Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

INFOTAINMENT: Marco Rima: «Ich bin ein guter Klugscheisser»

Marco Rima war zu dick. Und musste abnehmen. Das tat er auf dem Velo – quer durch die Lande. Im Schweizer Fernsehen kann man diese Reise derzeit nachvollziehen. Und auch in unserem Gespräch ist der Komiker top in Form.
Susanne Holz
Marco Rima vor seinem Auftritt kürzlich in Zug. Für die Bühne motivieren muss er sich nie – die Vorfreude des Publikums ist auch seine. (Bild: Boris Bürgisser (Zug, 13. Januar 2018))

Marco Rima vor seinem Auftritt kürzlich in Zug. Für die Bühne motivieren muss er sich nie – die Vorfreude des Publikums ist auch seine. (Bild: Boris Bürgisser (Zug, 13. Januar 2018))

Interview: Susanne Holz

Marco Rima, was ist Humor?

Ich glaube, Humor kommt aus dem Griechischen: Jemand schüttet verschiedene Flüssigkeiten so zusammen, dass es ein Wohlgefühl auslöst – sehr vage gesagt. Humor setzt sich aus vielen Dingen zusammen: Lebenserfahrung, Schadenfreude, Begeisterung. Humor ist, wenn Menschen in ganz üblen Situationen doch noch lachen können. Man sagt immer, dort wo der Spass aufhört, fängt der Humor an. Wir Komiker haben die Aufgabe, die Leute zum Lachen zu bringen.

Was ist guter Humor? Gibt es überhaupt guten und schlechten Humor?

Ich denke, das ist eine Frage von Befindlichkeit und davon, wo Humor stattfindet. Ein wunderbarer Flachwitz in einer bestimmten Situation kann sehr lustig sein. Auf der anderen Seite liebe ich es auch doppelbödig. Doppeldeutig. Ich bin jemand, der sich gegen Konventionen stemmt. Ich mag das Bigotte, politisch Korrekte nicht, das geht mir ganz ehrlich auf den Senkel. Da muss ich sehr viel Humor erzeugen.

Weshalb wird man Komiker?

Das ist eine Berufung. Ich sage immer, ich gehe keinem Job nach, sondern einer Berufung. Diese Berufung hat bei mir im Alter von neun, zehn Jahren ihren Anfang genommen, als meine Eltern Kabarettplatten gehört haben und ich begeistert war von Rotstift, César Keiser, Emil. Ich habe zuerst diese ganzen Geschichten nachgespielt und irgendwann auch Lust gehabt, meine eigenen zu erzählen. Schlussendlich erzählt man Geschichten und hält den Leuten einen Spiegel vor. Über mich transportiere ich sehr viele Unzulänglichkeiten, Schwächen – dar­über können die Leute lachen und sich vielleicht auch selber entdecken.

«Just for Fun – das Beste aus 37 Jahren», so heisst die aktuelle Tour. Was entgegnen Sie auf den Vorwurf, Ihnen falle nichts Neues mehr ein?

Dann sage ich, das stimmt. (lacht) Nein, das wäre zu einfach. «Just for Fun» war eine Reaktion auf eine Anfrage. Ich habe zunächst an zwei Abenden ein «Best of» zu einem Programm gemacht. Das kam so gut an, dass wir eine kleine Tour daraus strickten. Etwas für Liebhaber.

Aber eigentlich ist die Tour nicht so klein, oder? Sie wurde doch bereits verlängert?

Ja, die Nachfrage war so gross, dass wir um 20 Vorstellungen erweiterten. Aber normalerweise gebe ich 120 Vorstellungen, jetzt sind es 50 Vorstellungen in zwei Jahren. Das hat den Vorteil, dass ich mit einer unglaublichen Freude auf die Bühne gehe – es ist jedes Mal das Highlight der Woche für mich.

Im TV sind Sie aktuell mit der Reihe «Ich nehm dann mal ab» zu sehen: Sie berichten von Ihrer Velotour durch einen Teil Europas. Der Titel zumindest, ist der eine Parodie auf Kerkelings «Ich bin dann mal weg»?

Genau, Hape Kerkelings Titel hat mich immer sehr fröhlich gestimmt. Und weil mir mein fünfjähriger Sohn Luca sagte, «Papa, du bist dick», sagte ich mir: «Ich nehm dann mal ab.» Ich habe mich aufs Velo gesetzt, Menschen besucht, 2500 Kilometer und sechs Länder hinter mir gelassen, das hat wahnsinnig Spass gemacht. Und nun ist das Ganze in einer Art Infotainment zusammengefasst. Und viele können dabei zuschauen.

Hat Ihr Kameramann auch abgenommen bei der Reise?

Wahrscheinlich eher nicht. Das Team war ja immer wieder mit dem Bus unterwegs. Bei mir hat es zu sieben Kilo weniger gereicht, auch wenn es ein E-Bike war. Aber wenn du jeden Tag zwischen fünf und sieben Stunden auf dem Sattel sitzt, nimmst du automatisch ab. Ich bin keine Coach Potato, aber ich sitze viel, schreibe viel, und das Leben zeichnet einen ja auch. Man hat den einen oder anderen Eingriff und ist dann für acht Wochen mal wieder verdammt dazu, sich nicht zu bewegen. Das Zunehmen ist aber auch Veranlagung. Dafür bin ich bis jetzt sonst sehr glücklich durchs Leben gegangen.

