointe-à-Pitre

Der Ort liegt auf Grande-Terre, dem östlichen Teil des «Schmetterlings». Die Landschaft ist geprägt von Zuckerrohrplantagen (Guadeloupe ist bekannt für seinen Rum, die Besichtigung einer Distillerie lohnt sich). Hier ist es im Vergleich zu Basse-Terre, dem westlichen Inselteil, flacher, trockener und weniger wild. Wer Postkartenstrände sucht, wird im Süden von Grande-Terre in den touristischen Zentren wie Sainte-Anne fündig. Im Norden, zum Beispiel im Hafenort Le ­Moule, geht es ruhiger zu und her. Pointe-à-­Pitre, wo sich auch der internationale Flughafen befindet, sollte man an einem Samstag besuchen: Dann, wenn auf dem turbulenten und authentischen Marché de la Darse am meisten los ist, die Männer auf traditionelle Art den frisch gefangenen Fisch entschuppen und die Frauen lautstark ihre Avocados, Passionsfrüchte und Orangen anpreisen. Pointe-à-Pitre ist mit rund 16 000 Einwohnern die grösste Stadt Guadeloupes – doch die Hauptstadt Basse-Terre befindet sich auf dem anderen, gleichnamigen Inselteil. Über ihr thront der aktive Vulkan La Soufrière – mit 1467 Metern die höchste Erhebung des Archipels. Mit etwas Glück sieht man die Spitze des Vulkans, doch meistens bleibt sie hinter einer dicken Wolkendecke verborgen. Der schweisstreibende Aufstieg macht sich bezahlt, im Süden sieht man bis auf die Nachbarinseln Dominica und Martinique, auf dem Gipfel ermöglichen zahlreiche ­Krateröffnungen ungewohnte Einblicke (die beissenden Schwefeldämpfe sind weniger angenehm). Der grüne Insel­- teil Basse-Terre hat viel zu bieten: den schwarzen Vulkanstrand Plage de Malendure und das Tauchgebiet Réserve Cous­teau des Îlets Pigeon, den botanischen Garten von Deshaies, den Wasserfall Cas­cade aux Ecrevisses oder die Plage de Grande Anse im Norden, die als einer der schönsten Strände Guadeloupes gilt. Das Naturschutzgebiet Grand Cul-de-Sac Marin bietet sich für eine Paddeltour durch die Mangrovensümpfe an.

Dunkles Kapitel der Geschichte aufgearbeitet

Wer «Gwada», wie die Insel von den Einheimischen auch genannt wird, entdecken will, braucht ein Auto. Der öffentliche Verkehr lässt zu wünschen übrig und einsamere Strände sind nur mit fahrbarem Untersatz zu erreichen (und vor allem: zu finden!). Doch auf den Strassen ist Geduld gefragt: Nicht nur zur Rushhour sind die Hauptachsen chronisch verstopft. Wer sich die typisch karibische Lockerheit noch nicht angewöhnt hat, sollte es also spätestens im Strassenverkehr versuchen.

Pflicht für jeden Guadeloupe-Reisenden ist der Besuch des «Mémorial ACTe» am Hafen von Pointe-à-Pitre. Die 2015 eröffnete Gedenkstätte ist das weltweit grösste Museum zur Geschichte der Sklaverei. Auf eindrückliche Art und Weise erinnert die multimediale Ausstellung an das dunkle Kapitel in der Geschichte der französischen Kolonie und an das Schicksal der rund 300 000 Sklaven, die bis 1848 auf der Insel ausgebeutet wurden. Guadeloupe ist ein französisches Überseedépartement – dass die Insel zu Frankreich und damit zur EU gehört, merkt man nicht nur an den zahlreichen französischen Touristen, die die Strände bevölkern. In den Bäckereien gibt’s Croissants und Baguette, die Produkte im Supermarkt stammen aus Frankreich, viele Einheimische studieren in Paris oder lassen sich in einem Spital in «France métropolitaine» behandeln (sofern sie es sich leisten können). Das alles darf nicht über die Probleme hinwegtäuschen: In einigen Aussenbezirken von ­Pointe-à-Pitre beherrschen Drogen den Alltag, die Arbeitslosenrate liegt gemäss verschiedenen Quellen bei rund 25 Prozent, die Lebenshaltungskosten sind hoch. Eine gefährliche Kombination, die sich 2009 in einem Generalstreik entlud.

Derweil ist es Abend geworden in Le Gosier. In den Kneipen am Strand kommen Einheimische, Touristen und Sprachschüler bei einem «Ti-Punch» – Rum mit Limette und Rohrzucker – miteinander ins Gespräch. Im Park nebenan findet der Nachtmarkt statt, wo Accras (frittierte Fischbällchen) und das delikate «Sorbet Coco» gereicht werden. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird getanzt, Kinder tollen herum. Auf Guadeloupe lässt es sich nicht nur wunderbar sein Französisch aufbessern – man lernt auch eine lebensfrohe und warmherzige Bevölkerung kennen.

Der botanische Garten von Deshaies bietet auch Gelbbrustaras ein Zuhause. (Bild: Rahel Hug)

Der botanische Garten von Deshaies bietet auch Gelbbrustaras ein Zuhause. (Bild: Rahel Hug)

Am Marché de la Darse in Pointe-à-Pitre verkaufen Frauen frische Früchte. (Bild: Rahel Hug)

Am Marché de la Darse in Pointe-à-Pitre verkaufen Frauen frische Früchte. (Bild: Rahel Hug)

Vom Fusse des Vulkans La Soufrière sieht man auf die Îles des Saintes und Dominica. (Bild: Rahel Hug)

Vom Fusse des Vulkans La Soufrière sieht man auf die Îles des Saintes und Dominica. (Bild: Rahel Hug)

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