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HADSCH: Eine Versöhnung ist nicht in Sicht

Mehr als zwei Millionen Muslime reisen auch in diesem Jahr nach Mekka und ­ Medina. Die Pilgerfahrt wird von den massiven politischen Spannungen im Mittleren Osten überschattet.
Michael Wrase, Limassol
Hadsch-Pilger beten auf dem Berg Arafat in der Nähe von Mekka. (Bild: Mast Irham/EPA (Mekka, 31. August 2017))

Hadsch-Pilger beten auf dem Berg Arafat in der Nähe von Mekka. (Bild: Mast Irham/EPA (Mekka, 31. August 2017))

Michael Wrase, Limassol

Es hätte der Anfang vom Ende der Krise zwischen Saudi-Arabien und Katar sein können: Vollmundig hatte der saudische König Salman noch vor zwei Wochen verkündet, dass er die Pilger aus dem Emirat am Persischen Golf in seinen Privatjets nach Mekka bringen lassen werde. Doch die Sondermaschinen seiner Majestät erhielten keine Erlaubnis in Doha, Katar. Behaupteten die Saudis und bestritten die Katarer, deren Pilger am Ende nicht wie Staatsgäste behandelt wurden, sondern mit dem Auto fuhren oder sich in die endlosen Warteschlangen am Flughafen von Dschiddah, Saudi-Arabien, einreihen mussten.

Mehr als zwei Millionen Muslime aus weit über 100 Staaten nehmen in diesem Jahr am bis Montag dauernden Hadsch teil. Unter den Pilgern sind auch fast 80 000 Iraner. Aus Protest gegen die schlechten Sicherheitsvorkehrungen in Mekka und Medina waren sie letztes Jahr zu Hause geblieben.

Grossmufti giesst ­ Öl ins Feuer

Wie schon so häufig war es auch im Jahr 2015 während der hoch emotionalen «Steinigung des Teufels», der rituellen Sündenreinigung, zu einer Massenpanik gekommen, bei der fast 3000 Gläubige, unter ihnen fast 800 Iraner, totgetrampelt wurden. Polizisten hatten den Strom der Pilger aufgehalten, um einer Gruppe von prominenten Ehrengästen das Ritual der «Steinigung» ohne das übliche Gedränge zu ermöglichen.

Zugegeben haben die Saudis ihre Fehler bis heute nicht. Stattdessen beschuldigten sie die iranischen Opfer, die Katastrophe verursacht zu haben – was typisch für das konspirative Denken und Handeln im Morgenland ist. Da auch die Iraner den Saudis «vorsätzliches Handeln» unterstellen, sind neue Spannungen vorprogrammiert.

Zusätzliches Öl ins Feuer hatte zuvor der saudische Grossmufti Al-Scheikh gegossen, als er alle Schiiten pauschal zu Ungläubigen erklärte. «Wir müssen verstehen, dass sie keine Muslime sind», vergiftete der Geistliche das Klima zwischen den Glaubensgemeinschaften weiter.

Eine Versöhnung oder Annäherung auf der eigentlich allen Muslimen heiligen saudischen Erde wird es auch während der diesjährigen Pilgerfahrt nicht geben. Die Gastgeber unternahmen bisher keine sichtbaren Anstalten zur Lösung der Dauerkriege im Irak, in Syrien und Jemen, an denen das Wüstenkönigreich direkt oder indirekt beteiligt ist.

Im Fernsehen wird ­ Eintracht propagiert

In ihren offiziellen Verlautbarungen zum Hadsch verbreitet das saudische Königshaus dagegen ein Bild von religiöser Harmonie und Eintracht. Das Staatsfernsehen präsentiert ausgesuchte Pilger, welche voller Überschwang «die organisatorischen Meisterleistungen» der Gastgeber lobpreisen und anschliessend Tränen der Freude über die glückliche Ankunft im Lande des Propheten vergiessen.

Eine gewaltige logistische Herausforderung ist die Pilgerfahrt tatsächlich. Im letzten Jahr hatte man versucht, die Gläubigen mit «e-Armbändern», auf denen die Visa- und Passnummern eingespeichert wurden, zu kontrollieren. Dieses Jahr sollen den Pilgern Farben und Zahlencodes bei der Orientierung helfen. Alle Zelte, melden die Veranstalter stolz, seien inzwischen aus feuerfestem Material, Brandkatastrophen wie in der Vergangenheit damit ausgeschlossen.

Als «Hüter der heiligen Stätten» trägt Saudi-König Salman die Verantwortung für die Sicherheit der Pilger. Nach den vielen Katastrophen in den letzten Jahren ist die Kritik am Monarchen gewachsen. Auch die hemmungslose Kommerzialisierung der Pilgerfahrt ist vielen Muslimen ein Dorn im Auge. Der ursprüngliche religiöse Gedanke des Hadsch gehe dadurch verloren.

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