HEIRASSA-FESTIVAL: «Miss Alphorn», der Star in Weggis

Der Star am diesjährigen Heirassa-Festival in Weggis ist im April gerade mal 14 Jahre alt geworden. Es ist Alphornbläserin Lisa Stoll aus Wilchingen.

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Lisa Stoll. (Bild pd)

Lisa Stoll. (Bild pd)

Die junge Musikantin aus dem Kanton Schaffhausen tritt am Sonntagmorgen (ab 11 Uhr) gleich mit einem Paukenschlag an. Erstmals nämlich steht Lisa Stoll gemeinsam mit Nicolas Senn auf der Bühne. Der andere grosse Shooting-Star der Volksmusikszene hat mit dem Lied «Feuer und Flamme» die Schweizer Vorausscheidung zum GP der Volksmusik 2010 gewonnen. Mit dem 20-jährigen Appenzeller Hackbrett-Virtuosen verbindet Lisa Stoll einer der wichtigsten Preise, die unter Jungmusikanten in Europa verliehen wird, den «Stadtstern» in Andy Borgs «Musikantenstadl». Nicolas gewann diese Nachwuchstrophäe 2006, Lisa letztes Jahr. «Jetzt in Weggis zum ersten Mal mit Nicolas aufzutreten, das finde ich megacool», freut sich Lisa Stoll, die für diese grossen Auftritt eine Schaffhauser Sonntagstracht anziehen wird.

Brunner als Mentor
An den schönen Vierwaldstättersee gelotst wurde Lisa Stoll von Weggis-Musikchef und Ländlerkönig Carlo Brunner, der zusammen mit Alex Eugster vom berühmten Trio Eugster auch ihr erstes Album «Alphornliebe» produziert hat. «Lisa hat ein Talent, über das auch wir Profis nur staunen können», sagt Brunner über den schon hell leuchtenden Stern am Volksmusikhimmel. «Sie ist nicht nur sehr begabt. Sie hat auch sehr viel Herz und Ausstrahlung», fügt Alex Eugster hinzu. Beide Mentoren und Förderer sind sich einig: «Lisa Stoll hat eine tolle Karriere begonnen. Sie wird noch viele Erfolge feiern dürfen.»

Musik als Leidenschaft
Musik ist Lisa Stolls Leidenschaft: Mit 6 Jahren begann sie, Blockflöte zu spielen, das Cornet, das auch ihr Vater Walter und ihre Schwester Tina (11) spielen, kam später hinzu. Vor vier Jahren kam Lisa zum «besten Entscheid», den sie in ihrem Jungen Leben nach eigenen Angaben je hatte: Sie entschloss sich fürs Alphorn. «An einem Geburtstagsfest durfte ich mal in ein Alphorn blasen», erinnert sie sich. «Zur Überraschung vieler kam auch sofort ein Ton raus – und schon war es geschehen. Ich verliebte mich in dieses Instrument.» Bald einmal erhielt Lisa ihr erstes Alphorn, gebaut von Josef Stocker aus Kriens. Seit letztem Herbst hat Lisa, die täglich 30 bis 45 Minuten am Alphorn übt, noch ein zweites Alphorn. Auch das ist 3,4 Meter lang, vier Kilo schwer und trägt ebenfalls keinen Namen. «Ich taufe meine Instrumente nicht», schmunzelt Lisa, die von ihren Fans liebevoll «Miss Alphorn» oder – ganz in Anlehnung an den letztjährigen Heirassa-Star Pepe Lienhard – auch «Swiss Lady» genannt wird.

Mutter als Managerin
Zu Hause ist Lisa Stoll, die am letzten Wochenende mit einer Schaffhauser Volkstanzgruppe am Eidgenössischen Trachtenfest in Schwyz auftrat, hoch oben auf dem Plomberg in Wilchigen. Und zwar im 35 Hektar grossen Bauerngut, das ihr Vater von seinem Vater übernommen hat. 40 Kühe, 40 Kälber, ein Angusstier, der Berner Sennenhund Filou, drei Hühner und ein Güggel leben hier zusammen mit der Familie. Lisas Mutter Virginia Stoll (45), die früher Saxophon spielte, ist seit zehn Jahren im Gemeinderat und Vizepräsidentin. Zudem kümmert sie sich als Managerin um ihre erfolgreiche Tochter. Während Schwester Tina sich bereits vorstellen könnte, einmal «z buure», ist Lisa noch unentschlossen: «In gut einem Jahr werde ich mich entscheiden müssen, ob ich studieren oder eine Lehre machen will. Ich kann mir aber gut vorstellen, einmal Musik zu studieren und eine Profikarriere als Musikerin einzuschlagen.» Also dann: Glückauf, Lisa – und willkommen in Weggis!

André Häfliger