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HOLOCAUST: Das Gedächtnis des Horrors

Ein Buch über einen Luzerner Holocaust-Überlebenden stösst auf grosses Interesse – genauso wie viele andere Bücher zum Thema. Dass sie sich gerade jetzt so gut verkaufen, ist kein Zufall.
Robert Knobel
Holocaust- Überlebende bei einem Besuch im ehemaligen KZ Auschwitz im vergangenen Januar. (Bild: AP/Czarek Sokolowski)

Holocaust- Überlebende bei einem Besuch im ehemaligen KZ Auschwitz im vergangenen Januar. (Bild: AP/Czarek Sokolowski)

Allein in diesem Jahr sind bisher über ein Dutzend neue Bücher zum Holocaust auf Deutsch erschienen. Und mindestens ebenso viele sind für die nächsten Monate angekündigt. Das Spektrum reicht von den «Briefen eines Massenmörders» (Heinrich Himmler) über neuste Forschungsergebnisse bis hin zu Zeitzeugenberichten. In letztere Kategorie fällt auch das Buch der Krienserin Nathalie Gelbart, «B-8326. Ein Überlebender des Holocaust», in dem sie die Geschichte ihres jüdischen Grossvaters nacherzählt, welcher im KZ Auschwitz unvorstellbare Leiden erleben musste.

Geschichtsunterricht aus Kriens

Das Büchlein, das ursprünglich bloss als Maturaarbeit gedacht war, wurde seit dem ersten Erscheinen vor sechs Jahren über 2000 Mal verkauft. Und vor wenigen Wochen wurde eine dritte Auflage mit weiteren 1500 Exemplaren gedruckt. «Mehrere hundert Exemplare davon sind bereits weg», sagt Nathalie Gelbart. Mittlerweile haben Auszüge aus ihrem Buch Eingang in offizielle Geschichtslehrmittel gefunden. Im Januar durfte die 25-jährige Krienserin Bundespräsident Didier Burkhalter bei seinem Besuch im ehemaligen KZ Auschwitz begleiten – dort, wo ihr heute 88-jähriger Grossvater Ruben Gelbart die immer noch sichtbare Tätowierung «B-8326» erhielt. Didier Burkhalter schrieb denn auch das Vorwort zur drit­ten Auflage. Vom Erfolg ihres Buches – es hat unter anderem einen Literaturpreis erhalten – war Gelbart selber überrascht. «Ursprünglich war die Arbeit einfach als Dokument für die eigene Familie gedacht.»

Doch die Zeit, in der Holocaust-Überlebende bestenfalls im Kreis ihrer engsten Freunde über die damaligen Ereignisse sprachen, ist längst vorbei. Gerade Zeitzeugenberichte erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei einer breiten Öffentlichkeit. Auf grosse Beachtung ist beispielsweise Anfang März das Buch «Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940–1945» gestossen. Darin lässt der Sohn seine Mutter erzählen, die während des Kriegs auf abenteuerliche Weise im Untergrund überlebt hat.

Letzte Gelegenheit für Zeitzeugen

Das grosse Interesse am Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust schlägt sich nicht nur in der Zahl der Neuerscheinungen, sondern auch in den Verkaufszahlen selber nieder. Das bestätigt Gabi Bearth, Filialleiterin des Buchhauses Stocker in Luzern. «Vor allem der Verlag S. Fischer hat in den letzten Jahren viele Zeitzeugenberichte veröffentlicht.» Der Hintergrund liegt auf der Hand: In wenigen Jahren werden die letzten Zeitzeugen und Überlebenden verschwunden sein. «Deshalb versucht man, ihre Lebensgeschichten noch für die Nachwelt aufzufangen und fassbar zu machen», sagt Gabi Bearth. «Eine persönliche Geschichte interessiert immer», sagt sie – auch mit Verweis auf prominente Beispiele wie Marcel Reich-Ranic­ki.

Gegen unglaubliche Lebensgeschichten und persönliche Schicksale kommt die nüchterne Forschung nicht an. Zwar seien auch Bücher über Hitler und sein Umfeld sowie über wichtige Schlachten sehr gefragt, sagt Gabi Bearth. Doch insgesamt würden historische Abhandlungen und Einordnungen deutlich weniger gekauft als Zeitzeugenberichte.

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