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HAUSTIERE: Es bellt, kreucht und miaut

In jedem dritten Schweizer Haushalt wohnt mindestens ein Haustier – vom Hund bis zur Echse oder dem Zierfisch. Die Millionen von tierischen Mitbewohnern sind auch ein gutes Geschäft, und zwar weltweit.
Bruno Knellwolf
Haustiere – und die nötigen Accessoires – sind ein grosses Geschäft. Im BIld: ein Hund in einem Haustierfachmarkt. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Dietlikon, 30. November 2010))

Haustiere – und die nötigen Accessoires – sind ein grosses Geschäft. Im BIld: ein Hund in einem Haustierfachmarkt. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Dietlikon, 30. November 2010))

Bruno Knellwolf

Das Bundesamt für Statistik warnt: «Seit einigen Wochen führt ein unbekanntes Unternehmen bei Privathaushalten eine telefonische Befragung zu Haustieren (Hunde, Katzen) durch und behauptet, dies im Namen des Bundesamts für Statistik (BFS) zu tun.» Das Bundesamt hält allerdings fest, dass es keine solche Befragung durchführe und mit diesem Unternehmen nichts zu tun habe.

Das gemäss BFS weiterhin unbekannte Unternehmen wird sich nicht aus reiner Tierliebe für Hunde und Katzen interessieren. Haustiere sind ein grosser Wirtschaftsfaktor, was sich leicht nachrechnen lässt. Gemäss dem BFS wohnt in 28 Prozent der Schweizer Haushalte mindestens ein Haustier. Die Schweizer Datenbank Amicus zählt die Hunde ganz genau. In der Schweiz leben demnach exakt 424802 registrierte Hunde, dazu kommen etwa 1,5 Millionen Katzen, Nager, Fische und Exotisches aus aller ­Herren Länder. Bis die alle ihr Futter haben, Leinen, Körbchen, Halsbänder, Quietschentchen und vieles mehr, fliesst mancher Franken aus Schweizer Haushalten. Nicht nur in der Schweiz. Gemäss dem Fachverband Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland wächst der Markt weltweit. Auch in Schwellenländern wollen immer mehr Menschen ihre Zeit mit einem Haustier verbringen, vor allem in Russland und Indien steigt die Popularität. In Europa leben ungefähr 285 Millionen Haustiere. Der globale Gesamtmarkt beläuft sich inzwischen auf über 92 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent davon werden für Katzen- und Hundenahrung ausgegeben.

Viel Freude und viele Nebenkosten

Am Verkauf der Tiere verdiene man dagegen sozusagen nichts, sagt eine Fachangestellte der Zoohandlung Zoo Roco in Lyss. Die Accessoires machen es aber aus, und diese sind vielfältig, wie ein Besuch in einer Zoohandlung zeigt. Und wer selbst einen Hund oder eine Katze zu Hause hat, weiss zudem, wie teuer die medizinische Versorgung des Tiers ist. Hat der Hund Muskelkater, kostet das dann in der Tierklinik schnell mal über 100 Franken.

Allerdings, rein nach Zahlen ist der Zierfisch das Haustier Nummer eins. In der Schweiz leben etwa 5 bis 7 Millionen in den Aquarien; weltweit exportieren über hundert Länder rund 1,5 Milliarden lebende Zierfische. Der Zierfischhandel ist somit ein Milliardengeschäft. Der weltweite Transport solcher Fische bis zum Aquarium ist aber eine schwierige Angelegenheit, viele Fische gelangen gar nicht bis dorthin, sondern verenden ­vorher. Am meisten Nähe spürt der Mensch aber zu Hunden und Katzen. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von zwei Typen von Menschen: von Katzen- und von Hundemenschen, je nach Vorliebe. Das Marktforschungsinstitut Euromonitor hat herausgefunden, dass es auch Hunde- und Katzenländer gibt. Während in der Schweiz und den Nachbarländern die Katze öfter gehalten wird, sieht es in Asien und Südamerika ganz anders aus. In China gibt es etwa 28 Millionen Hunde und nur 11,4 Millionen Katzen. Noch Hunde-verrückter ist Brasilien mit etwa 37 Millionen wolfsverwandten Tieren. In Südamerika gehöre ein Hund einfach zu einer Familie, sagen die Meinungsforscher. Bei uns ist die Katze somit dreimal mehr zu finden als der Hund.

