HELFER: Brücken für die Ärmsten

Toni Rüttimann hat auf der ganzen Welt schon über 660 Hängebrücken gebaut. Jetzt führt ihn seine Mission nach Zug.

Interview Dominik Buholzer
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Eine Brücke in Myanmar, die Toni Rüttimann erstellt hat. (Bild: PD)

Eine Brücke in Myanmar, die Toni Rüttimann erstellt hat. (Bild: PD)

Seit 27 Jahren baut Toni Rüttimann (46) Hängebrücken für die Ärmsten auf dieser Welt – ohne Lohn und ohne Hilfsorganisation im Rücken. Über 660 hat der Bündner gegen Kost und Logis erstellt. Am Mittwoch ist er in Zug zu Gast.

Toni Rüttimann, bei was stören wir Sie?

Toni Rüttimann: Sie stören nicht. Ich bin derzeit im Sheremetyevo-Flughafen in Moskau auf dem Weg von Südostasien in die Schweiz.

Sehr schön, dann erzählen Sie uns doch mal: Wie steht es um Ihr aktuellstes Brückenprojekt?

Rüttimann: Welches meinen Sie? Momentan habe ich 44 Brücken im Bau, und zwar in Myanmar, Indonesien und Ecuador.

Oh – da geht Ihnen die Arbeit so schnell nicht aus. Aber mit Verlaub: Fehlende Brücken sind für die Armen nicht das grösste Problem. Oder etwa doch?

Rüttimann: Auch wenn eine Brücke nur ein spezifisches Problem löst, so ermöglicht sie, dass weitere Probleme angegangen werden können. Und wenn Sie zusammen mit Hunderten Betroffenen mit den eigenen Händen eine Brücke gebaut haben, vergessen Sie das Ihr Leben lang nicht mehr.

Sie wollen nicht als Entwicklungshelfer bezeichnet werden. Als was dann?

Rüttimann: Ich helfe zwar und tue das auch sehr gerne. Aber von Entwicklung verstehe ich nicht viel. Deshalb trifft für mich die Bezeichnung Brückenbauer am besten zu.

Sie sind weder Ingenieur noch Bautechniker. Trauen Sie sich mit den Brücken nicht ein wenig viel zu?

Rüttimann: Es ist mehr daraus entstanden, als ich mir je zugetraut hätte. Und ich bin froh, dass ich es versucht habe.

Haben Sie keine Angst, dass eine Ihrer Brücken eines Tages zusammenbricht?

Rüttimann: Natürlich habe ich Angst. Und das ist auch gut so. Denn so werde ich nicht leichtsinnig.

Sie beziehen keinen Lohn, und die Seile, die Sie für den Bau Ihrer Hängebrücken benötigen, stammen von Seilbahnen aus der Schweiz. Erhielten Sie auch schon von Zentralschweizer Bergbahnen Geschenke?

Rüttimann: Ja, und dies gleich mehrmals. Im Dezember 2012 überliessen mir beispielsweise die Bergbahnen Melchsee-Frutt ein Seil. Damit konnten wir zwölf Brücken in Myanmar bauen. In diesem Jahr erhielt ich von der Mörlialp ein nicht mehr benötigtes Seil. Das hilft jetzt sechs Brücken in Myanmar zu tragen.

Hinweis

Toni Rüttimann (46) hält am kommenden Mittwoch (18. Juni) in der Aula der Kantonsschule Zug um 19.30 Uhr einen Multimedia-Vortrag mit dem Titel: «Ein Leben für die Brücken – Brücken fürs Leben». Der Eintritt ist kostenlos.