HOUSE OF SWITZERLAND: Luzerns grosser Auftritt im Reich der Mitte

Feierlich und mit herrlicher Nationalfeiertag-Stimmung wurde am Freitag in Peking das grösste Schweizer Gästehaus, das es je an Olympia gab, eröffnet.

Drucken
Teilen
Beliebte Fotosujets: Die beiden Luzerner Alphornbläser Rino Chiappori (links) und Walter Brunner. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Beliebte Fotosujets: Die beiden Luzerner Alphornbläser Rino Chiappori (links) und Walter Brunner. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Wir befinden uns im Süden der 15,5-Millionen-Metropole Peking. Im grössten Künstlerviertel der Olympiastadt, der «Art Zone 798», ist an jeder Ecke eine Ausstellung im Gange. Es ist ein ehemaliges Industriequartier. Mittendrin im Schweizer Haus wurden früher mal Panzer gebaut. «Der Ehrenvorsitzende Mao möge 1000 Jahre leben», steht an einer weissen Fabrikwand noch rot geschrieben. Von weitem ist das Schweizer Haus zu erkennen: Mit einem riesigen, knallroten Logo und dem Luzerner Wasserturm drauf.

Schon allein das zeigt den Megaauftritt, den Luzern hier in Peking hat. Das 4000 Quadratmeter grosse «House of Switzerland» ist denn auch eine 4,5 Millionen teure Kooperation von Luzern Tourismus und der unserem Aussenministerium angeschlossenen Organisation «Präsenz Schweiz». Sie hat mit Manuel Salchli auch die Federführung. Edwin Rudolf, der schon zum 6. Mal Olympia-Gaststätten leitet, ist der Luzerner Geschäftsleiter des 183 Mitarbeiter zählenden Projektes. Salchli seinerseits leitete schon die Landesausstellung 2005 im japanischen Aichi, ist Chef der laufenden Ausstellung im spanischen Saragossa und wird 2010 auch die Megashow im chinesischen Shanghai führen.

Stimmung wie an der Luga? 
Hoch erfahrene Leute also sind an der Spitze des Geschehens in der riesigen Halle mit den insgesamt 12 Firmenständen. Schon am Freitag kam dort eine lockere, weitläufige Partystimmung auf. Alphornklänge, Schwyzerörgelis, Schoggi, Glacés, Filmvorführungen, Alinghi-Grindermaschine, zwei Restaurants, Bars und Lounges – man hat das Gefühl, an der Luga zu sein. Viel Wert wird auf Kulinarische gelegt: Küchenchef Mark Thommen, in Australien geboren, seit acht Jahren in der Schweiz und seit drei Jahren bei Gamma-Catering tätig, führt eine 15-köpfige Küchenbrigade. 45 Serviceleute tischen traditionelle, aber auch moderne, leichte Schweizer Küche. «Auf Wunsch gibts bei uns auch Raclette», erzählte Thommen, der auch chinesische Hotelfachschüler in seiner Brigade hat.

Stimmungsvolle Eröffnungsparty
Die Eröffnung des Schweizer Hauses verlief feierlich und stimmungsvoll. Dante Martinelli, Tessiner und seit vier Jahren Schweizer Botschafter in China, der Luzerner Regierungsrat Max Pfister und Luzern-Tourismus-Präsident Rudolf Freimannöffneten zuerst die zwei riesigen Tore mit Schweizerkreuz beim Eingang. Auch Zhou Zhengbo, Vertreter der Olympiaveranstalter (6000 Funktionäre und über 100'000 Helfer) war beim Eröffnungsakt mit 100 Zaungästen dabei.

Am Abend dann stieg die grosse 1. August-Feier mit 450 in China lebenden Schweizerinnen und Schweizer. Auch musikalisch gab da die Zentralschweiz den Ton an: Die Luzerner Alphornbläser Rino Chiappori und Walter Brunner spielten ebenso auf wie die «Spätzünder»-Quartett aus Küssnacht am Rigi mit Hans Suter, Walter Ulrich und Hansjörg Grätzer am Schwyzerörgeli sowie Sebi Grätzer, der seinen Bass hier in Peking für 1300 Franken postete. «In der Schweiz kostet das mehr als das Doppelte», schmunzelte Grätzer.

Auch Sportstars feierten mit
Viele Schweizer Sportstars, unter ihnen der Obwaldner Schützen-Chef Michel Ansermet mit seinem ganzen, achtköpfigen Team, waren an der Feier dabei. «Das Haus hier ist fantastisch», strahlte die Luzerner Kunstturnerin Ariella Kaeslin, deren Mutter Heidi gerade auf dem Flug nach Peking war. Eben erst angekommen war derjenige, der Ariellas Wettkampf am TV kommentieren wird: Bernard Thurnheer, der sich «etwas Rotwein gegen den Jetlag» genehmigte. Der Schwyzer alt Regierungsrat Alois Christen traf Olympia-Schütze Christoph Schmid aus seinem Kanton und der Luzerner Korpskommandant Beat Fischer, der mit seiner Familie gerade China bereist, seinen «sehr guten, alten Freund», Delegationschef Werner Augsburger. Er hatte gerade mit Fahnenträger Federer telefoniert: «Roger wird am 5. oder 6. August hier eintreffen.»

André Häfliger, Peking