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HAMBURG: Show-Fabrik Aida: Entertainer trainieren vor ihrem Kreuzfahrtschiff-Auftritt

Eine Kreuzfahrt ohne abendliches Showprogramm? Unvorstellbar. In Hamburg holen sich die Sänger, Tänzer und Artisten von Aida den letzten Schliff. Werfen Sie einen Blick in den Proberaum und erfahren Sie, welche Show nicht fehlen darf.
Die Artisten üben für ihren Auftritt. (Bild: PD)

Die Artisten üben für ihren Auftritt. (Bild: PD)

Dominik Buholzer

Im obersten Stock an der Simon-von-Utrecht-Strasse in Hamburg wummert aus den Boxen der Sound, und Maria (29) lässt die Bälle tanzen. Drei, vier, fünf ... Bis zu acht Bälle auf einmal kann die Artistin in der Luft halten.

Die Ukrainerin ist eine Sensation. Sie gilt als die weltweit einzige Artistin, die auch ihre Haare beim Jonglieren einsetzt; am Endes ihre Zopfes baumelt Ball Nummer acht. 30 Minuten braucht sie alleine, ihre Haarpracht herzurichten – auch fürs Training.

Vier Stunden Training, und das sechs Tage in der Woche

In wenigen Wochen wird Maria mit ihrer Nummer die Gäste auf einem der derzeit zwölf Schiffe von Aida unterhalten. Bis zur Abreise steht noch ein schönes Stück Arbeit an. Vier Stunden täglich übt sie mit den Bällen. Und dies sechs Tage in der Woche. Lediglich am Montag haben die Artisten frei. Hart sei das schon, meint sie, aber auch lustig. Dass ein solcher Alltag nicht die Regel ist, weiss auch die junge Ukrainerin. «Ehrlicherweise kann ich mir gar nicht vorstellen, ein normales Leben zu führen», meint sie lächelnd.

An die Simon-von-Utrecht-Strasse in Hamburg kommt jeder, der auf den Schiffen von Aida tätig ist. Hier befindet sich Aida Entertainment, die Show-Fabrik der Kreuzfahrtgesellschaft. Hier werden sämtliche Shows entwickelt und einstudiert, alle Kostüme und Requisiten hergestellt, und hier lernen Artisten und Tänzer, wie sie sich selber schminken.

Sechs bis acht Wochen sind die Künstler in Hamburg, bevor sie mit acht bis zehn Showprogrammen im Gepäck an Bord gehen. Bis zu 20 stehen jeden Abend auf einem Schiff auf der Bühne. Nach vier Monaten kehren sie wieder an die Simon-von-Utrecht-Strasse, ihrem künstlerischen Hafen, zurück, üben neue Shows ein oder feilen an den bestehenden Programmen.
So wie Patrick Mares aus Olten. Der 39-jährige Sänger übt gerade mit anderen eine neue Choreografie ein. Seit 2007 ist er für Aida unterwegs. Musicals sind seine grosse Leidenschaft. Und das Reisen. Beides kann er an keinem Ort besser ausleben als auf einem Kreuzfahrtschiff. Er geniesst dabei die Abwechslung im Programm. «Wir spielen jeden Abend etwas anderes», sagt er. Zudem lerne man Leute aus den unterschiedlichsten Kulturen kennen. «Das macht diese Arbeit so besonders», erzählt er.

Shows auf hoher See bieten den Artisten neue Möglichkeiten

Viele Artisten stammen aus der Ukraine, nicht wenige von ihnen standen bereits beim kanadischen Zirkus Cirque du Soleil unter Vertrag. Bei Aida machen sie eine ganz neue Erfahrung. «Hier kannst du wirklich zeigen, was du kannst. Hier steht dir viel mehr Platz zur Verfügung als in einem Zirkus», sagt Irina (28). Mit fünf Jahren hat sich die junge Frau aus Kiew dem Artistenleben verschrieben. Ihr Spezialgebiet: die Luftakrobatik. Seit 2007 ist sei bei Aida. Zuerst als Artistin, heute als Trainerin. Ein Traumberuf, wie sie findet.

Ein Traumberuf in einer Traumwelt? «Eigentlich machen wir nichts anderes als singen, tanzen und klatschen», sagt Borris Brandt (56) und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: «Im Gegensatz zu den meisten anderen betreiben wir das auf hohem Niveau.» Brandt ist Geschäftsführer von Aida Entertainment und hat ausreichend Erfahrung, was beim Publikum ankommt und was nicht. Bevor er bei Aida das Unterhaltungsgeschäft zu regeln begann, war er Programmdirektor beim Privatfernsehsender Pro 7. Dort brachte er unter anderem «TV total», die Sendung mit Stefan Raab, heraus. Seinen grössten Coup landete er aber mit «Big Brother».

