HAZY OSTERWALD: «Kriminal-Tango»: Am Ende hatten alle Spass

Hazys grösster Hit ist 50 Jahre alt. Es brauchte einiges, seine Musiker für den aus Italien stammenden Hit zu begeistern.

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Hazy und Eleonore Osterwald mit den original Plattenhüllen. Im Hintergrund das Gemälde Paris, das Hazy vor über 20 Jahren von seinem Freund, dem Kunstmaler Töbi Schiess, abgekauft hat. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Hazy und Eleonore Osterwald mit den original Plattenhüllen. Im Hintergrund das Gemälde Paris, das Hazy vor über 20 Jahren von seinem Freund, dem Kunstmaler Töbi Schiess, abgekauft hat. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Kriminal-Tango, in der Taverne, dunkle Gestalten – und rotes Licht?»: Mehrere Tausend Mal – wie viel weiss er nicht – hat Hazy Osterwald mit seinem Sextett den «Kriminal-Tango» gespielt. «Rauf und runter, bis zum Abwinken», erinnert sich der in Luzern wohnhafte 87-jährige Bandleader, Trompeter und Vibrafonist, der vor vier Jahren seine Karriere wegen seiner Parkinson-Krankheit aufgab. 

Original «Tango speciale»
Genau 50 Jahre sind es her, seit Hazys Hit veröffentlicht worden ist. Schuld daran war der Chef eines italienischen Tango-Orchesters, Piero Trombetta. Der Hazy-Fan hatte einen grossen Wunsch: Sein Vorbild möge sein Stück «Tango speciale», das er mit seinem Orchester schon einige Zeit mit anderem Text und mit nur mässigem Erfolg in Italien spielte, in der Schweiz mit seinem Sextett aufnehmen. «Ich war skeptisch. Aber nachdem Piero einige Male angefragt hatte, sagte ich schliesslich zu», erzählt Hazy Osterwald. Den neuen Text schrieb Hazys deutscher Texter Kurt Feltz.

Freude am Schuss
Die grösste Hürde musste Hazy in der eigenen Band nehmen. Die Jazzer Dennis Armitage, Werner Dies, Sunny Lang, Curt Prina und John Ward sperrten sich gegen den «Kriminal-Tango». Hazy Osterwald: «Sie sagten, das entspreche doch schlicht nicht unserem Standard.» Und Hazy schmunzelt: «Als ich dann aber den Titel zusammen mit meinem deutschen Komponisten und Produzenten Heinz Gietz arrangiert hatte, waren auch sie überzeugt. Vor allem Schlagzeuger John Ward, der am Schluss immer mit der Pistole den Schuss abgeben durfte, hatte seine helle Freude daran.» Der Ohrwurm, der in der Originalversion über eine Million Mal verkauft wurde, schoss wie Hazys späterer Hit «Der Fahrstuhl nach oben?» auf Platz eins der Schweizer, deutschen und Österreicher Hitparade, in Italien schaffte es Hazy unter die Top Ten. Selbst die für Frankreich arrangierte Version «Le Tango de Jonquilles» kam in unserem Nachbarland unter die besten 20.
Von den Tausenden Auftritten erinnert sich Hazy Osterwald vor allem an einen: an die Sendung «Verstehen Sie Spass» mit Kurt Felix. «Unser Sextett wurde bei einem Auftritt in St. Gallen mit versteckter Kamera aufgenommen. Für stolze 100 000 Franken hatte das Fernsehen unsichtbar eine Sprinkler-Anlage über unsere Köpfe anbringen lassen. Als der berühmte Schuss fiel, sollte Wasser auf uns herunterfallen.» Weil die Anlage zuerst klemmte, wurden die Musiker erst bei der Zugabe geduscht.

Am liebsten Hazys Original
Mit seiner späteren Band, den 10-köpfigen Entertainers, nahm Hazy 1987 in Holland und 1991 in Salzburg nochmals modernere Versionen des «Kriminal-Tangos» auf. «Vor allem die Disco-Version von 1991 finde ich hervorragend, er ist aber leider zu wenig bekannt», sagt der beste Hazy-Kenner der Schweiz, Mandy Schneebeli aus Stein am Rhein SH. Im Radio ist der «Kriminal-Tango» auch heute noch gefragt. «Der Hit wird bei uns nach wie vor oft gewünscht», sagt DRS 1-Redaktor Jürg Moser. «Aber immer nur die 50-jährige Originalversion des Osterwald-Sextetts.»

André Häfliger

Hinweis:
Am nächsten Samstag wird Hazy Osterwald am Festival «Jazz Ascona – New Orleans & Classics» mit dem Swiss Jazz Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das Festival findet vom 25. Juni bis 5. Juli statt.