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HEILFASTEN: «Fasten ist der gesunde Gegenpol»

Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes: Viele Krankheiten lassen sich durch Fasten lindern. Die Forschung ist daran, die Mechanismen des Fastens zu erkunden. Doch es braucht noch mehr Studien.
Julia Nehmiz

Julia Nehmiz

Es ist beruhigend, dass längst nicht alle Ärzte, Fastenleiter und Forscher, die sich auf dem Kongress der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung tummeln, einen schlanken Körper haben. Im Publikum lässt sich das eine oder andere Speckröllchen entdecken. Wasser predigen und Wein trinken – das trifft es trotzdem nicht: Das Fachpublikum kennt sich wirklich aus mit Fastenmethoden, der Wirkung von Heilfasten und den neusten Forschungsergebnissen. Auf dem zweitägigen Kongress, der im sommerlichen Überlingen am Bodensee abgehalten wurde, stellen renommierte Forscherinnen und Wissenschafter aus Boston, Strassburg, Los Angeles und Berlin ihre Erkenntnisse vor.

In einem Satz zusammengefasst könnte man sagen: Fasten hilft, und zwar bei ganz vielem.

Fasten sei, wie wenn man eine Art Reset-Knopf drücke, sagt Andreas Michalsen. Er ist Chefarzt am Immanuel-Krankenhaus Berlin-Wannsee und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Man kann sagen, er forscht schon sein ganzes Medizinerleben über das Fasten. «Wir in der westlichen industrialisierten Welt Lebenden überfordern unseren Körper permanent», sagt er. Fasten sei der gesunde Gegenpol. Und: Es sei im Menschen angelegt, denn früher habe man im natürlichen Wechsel zwischen Hunger und reichlicher Ernährung gelebt.

Doch bei aller Euphorie: Fasten ist kein Allheilmittel, sagt Michalsen. Es mindert die Beschwerden bei Rheuma, aber nur für eine bedingte Zeit. Bei Krebserkrankungen lindert Fasten die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Diabetes und Bluthochdruck seien durch Fasten heilbar. Doch er warnt: Fasten sei kein Ablasshandel, es ersetze nicht die Notwendigkeit, sich gesund zu ernähren. Und man sollte Fasten nicht exzessiv betreiben, sonst könnte man sich eine Essstörung angewöhnen.

Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, teils auch Depression, hängen mit der Überernährung zusammen. Warum fasten dann nicht mehr Menschen? Es gebe immer noch Mediziner, die sich wissenschaftlich nicht auf dem Laufenden hielten, sagt Michalsen. Er wünscht sich mehr Forschung, mehr klinische Studien – doch dafür gebe es kein Geld. «Hinter dem Fasten steht keine Industrie.» Eine Studie für einen neuen Cholesterinsenker koste zwar eine Milliarde Euro, doch man könne damit eben auch Milliarden verdienen. Fasten kann auch Cholesterin senken, aber damit verdient ein Pharmakonzern kein Geld. Doch die Forscherszene sei aktiv, allein in Berlin liefen aktuell fünf Studien.

Gefährliche Fetteinlagerungen

Die junge Wissenschafterin Miriam Bredella, Radiologin und Professorin an der Harvard Medical School in Boston, hat die Auswirkungen akuter chronischer Über- und Unterernährung bei Frauen und Männern untersucht. Adipositas kann zu Fettleber führen, was wiederum eine Hepatitis auslösen kann, welche dann möglicherweise zu einer Leberzirrhose (die Leberstruktur wird zunehmend zerstört) führt. Das klingt hypothetisch, aber Bredella sagt: «Das wird bis 2020 der häufigste Grund für eine Lebertransplantation werden.»

Doch Fetteinlagerungen können noch andere unangenehme Wirkungen haben. Anhand von 200 Computertomografien ihrer Probanden stellte die Medizinerin fest, dass Männer, die an Schlafapnoe (kurze Atemstillstände im Schlaf) leiden, höhere Fetteinlagerungen in der Zunge aufwiesen. Das höhere Zungenvolumen verringert die Durchlässigkeit der Atemwege. Noch weiss Bredella nicht, wie man dem erhöhten Zungenfett entgegenwirken könnte.

