HEIRASSA-FESTIVAL IN WEGGIS: Auch auf dem Katamaran-Deck spielt die Musik

Am 5. Heirassa-Volksmusikfestival in Weggis stiegen der Luzerner OK-Chef Seppi Odermatt und der Schwyzer Ländlerkönig Sepp Trütsch hinauf zum Urner Kapitän Martin Infanger auf die «Cirrus»-Steuerbrücke.

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Alles im Griff auf dem Deck: Martin Infanger, Seppi Odermatt und Sepp Trütsch. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Alles im Griff auf dem Deck: Martin Infanger, Seppi Odermatt und Sepp Trütsch. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Erstmals können die vielen Festivalfans dieses Jahr auch auf dem SGV-Katamaran Darbietungen geniessen. «Das ist ein echter Renner», freute sich Josef Odermatt, der seit 13 Jahren auch Gemeindeammann von Weggis ist. «Alles unter Kontrolle! Von hier oben haben wir den totalen Überblick», schmunzelte Sepp Trütsch. In der tat gibt es auch dieses Jahr viel zu überblicken: 34 Formationen bieten während drei Tagen in 13 Lokalitäten mit insgesamt 15 000 Konzertplätzen 70 Stunden Volksmusik der höchsten Güteklasse. Garant für diese Qualität bietet nunmehr seit fünf Jahren der bewährte Heirassa-Musikchef, der Schwyzer Volksmusikstar Carlo Brunner.

Und natürlich die vielen Musikerinnen und Musiker, die mit Freude und Stolz in Weggis auftreten und somit die eigentliche «Knochenarbeit» verrichten. «Vor dem tollen Publikum hier in dieser herrlichen Kulisse aufzutreten ist wahrlich für uns alle eine grosse Ehre», bestätigte der Entlebucher Jodlerstar Ruedi Renggli, der mit seiner Ehefrau Rita (braune Kühe mit Horn sind ihre Lieblingstiere) kam. In Feusisberg führen die Rengglis einen Vieh-Aufzuchtbetrieb. «Wir nehmen junge Tiere zu uns auf den Hof und ziehen sie hoch», erzählte Renggli. «Weil wir also nicht melken müssen, bleibt mir mehr Zeit für die Volksmusik.» Aha, also selbst ein Star wie Renggli kann nicht von der Musik alleine leben?

Musik im Nebenamt
«Ja, das ist so», bestätigte Heirassa-Star Willi Valotti, der hier am Festival seinen 60. Geburtstag feiert und unter anderem mit seiner Wyberkapelle aufspielt. «Ich kenne – ausser ein paar wenige Orchestermusiker – praktisch keine Interpreten, die allein vom Spielen leben können. Wir alle arbeiten neben her etwas, meistens indes in der Branche. Sei es etwa als Lehrerinnen und Lehrer, in der Instrumentenindustrie oder als Produzenten.» In Valottis Wyberkapelle etwa sind er selber und Claudia Muff, die Tochter des Menznauer Volksmusikers Hans Muff (spielte an Olympia 2008 in Peking auf), Profis. Gaby Näf und Andrea Ulrich indes haben daneben einen 80-Prozent-Job.

Pepe swingt mit Carlo
«Das war schon immer so», erklärte Walter Grob.«Es ist eine Art Milizsystem des Spasses und der Freude, das sich ganz offensichtlich bewährt.» Der 81-jährige Grob ist Gründermitglied der legendären Heirassa-Kapelle, zu deren Ehren das Weggiser Festival mit 11 OK-Mitgliedern stattfindet. Willi Valotti und der Appenzeller Köbi Schiess kamen später hinzu, die Gründer Alois Schilliger und Kaspar Muther (wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden) sind inzwischen verstorben. Auch ihnen beiden gelten jeweils die Erinnerungen der Fans in Weggis. Unter ihnen war gestern auch der Schwyzer alt Regierungsrat Alois Christen, der sich dieses Jahr auf «Sommerferien in Spanien» und «Winterferien in Kanada» freut. Und Pepe Lienhard, der heute um 11.00 Uhr im «Pavillon am See» zusammen mit Carlo Brunner und seiner Kapelle aufswingt. Auch das ist ein Novum am innovativen Vierwaldstättersee.

André Häfliger