Die Fernsehshow schien sich bei der niederländischen Produktionsfirma Endemol Entertainment zum Ladenhüter zu entwickeln. Die Idee von «Big Brother»: Stecke eine Gruppe von völlig unterschiedlichen Menschen in einen Container und zeige, was sie den ganzen Tag treiben und vor allem wie sie sich lieben und streiten.

Kein Sender wollte sich an dem TV-Format die Hände verbrennen. Brandt hingegen griff zu und sicherte sich dank der gesteigerten Zuschauerquote eine «wirklich fette Prämie», wie er sagt. Allerdings: Ganz so wohl war es Brandts Chefs mit der neuen Serie nicht. Zu Beginn lief «Big Brother» noch unter «Galileo – das Experiment».

Eine neue Show zu entwickeln, kostet eine halbe Million

Heute sorgt Brandt dafür, dass auf den Aida-Schiffen die Gäste was geboten bekommen. Dazu gehört, dass er unter anderem Unterhaltungsformate, die vom Fernsehen her bekannt sind, an Bord bringt. «Wer wird Millionär» spielen sie jetzt auch auf hoher See, und statt «The Voice of Germany» heisst es «The ­Voice of the Ocean». Daneben gibt es auch noch zahlreiche Eigenproduktionen wie die Tanzshow «Eine grosse Nachtmusik» oder «Utopia: Flug durch Raum und Zeit». Insgesamt gibt es Dutzende von Shows und Quiz, die die Gäste auf den Aida-Schiffen erwartet.

Das Entwickeln von neuen Unterhaltungselementen lässt sich Aida was kosten. Eine halbe Million schlägt dies pro neuer Show zu Buche. Dies ist eine schöne Stange Geld. Doch in der Regel können die Shows drei Jahre lang gespielt werden. Nur ein Stück entwickelt sich zum Evergreen: «Mamma Mia» – oder wie es bei Aida heisst: «Dancing Queen». Die Hits der ehemaligen schwedischen Popgruppe Abba wurden rekordverdächtige 1500-mal schon auf den Aida-Schiffen gespielt. Das Publikum ist geradezu süchtig danach. Dies merkten die Verantwortlichen von Aida, als sie die Show vor kurzer Zeit aus dem Programm nahmen. Das kam gar nicht gut an, die Show musste wieder angesetzt werden. «Die Leute kommen nach den Ferien nach Hause und sagen: An Bord gab es Shows und ‹Mamma Mia›.» So einfach kann das Glück manchmal sein.

Spüren, was das Publikum will. Darum geht es Brandt. «Mamma Mia» funktioniert immer. Aber auch Quizshows. «Die Gäste wollen etwas lernen», sagt Brandt, dessen Vater Hollywood-Legende Kirk Douglas die deutsche Synchronstimme lieh. Und die Gäste sehnen sich nach Gemeinschaftserlebnissen. So organisiert Brandt Massenkaraoke auf dem Meer. Das sorgt für gute Laune. Brandt ist überzeugt, dass 3D künftig auch im Showbusiness eine stärkere Rolle spielen wird.

Allerdings: Zu perfekt dürfen die Shows auch nicht sein. Brandt: «Es darf auch mal ein Ball zweimal runterfallen. Wenn es beim dritten Mal funktioniert, tobt das Publikum.»
Das weiss auch Maria. Und trotzdem übt sie jeden Tag. Ohne stetes Training geht es nicht. «Manchmal braucht es ein oder gar zwei Jahre, bis eine Nummer wirklich funktioniert», sagt sie und wendet sich wieder ihren Bällen zu.

Hinweis

Weitere Informationen zu Aida gibt es auf www.aida.ch.

Hier wird einstudiert, was später die Passagiere an Bord eines der Kreuzfahrtschiffe von Aida begeistern soll: Im Haus von Aida Entertainment kommen Artisten, Sänger und Tänzer aus der ganzen Welt zusammen. (Bild: PD)

Hier wird einstudiert, was später die Passagiere an Bord eines der Kreuzfahrtschiffe von Aida begeistern soll: Im Haus von Aida Entertainment kommen Artisten, Sänger und Tänzer aus der ganzen Welt zusammen. (Bild: PD)

Die Artisten trainieren oft. (Bild: PD)

Die Artisten trainieren oft. (Bild: PD)

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