Nicht zur Freude vieler Naturfreunde. Zu reden gibt zurzeit das neue Buch von Peter Marra. In «Cat wars: The Devasting Consequences of a Cuddly Killer» erzählt er die Geschichte von David Lyall, der im Jahr 1894 auf Stephens Island in Neuseeland ankommt und seine Katze namens Tibbles dabei hat. Innerhalb eines Jahres rottet Tibbles den Zaunkönig aus, einen raren einheimischen Vogel auf der Insel. Aus dieser Geschichte heraus erklärt Marra, dass allein in den USA freilaufende Katzen Milliarden Vögel und andere Tiere töteten. Gleichzeitig alarmiert er über den wenig bekannten Aspekt, dass die öffentliche Gesundheit durch Parasiten, die von der Katze auf den Menschen übertragen würden, gefährdet sei. Ein Thema, das bei Katzenhaltern dementsprechend sehr aufgeladen ist und wohl noch länger zu reden geben wird.

Pro Jahr verschwinden 20000 Haustiere in der Schweiz

Katzenfreunde werden sich eher daran stören, dass in der Schweiz jährlich bis zu 20000 Haustiere verschwinden, davon sind über ein Drittel Katzen. Das meldet Anis, die Datenbank zur Registrierung sämtlicher Heimtiere ausser Hunden. Anis empfiehlt Katzenhaltern deshalb, ihr Tier zu chippen, damit dieses eindeutig identifiziert werden kann. Katzen und Hunde sind zwar ein Dauerbrenner. In seien zurzeit Zierfische und Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Mäuse, sagt Therese Schumacher, Präsidentin des Verbands Zoologischer Fachgeschäfte der Schweiz (VZFS). Der Trend gehe hin zu artgerechter Haltung. «Die Haustierhalter schauen darauf, dass es dem Tier gut geht, dass die Gehege naturgerecht eingerichtet werden», sagt Schumacher. Nicht mehr so gefragt seien Ziervögel. Die Auswahl dieser Vögel sei früher in den Fachgeschäften grösser gewesen. Anspruchsvoll ist die Haltung exotischer Tiere. «Aber es gibt auch bei diesen Arten solche, die einfach zu halten sind», sagt Schumacher. Da spiele die Grösse der Tiere, die Ansprüche an Futter und die Klimabedingungen eine Rolle. «Mit dem entsprechenden Wissen können auch anspruchsvolle Tiere gut gehalten werden.»

«Tiere werden überlegter gekauft»

Entscheidend ist, dass der Mensch das richtige Tier für sich findet. «Da spielt das Alter des Besitzers eine Rolle und die Zeit, welche er mit dem Tier verbringen möchte. Respektive wie viel davon ihm für die Pflege des Haustiers zur Verfügung steht», sagt Schumacher. Weitere Faktoren sind der Platzbedarf und die natürlichen Bedürfnisse des Tieres. «Fische, die in der Natur im Schwarm leben, sollten auch in einem Aquarium nicht nur zu zweit gehalten werden. Ein Meerschweinchen ist ein Fluchttier. Das heisst, dass es im Gehege viele Rückzugmöglichkeiten braucht. Rennmäuse, die in der Natur in Tunnelsystemen leben, brauchen eine hohe Grabschicht», erklärt Therese Schumacher.

Kinder bräuchten zudem Anleitung und die Kontrolle von Erwachsenen. Tiere sollten nicht gestresst werden. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die ihr Tier wieder loswerden wollen. In Zoofachgeschäfte könne man die Tiere meist nicht zurückbringen, deshalb sei eine gute Beratung vor dem Kauf wichtig. «Wir müssen am Anfang bereits verdeutlichen, dass ein Käufer das ganze Tierleben lang Verantwortung für das Lebewesen trägt.» Dieses Bewusstsein habe sich in den letzten Jahren stark verbessert. «Tiere werden überlegter gekauft», sagt Therese Schumacher.

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