HASENGESCHICHTEN: Wache Öhrchen, weiches Fell

Schon mehr als hundert Jahre lang treibt ein Kaninchen in blauer Jacke sein Unwesen in Herrn McGregors Gemüsegarten: Peter Hase. Nicht ganz so ungezogen ist Max Bolligers Häsli Stummel.

Bettina Kugler
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So muss ein herrlicher Hasentag beginnen! Was die zwei Langohren anschliessend erleben, erzählt das Buch «Hasentage» ganz ohne Worte. (Bild: Daphne Louter/Sauerländer)

So muss ein herrlicher Hasentag beginnen! Was die zwei Langohren anschliessend erleben, erzählt das Buch «Hasentage» ganz ohne Worte. (Bild: Daphne Louter/Sauerländer)

Bettina Kugler

Kohl ist seine Leibspeise, aber Salat, Rüebli und Rettich mag er auch für sein Leben gern. Dafür riskiert Peter notfalls Kopf und Kragen – und wenn wir «Kragen» schreiben, meinen wir das so. Denn Peter Hase zählt seit 1902 zu den bestangezogenen Kaninchen im Bilderbuchwald: Blaue Jacke mit Messingköpfen, so hat ihn Beatrix Potter gezeichnet und mit Wasserfarben ausgemalt. Sicher, ein echtes Kaninchen braucht das nicht, ob es nun unter der Wurzel einer sehr grossen Tanne lebt wie Peter oder in einem Käfig – mit einem «Diener», der regelmässig Futter serviert: Löwenzahn, Klee, Apfelstücke. Tönt erst mal gut in den Ohren des Hasenkinds Stummel. Aber dafür hinter Gitter sitzen? Lieber nicht. Und bloss keine Jacke, die Mutter Hase morgens eng am Kragen zuknöpfen könnte – und die dann doch im Kohlbeet verloren gehen muss.

Ein kleiner Feldhase wächst auf und findet Freunde

Die Gutenachtgeschichten über den Feldhasen Stummel sind nicht ganz so alt wie «Peter Hase» und die anderen Wald- und Wiesenabenteuer der Engländerin Beatrix Potter. Max Bolliger hat sie Mitte der 1980er-Jahre geschrieben und sich vorher mit dem echten Hasenleben vertraut gemacht.

Wir müssen also darauf gefasst sein, dass Stummel von seiner Mutter aus dem Nest geworfen wird, als sie wieder Nachwuchs erwartet. Dass Stummel keck in einen Menschengarten hoppelt, ausgerechnet am Ostermorgen – und dort einen kurzen Auftritt als lebender Osterhase hat. Aber eine blaue Jacke trägt er natürlich nicht!

Im Gegenteil, Kathrin Schärer hat ihn für die neue Ausgabe der «Gutenachtgeschichten für Kinder und ihre Eltern» (ab 5, Atlantis, 144 S., Fr. 27.–)schön struppig gezeichnet. Dafür hat er ein viel reicheres Gefühlsleben als der weiche Peter Hase. Eher wie ein neugieriges, waches Menschenkind.