Sie haben aber auch schon einige OPs hinter sich?

Ja, Knie, Schulter, Fuss, Nabelbruch, schon drei Mal. Da ist man immer wieder für Wochen weg, und wenn man dann weiterfuttert wie normal, dann hat man ein kleines Problem.

Und mit dem Rauchen haben Sie mittendrin auch noch aufgehört?

Ich war ja 35 Jahre Nichtraucher, und hab’ dann erst damit angefangen, das war so ne Dummheit – und dann habe ich mit 50 wieder aufgehört. Da legt man natürlich auch zu. Aber als Nichtraucher fühle ich mich wesentlich wohler. Ich habe aber meine Probleme mit Hardcore-Nichtrauchern. Mit allem, was Hardcore ist. Auch jetzt bei der No-Billag-Initiative: Ich bin ein Gegner der ­Initiative, aber mittlerweile nimmt die Gegenwehr Formen an ... Ich sage, hey, Moment, es gibt einfach Leute, die das Öffentlich-Rechtliche nicht mehr wollen, und dann legt man persönlich seine Stimme in die Urne, und dann ist gut. Aber bitte keinen Glaubenskrieg.

Wieso ist Ihr kleiner Sohn eigentlich so streng zu Ihnen und sagt: «Papa, du bist zu dick»?

Er sagt auch ganz süsse Dinge, wie «Ich pass auf dich auf, damit du nicht wegrollst». Diese Spässe macht er meistens, wenn viele Leute drumherum sind und er merkt, dass er da die Lacher holt.

Dann hat er den Humor vom Papa geerbt?

Ja, ich habe vier Kinder, und alle sind sehr, sehr humorvoll. Wir triezen uns in der Familie, das ist sehr wichtig.

Wann und wo haben Sie denn nun halb Europa unsicher gemacht auf Ihrem E-Bike?

Die Tour führte mich vom 5. bis zum 25. Juni 2017 von Oberägeri über Zürich und Schaffhausen nach Konstanz, dann nach Friedrichshafen, Memmingen, München, anschliessend der Isar entlang, dann nach Passau, Melk, Wien, an den Neusiedlersee, nach Graz und Klagenfurt, nach Ljubljana, Triest, Venedig, nach Meran, Davos, Sargans und wieder nach Hause. Mit Verfahren kamen wohl 3000 Kilometer zusammen. Plus Interviews, Filmbeiträge ... Wir haben in Friedrichshafen im Zeppelinmuseum gedreht, in Ljubljana im Museum of Modern Art, es war toll. Es war anstrengend, es war schön, es war ein Traum. In Schaffhausen bin ich wie ein Walfisch ins Wasser gesprungen, nach einigen Regentagen, und von da an blieb es sonnig.

Viel Lustiges erlebt auf der Reise?

In Kärnten flog uns ein Zelt weg, auf dem Markusplatz in Venedig hatte die Polizei etwas gegen mein Zelt ... Schöne Bilder!

Auch viel gelernt auf der Reise?

Ja, absolut. Im Kriminalmuseum in Wien lernte ich viel über Bänkelsang und durfte eine Moritat singen von César Keiser. Beim Bänkelsang geht es immer um Liebe, Mord und Totschlag. Bänkelsang war Mitte des 19. Jahrhunderts so etwas wie europäischer Blues. Karl Valentin wurde über Bänkelsang Komiker ... Man lernt viel auf so einer Reise, denkt immer wieder: ach so, ach ja, total vergessen. Ich habe mich natürlich auch eingelesen im Vorfeld. Die Fernsehserie gibt das Wissen unterhaltsam weiter, Infotainment eben. Lernen soll Spass machen – übrigens auch in der Schule. Man muss Kinder bei ihren Stärken abholen. Ihnen Themen bieten, die sie interessieren.

Sie sind ausgebildeter Primarlehrer. Wären Sie ein guter Lehrer?

Ich war ein guter Lehrer, und ich bin immer noch ein guter Klugscheisser, das hat der Lehrer so an sich. Mein Vater sagte oft, rede nicht wie ein Lehrer. Ich bewundere Langstreckenlehrer. Sie sind zu schlecht bezahlt, und man hat ihnen eine gewisse Autorität weggenommen. Grenzen setzen zu dürfen, ist wichtig. Auch, Schüler mal in den Arm nehmen und trösten zu können, ohne gleich dem Vorwurf der Pädophilie ausgesetzt zu sein. Autorität in Verbindung mit Liebe. Die Auseinandersetzung mit so etwas schlägt sich in meinen Nummern wider.

Musicals, Kino, Kabarett, TV ... Gibt es ein Lieblingsding für Sie?

Ich habe früher immer gesagt: Ich bin nirgends spitze, aber in der Kombination ist das ne gute Sache. Ich mache alles wahnsinnig gerne, Singen inklusive.

