Heliskiing: Die Stille der Berge gestört

Fabian Fellmann über das Heliskiing in den Walliser Bergen.

Fabian Fellmann
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Kommen Sie mit, schliessen Sie einen Moment die Augen. Es ist still, Sie hören nur das Säuseln des Windes, Ihren eigenen Atem, Ihre Schritte im Schnee. Und auf einmal knattert und knallt es in einer Lautstärke, die Sie zusammenfahren lässt. Es kommt böiger Wind auf, es wird kalt, Schnee wirbelt auf und dringt in Ihre Jacke, Sie japsen nach Luft. Willkommen in den schönen Walliser Bergen.

Täglich schnallen sich Dutzende wackere Bergsteiger in aller Herrgottsfrühe die Skier an die Füsse, um hinaufzumarschieren zu den schneebedeckten Gipfeln. Sie tragen Essen, Trinken und alle Ausrüstung mit sich, jedes Gramm muss auf den Berg. Wenn sie dann verschwitzt zum höchsten Punkt gelangen, aufatmen und die Stille geniessen – taucht aus dem Nichts ein Helikopter auf, der sie in eine kalte Wolke aus Schneenebel hüllt. Dann springt eine muntere Gruppe Skifahrer aus der Maschine, winkt den Berggängern zu und stiebt im Affenzahn den Berg hinunter.

Die Szene wiederholt sich alle paar Augenblicke. Knapp fünf Minuten dauert es, bis der Helikopter vom Gletscher verschwunden ist und erneut aus dem Tal auftaucht, um die nächste Schar im Tiefschnee zu entladen. Über 24000 solcher Flüge hat der Bund 2008 gezählt. Weil die Zahl der Landeplätze im Gebirge begrenzt ist, fliegen die Helikopter dort an schönen Tagen beinahe pausenlos vom Tal auf den Berg. Der Lärm ihrer Motoren ist kilometerweit zu hören, die Stille der Berge wird empfindlich gestört. Selbstverständlich sind alle Berggänger auf Helikopter angewiesen: Sie bringen das Essen in die Hütten und retten in der Not. Aber in den Alpen, vor allem im Wallis, hat Heli­skiing eine Intensität angenommen, die an der Substanz dessen nagt, was die Schweiz ihren Besuchern eigentlich anbieten will: ihre schöne, unberührte Natur. Das ist ein kurzsichtiges Geschäftsmodell.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch