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INSEKTEN: Die Kälte lässt die Zecken kalt

Schädlinge und Nützlinge im Obst- und Gemüsebau sind auf die klirrende Kälte eingerichtet. Nur die mit dem Klimawandel eingewanderten Insekten könnten leiden.
Bruno Knellwolf
Beinahe unsichtbar hocken die Insekten gefroren in Baumritzen. (Bild: Urs Bucher (Rorschach, 26. Februar 2018))

Beinahe unsichtbar hocken die Insekten gefroren in Baumritzen. (Bild: Urs Bucher (Rorschach, 26. Februar 2018))

Bruno Knellwolf

Der Mensch macht sich’s einfach an kalten Tagen wie diesen. Seine Winterüberlebensstrategie heisst heizen. Solche Möglichkeiten haben die Insekten nicht. So liesse sich vermuten, Schädlinge im Obst- und Gemüsebau könnten wegen der Kälte dezimiert werden. Gefrässige Raupen und Maden würden im Frühling weniger über Früchte und Gemüse herfallen.

Doch Urs Müller, Leiter der Abteilung Obst, Gemüse und Beeren vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, winkt ab. «Schädlinge und Nützlinge sind grundsätzlich dafür eingerichtet, dass ihre Population solche Kälteperioden überstehen.» Dabei überwintern sie im Stadium eines Eies oder eine Larve. «Eier überleben sowieso. Und die Larven sind meistens gut unter der Rinde in einem Gespinst eingesponnen und nicht direkt der Nässe ausgesetzt. Zudem sind sie im Februar in einem Stadium, in dem sie nicht aktiv sind und somit weniger empfindlich», sagt Müller. Auch die Hoffnung, dass weniger Zecken an kommenden warmen Tagen auf uns warten, wird wohl nicht eintreffen.

Über Jahrmillionen an Kälte angepasst

Dafür muss man auch nicht um Nützlinge wie die Raubmilbe fürchten. «Die überwintern in der Regel im Freiland als befruchtetes Weibchen. Diese verharren in Ritzen der Rinde und haben dort ihre Nahrung», sagt Müller. Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius seien kein Problem. Nur längere Kälteperioden über Wochen könnten die Population tatsächlich etwas beeinträchtigen. Generell konnten sich Schädlinge und Nützlinge aber über Jahrmillionen an solche Temperaturen anpassen. Deshalb verharren die meisten Insekten im Winter in einer Entwicklungsruhe, ihr Stoffwechsel ist stark reduziert und kommt fast zum Erliegen. Einheimischen Arten macht die Kälte also kaum ­etwas aus.

Etwas anders sieht das bei jenen Arten aus, die mit dem Klimawandel neu in die Schweiz eingewandert sind, wie zum Beispiel die Grüne Zitrusblattlaus oder die Walnuss-Fruchtfliege. Diese Einwanderer sind an mildere Bedingungen angepasst und vertragen längere Frostperioden dementsprechend schlechter als heimische Arten. «Mittlerweile sind im Obstbau neue Schädlinge wie die Kirschessigfliege, Marmorierte Baumwanze oder die Mittelmeerfruchtfliege dazugekommen. Zumindest bei der Mittelmeerfruchtfliege kann man nach heutigem Wissen einen positiven Effekt der Kälte durch Reduktion der Schädlingspopulation erwarten», sagt Andreas Naef, Leiter Forschungsgruppe Extension Obstbau von Agro­scope.

Schmetterlinge kennen viele Strategien

Einheimische Insekten wie die Schmetterlinge kümmert das nicht. Die Falter wenden verschiedene Strategien an, um zu überwintern. Sie verstecken sich im Unterholz oder in Ritzen von Häusern und lassen sich dort durchfrieren. Eine spezielle Sub­stanz im Blut verhindert das Durchkristallisieren des Wassers. Das Insektenblut ist durch eine Art Frostschutzmittel vor dem Gefrieren geschützt, auch das einer Mücke zum Beispiel. Ohne diese würden Gefässwände und Organe der feingliedrigen Tiere zerschnitten. Diese Strategie der Winterstarre wenden bei den Schmetterlingen das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und der Zitronenfalter an.

Eine andere Strategie ist die Überwinterung als Puppe. Der Schwalbenschwanz und der Aurorafalter machen das so und sind an Pflanzenteilen angesponnen oder im Boden eingegraben. Eine dritte Möglichkeit ist es, als Raupe der Kälte zu trotzen so wie das der Grosse Schillerfalter und der Bläuling machen. Der Apollofalter schliesslich überlebt in einem Ei. Andere Schmetterlinge wie Distelfalter, Postillion und Admiral machen es wie der eine und andere Mensch: Sie flüchten vor der Kälte in den Süden.

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