Knochenmarkfett erhöht das Risiko von Frakturen

Auch das Gegenteil der Fettleibigkeit ist ungesund. Miriam Bredella wies nach, dass Patienten mit Anorexia Nervosa – Magersucht – mehr Knochenmarkfett aufweisen, obwohl sie kein Körperfett haben. Bei erhöhtem Knochenmarkfett steigt das Risiko von Frakturen, unabhängig von der Knochendichte. Auch Diabetes- oder Adipositas-Patienten zeigten ein erhöhtes Knochenmarkfett, was Bredella vermuten liess, dass Diabetes-Typ2-Patienten (umgangssprachlich auch Alterszucker genannt) vielleicht deswegen ein erhöhtes Frakturrisiko haben.

Dem Knochenmarkfett ist sie auf der Spur. In einer Studie sollten gesunde Probanden zuerst zunehmen, sie mussten zehn Tage 5500 bis 6000 Kalorien verdrücken. Anschliessend durften sie nach Hause und zwei Wochen «normal» essen. Dann wurden sie erneut stationär behandelt, zehn Tage Wasserfasten. Die Tests zeigten, dass die elf Männer und vier Frauen um 5,7 Prozent zunahmen, nach dem Fasten aber 9 Prozent des Körpergewichts verloren hatten. Sie hatten also mehr ab- als zugenommen. Für Bredella interessant: Alle Fettwerte waren runtergegangen, nur das Knochenmarkfett hatte sich erhöht. Ihre Vermutung: Dieses wird anders reguliert als das Körperfett. Wie, das wird vielleicht eine nächste Studie weisen.

Abnehmen im Schlaf

Trend Zeitschriften und Diätratgeber wissen, wie man rasch abnimmt. Der neue Trend lautet dieses Jahr: Teilzeitfasten. In der Fachsprache «intermittierendes Fasten» oder «Intervallfasten» genannt. Der Berliner Mediziner und Forscher Andreas Michalsen findet Intervallfasten eine gute Sache. «Die Ergebnisse der Studie zum 16-Stunden-Intervallfasten waren sensationell.» Doch viele Ratgeber solle man mit Vorsicht geniessen. Zum Thema Intervallfasten gebe es auf dem Markt ein Dutzend Bücher, die Autoren sind Michalsen alle nicht bekannt. In keiner Forschungsarbeit oder Studie sei er auf deren Namen gestossen. Man solle bei Ernährungshypes eine gesunde Skepsis walten lassen. Doch das intermittierende Fasten ist empfehlenswert. «Es geht um das Bauchgefühl, darum, den Körper wieder zu spüren», sagt Michalsen. Nur dann essen, wenn man Hunger hat. Das könne fast keiner. Für gewöhnlich esse man nach Verfügbarkeit oder nach der Uhr.

Das Intervallfasten ist ein natürlicher Reflex: Wer abends viel gegessen hat, spürt morgens noch, dass er kein Frühstück braucht. Trotzdem greifen die meisten zu. Beim Intervallfasten greift man nicht zu. Denn regelmässig 12, 14 oder gar 16 Stunden nichts zu essen, ist gesund. Michalsen räumt ein, dass es auch schwierig ist: Essen bedeutet nun mal Gemeinschaft, man kann nicht immer auf das Familienabendessen verzichten, ohne zu vereinsamen. Er selber lässt das Frühstück ausfallen und nutzt den Schlaf für die nahrungsfreie Zeit. Der Stoffwechsel stelle sich darauf ein, doch benötige es Training – wer Teilzeitfasten ausprobieren möchte, solle erst nach zwei Wochen Bilanz ziehen.

Am besten sei es, zweimal am Tag ordentlich zu essen, und auf Snacks und Zwischenmahlzeiten zu verzichten. Man schlafe besser, fühle sich wohler, Über­gewichtige nähmen ab. In einer Studie zu 16-stündigen Fastenpausen wiesen Forscher der Universität Padua nach, dass sich im Blutspiegel der Probanden altersbeschleunigende Faktoren (wie Insulin) und Entzündungsfaktoren verringerten. (miz)

Andreas Michalsen, «Heilen mit der Kraft der Natur», Insel-Verlag

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