Hochwassergefahr nicht gebannt – Viel Regen am Napf

Nach dem Hochwasser vom Mittwoch in Bern blieb es am Donnerstag bis zum Abend ruhig. Auch an anderen Gewässern war weiterhin Vorsicht angesagt. Besonders viel Regen fiel in der Region Napf und in der Ostschweiz.

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Die Bäche und Flüsse wie hier die Aare führen immer noch viel Wasser. (Bild: Keystone)

Die Bäche und Flüsse wie hier die Aare führen immer noch viel Wasser. (Bild: Keystone)

Am Napf gingen Mitte Nachmittag in gut einer Stunde über 40 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, wie SF Meteo mitteilte. Laut MeteoSchweiz entluden sich dann am frühen Abend teils heftige Hagelgewitter im Thurgau sowie im Raum Appenzell/St. Gallen. Sturmböen gab es auch in der Zentralschweiz. Über Schäden lagen den Wetterdiensten zufolge zunächst keine Meldungen vor.

Dies könnte sich allerdings noch ändern. Für die Nacht ist nämlich keine Beruhigung in Sicht. SF Meteo rechnet mit weiteren lokalen Gewittern.

Die Feuerwehr hat entlang der Aare Hochwassersperren aufgezogen. (Bild: Keystone)
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Das Wasser reicht bis knapp unter die Dalmazibrücke, die das Kirchenfeld- mit dem Marziliquartier verbindet. (Bild: Jonas Schärer)
Beim Marzili in Bern staut sich viel Wasser. (Bild: Keystone)
Beim Marzilibad schützen Anwohner eine Bäckerei mit Sandsäcken. (Bild: Jonas Schärer)
Schwemmholz bei der Matteschleuse. (Bild: Keystone)
Die Aare – eine braune Masse. (Bild: Jonas Schärer)
Hochwasserschutz an der Aarstrasse. (Bild: Jonas Schärer)
Mitarbeiter der Feuerwehr installieren im Marzili-Quartier Schutzschläuche gegen Hochwasser. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Bild: Keystone
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Die Feuerwehr hat entlang der Aare Hochwassersperren aufgezogen. (Bild: Keystone)

Auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) rechnet für die nächsten Tage weiterhin mit veränderlichem, gewittrigem Wetter. Dies geht aus dem neuesten Gefahrenbulletin vom Donnerstagmittag hervor. An welchen Gewässern es allenfalls zu Hochwassern kommen könne, sei schwer zu sagen, schreibt das BAFU. Die Gefahr sei für grössere Flüsse nur mit einem Vorlauf von wenigen Stunden vorherzusagen.

Aufgrund der Wetterprognosen rechneten die Experten in Bern vor allem ab Donnerstagnachmittag mit steigenden Pegeln. Das BAFU sagte für den Brienzersee eine erhebliche Hochwassergefahr voraus (Gefahrenstufe 3), für die Aare zwischen Brienzersee und Bern eine mässige Hochwassergefahr (Stufe 2).

Mässige Hochwassergefahr herrschte am Donnerstag auch entlang der Emme und der Kleinen Emme, an der Urner Reuss, der Rhone oberhalb des Zuflusses der Lonza, am Rhein von Stein am Rhein bis zum Zufluss der Thur und am Bodensee.

In Bern blieben am Donnerstag die mobilen Hochwasserverbauungen entlang der Aare installiert, und die Feuerwehr überwachte das Gelände. Auch der grosse Kranwagen, der Schwemmholz aus der Aare holt, blieb vor Ort.

Prognosen sind mit Vorsicht zu geniessen

Das BAFU hatte in seinen Prognosen vom Mittwoch nur für die Ufer des Brienzersees vor erheblicher Hochwassergefahr gewarnt. Für die übrigen grösseren Gewässer des Kantons Bern sprach es von keiner oder geringer Gefahr. Eine Fehleinschätzung angesichts doch erheblicher Hochwassergefahr an der Aare in Bern?

«Der Bund betreibt vor allem Messstationen an grösseren Gewässern, die für eine gesamtschweizerische Übersicht wichtig sind. Für diese Gewässer werden auch Prognosen gerechnet. Für kleinere Gebiete hingegen sind Vorhersagen schwierig zu machen», sagte dazu die Hydrologin Silvia Morf vom BAFU auf Anfrage.

Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Intensität von Niederschlägen bei Gewittern sehr schwer vorauszusagen sei. Diese beiden Umstände relativierten die BAFU-Hochwasserprognosen.

«Holz-Tsunami» in Zulg

Am Mittwochabend führte ein heftiges Gewitter in der Thunerseeregion zu einer wahren Wasserwalze im Flüsschen Zulg, das bei Steffisburg BE in die Aare fliesst. Dieses Wasser sorgte dann in Bern für Probleme. Ein Beobachter sprach laut dem «Thuner Tagblatt» von einem «Holz-Tsunami», weil die Wasserwalze viel Schwemmholz mit sich führte. Dass die Zulg am Mittwochabend so viel Wasser der Aare zuführte, geht laut dem Wetterdienst MeteoNews letztlich auf schwachen Höhenwind zurück.

Das führte dazu, dass Gewitterzellen - wie kürzlich in der Region Zürich geschehen - zum Teil mehrere Stunden am gleichen Ort blieben. Auf diese Weise fielen die Niederschlagsmengen lokal ausserordentlich gross aus.

sda