Sie haben mutig vieles ausprobiert, bis hin zu Zirkus. Wie geht ein Komiker mit Niederlagen um?

Mein grosses Glück ist, keine Existenzängste zu haben. Ich bin sehr wohlbehütet aufgewachsen, mit viel Liebe und Humor. Die Ausbildung zum Volksschullehrer machte ich auch, weil mein Vater auf was «Anständiges zuerst» bestand. Das war gut so, es hat mich unabhängig gemacht. Die Schauspielschule Zürich lehnte mich später mit der Begründung ab, ich hätte keinen Humor. Ich sagte mir immer: Habe ich Erfolg als Kabarettist, dann ist es gut, ansonsten bin ich sehr gerne Lehrer, der ich ja zwei Jahre lang auch war. Und ich mochte es, einer zu sein. Es hätte eine Berufung werden können. Aber der Drang auf die Bühne war einfach stärker. Ich bin der Überzeugung, dass die Dinge nur dann funktionieren, wenn du wahr bist. Wenn die Leute merken, du stehst voll dahinter. Grosse Niederlagen hatte ich keine, aber es gab menschliche Niederlagen, auch solche, die ich anderen zugefügt habe.

Und den Sieg über die überzähligen Kilos? Konnten Sie den halten?

Nein, wobei, jetzt geht es gerade wieder runter mit dem Gewicht – das ist bei mir ein stetes Auf und Ab.

Ihre Frau Christina aber hat keine Probleme mit Ihrem Gewicht?

Nee. (lacht) Doch natürlich freut sie sich auch, wenn ich fit bin, wir spielen gerne Tennis zusammen, gehen Ski fahren. Mit ihr hab’ ich mit 42 noch einen Lotto-Sechser geschossen.

Wo haben Sie sich kennen gelernt?

In Australien, während der Australian Open in Melbourne, ich habe den Roger geschaut, sie den deutschen Tennisspieler Rainer Schüttler. Wir haben damals unsere Hochzeitsreise eigentlich schon vorgezogen. 2019 reisen wir vermutlich ein zweites Mal nach Australien.

Ihre Frau ist aus Deutschland, Sie sind beim deutschen Publikum sehr beliebt. Zufall?

Zufall. Klar, die «Wochenshow» lief super, 1996 bis 99, wir hatten jeden Abend 10 bis 12 Millionen Zuschauer.

Ist deutscher Humor anders als Schweizer Humor?

Nee. Wir weinen und lachen über dieselben Dinge. Es ist immer Lokalkolorit, der uns unterscheidet.

Wie ernst sind Humoristen im Alltag?

Unterwegs mit dem Velo traf ich Michael Mittermaier und auch Harald Schmidt. Es zeigte sich wieder einmal: Im Gespräch sind Humoristen oft nachdenklich. Man hat Talent, sich über sich selber lustig zu machen. Aber man denkt auch viel nach, beobachtet. Ich bin privat eher ruhig, Dampf lasse ich auf der Bühne ab.

Wie ist es für Sie privat in Oberägeri?

Ich wäre nie nach Oberägeri gezogen, für einen Zuger ein komplettes No-Go. Wenn ich dort nicht zufällig eine Wohnung gefunden hätte. Ich habe mich dann aber über die Jahre verliebt in Ägeri, jetzt finde ich es rasend schön. Der See ist im Sommer türkis, im Winter schwarz. Und die Berge umarmen einen quasi.

Erwarten die Ägerer von Ihnen stets einen komischen Spruch?

Nee, überhaupt nicht. Die Einheimischen sind einfach liebe Leute. Dann hat es viele Expats, mittlerweile hat Unterägeri 8700 Einwohner – wir haben also städteähnliche Zustände.

Wie motiviert man sich für die Bühne? Oder ist das gar nicht nötig?

Ist nicht nötig. Nur wenn ich müde bin vom Tag, dann lege ich mich noch ein, zwei Stunden hin. Da sitzen tausend Leute und freuen sich auf dich: Wie geil ist das denn, da ist man einfach wach. Ich muss immer schmunzeln, wenn Fussballer sagen: Wir waren in der ersten Halbzeit noch nicht bereit. Hä? Du kannst 0:7 hinten liegen, aber bereit musst du sein.

Hinweis

«Ich nehm dann mal ab», Dokusoap, SRF 1, freitags, 23.40 Uhr, noch vier Folgen: am 26. Januar sowie am 2., 9. und 16. Februar. Mit seinem Bühnenprogramm «Just for Fun – Das Beste aus 37 Jahren» ist Marco Rima noch bis Dezember 2018 unterwegs, unter anderem in Sarnen am 22. März, in St. Gallen am 5. Mai und in Luzern am 2. und 3. November. www.marcorima.ch

Rima: «Humoristen sind auch nachdenklich.» (Bild: Boris Bürgisser (Zug, 13. Januar 2018))

Rima: «Humoristen sind auch nachdenklich.» (Bild: Boris Bürgisser (Zug, 13. Januar 2018))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.