HEIRASSA-FESTIVAL: 10'000 Volksmusikfreunde in Weggis

Trotz Fussball-EM und schlechtem Wetter: Das Heirassa-Festival in Weggis zog am Wochenende 10'000 Volksmusikfreunde an.

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Auch der Volksmusik-Nachwuchs war am Heirassa-Festival vertreten: Die Entlebucher Geschwister Ramona, Sandra und Martina Röösli (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Auch der Volksmusik-Nachwuchs war am Heirassa-Festival vertreten: Die Entlebucher Geschwister Ramona, Sandra und Martina Röösli (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Vor einem halben Jahr ist Radio- und TV-Star Kurt Zurfluh («Zoge am Boge», «Hopp de Bäse») «Vo Lozärn gäge Wäggis» gezogen, wo er mit seiner Lebenspartnerin Barbara Schilliger lebt. Für den Neu-Weggiser war es geradezu Pflicht, am 4. Heirassa-Festival vom Freitag bis gestern Sonntag unterwegs zu sein.

«Was mich an diesem Festival fasziniert, ist seine Idylle, die hochstehenden Darbietungen und das treue Publikum», sagte Zurfluh am Sonntag bei leichter Bewölkung und angenehmen 19 Grad. Als «Höhepunkt unter vielen Highlights» bezeichnete er das samstägliche Heirassa-Revival in der Weggiser Kirche mit den routinierten Stars Dani Häusler, Willi Valotti, Ueli Stump und Köbi Schiess sowie dem vielversprechenden Urner Gastakkordeonisten Franz Gehrig junior. «Es hatte zu wenig Platz in der Kirche», stellte Zurfluh fest. Schmunzelnd fügte er an: «Mancher Pfarrer würde sich freuen, hätte er so viele Kirchgänger.»

Auf der Hauptbühne am See-Pavillon freute sich der Neu-Weggiser, auch Claudia und Hans Muff aus Menznau aufspielen zu sehen. «Die Akkordeonistin Claudia wird demnächst in Moskau auftreten – und ihr Vater an den Olympischen Spielen in Peking», wusste Zurfluh. Er erwähnte auch den internationalen Touch des Festivals, das im Hotel Schweizerhof zum Beispiel mit den Geschwistern Ursula und Christian Klotz aus dem Montafon Ausdruck fand.

Nachwuchs und «alte Hasen»
Sie gehören zu den zahlreichen Nachwuchsformationen, denen Programmchef Carlo Brunner an den Gestaden des Vierwaldstättersees immer wieder eine Chance gibt. «Für uns ist das eine sehr grosse Ehre», erklärte Martina Röösli (18, Klavier) aus Finsterwald, die mit ihren Schwestern Ramona (12, Flöte und Klarinette) und Sandra (15, Handorgel) erstmals gemeinsam in Weggis aufspielte.

«Wir Jungmusikanten haben es sehr gut unter uns», erzählte Martina. «Neid und Intrigen sind für uns Fremdwörter. Wir lernen von den alten Hasen.» Zu denen gehören etwa der 75-jährige Leo Kälin aus Obfelden/AG, genannt der stehende Klarinettist. Oder der über 80-jährige Hugo Bigi aus Lachen, dessen Sohn Hugo bei «TeleZüri» arbeitet – und Rockmusik spielt. «Senior und Junior Bigi im Duett zu sehen, das wäre spannend», schmunzelte Kurt Zurfluh.

Trotz Wetterpech gut besucht
Über 10'000 Volksmusik-Fans pilgerten am Wochenende nach Weggis. «Das sind geringfügig weniger als im Vorjahr», erklärte OK-Präsident und Gemeindeammann Josef Odermatt auf Anfrage. «Wegen des schlechten Wetters blieben am Freitag und Samstag einige Flaniergäste weg.»

Das Weggiser Festival erinnert an Alois Schilliger (1924 bis 2004), dem Vorreiter des Innerschweizer Ländlermusik-Stils. Der Gründer der legendären «Heirassa»-Kapelle (1959 bis 1979), der zudem über 500 Werke komponiert hat, wurde in Weggis geboren und lebte auch – mit Unterbrüchen – bis zu seinem Tod in der Luzerner Seegemeinde.

André Häfliger, Weggis