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ITALIEN: Illegale Häuser in Ischia: jahrelang vergeblich gewarnt

Ein Erdbeben auf der Ferieninsel Ischia hat zwei Tote gefordert und Tausende Touristen in Panik versetzt. Am Tag danach stehen einmal mehr die unzähligen illegal gebauten Häuser im Fokus der Ermittlungen.
Dominik Straub, Rom
In der Gemeinde Casamicciola auf Ischia suchen Rettungskräfte nach Verschütteten. (Bild: Marco Cantile/Getty (Casamicciola, 22. August 2017))

In der Gemeinde Casamicciola auf Ischia suchen Rettungskräfte nach Verschütteten. (Bild: Marco Cantile/Getty (Casamicciola, 22. August 2017))

Dominik Straub, Rom

Das Beben ereignete sich am Montagabend kurz vor 21 Uhr: In der lauen Sommernacht auf der von Feriengästen überquellenden Insel waren die Leute noch am Flanieren in den Gassen, spazierten am Meer entlang, sassen in Eisdielen oder studierten in ihrem Hotel die Speisekarte.

Gennaro Raucci hatte gerade eine gemischte Fischplatte bestellt, als der Tisch vom Boden aufsprang und er ein lautes Donnern vernahm. «Es tönte wie eine Explosion. Im Restaurant brach sofort Panik aus; zuerst retteten wir uns unter die Tische, und als das Beben nach einigen Sekunden vorbei war, rannten wir alle ins Freie», erklärte der Neapolitaner gegenüber einem italienischen TV-Sender.

Beim Erdbeben auf Ischia, dessen Stärke von den Behörden mit 4,0 auf der Richterskala angegeben wurde, sind zwei Frauen ums Leben gekommen und mindestens 39 weitere Menschen verletzt worden. Drei verschüttete Kinder konnten im Verlauf des gestrigen Tages lebend aus den Trümmern geborgen werden.

Spital musste evakuiert werden

In den beiden vom Beben am stärksten betroffenen Gemeinden Casamicciola und Lacco Ameno im Norden der Insel mussten 2600 Personen ihre beschädigten oder eingestürzten Häuser verlassen. Auch das Spital von Lacco Ameno – das einzige auf Ischia, das über eine Notaufnahme verfügt – musste wegen Rissen in den Wänden evakuiert werden. Noch in der Nacht des Bebens haben Tausende Touristen ihre Ferien abgebrochen und sind mit den Fähren auf das Festland zurückgekehrt.

In den Ferien befanden sich während des Erdbebens offenbar auch die meisten Wissenschafter des nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV). Die Konfusion im Institut war jedenfalls beträchtlich: Zunächst wurde die Stärke des Bebens mit lediglich 3,6 auf der Richterskala beziffert – ein kleines Rumpeln der Erde. Später wurde die Stärke auf immer noch relativ harmlose 4,0 korrigiert. Unklar war auch, ob es sich um ein Beben tektonischen oder vulkanischen Ursprungs handelte und in welcher Tiefe sich das Epizentrum befand. So oder so handelte es sich um ein schwaches Erdbeben, das keine nennenswerten Schäden verur­sachen sollte. «Es ist unglaublich, dass Opfer zu beklagen sind; es ist absurd, wegen eines solchen Bebens zu sterben», betonte der Präsident der italienischen Geologen, Francesco Peduto.

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Mittelitalien sei das Land nach wie vor extrem verwundbar; es fehle weiterhin an konkreten Präventionsmassnahmen, mit denen sichergestellt würde, dass Gebäude nicht bei den kleinsten Erschütterungen in sich zusammenfielen. In der Tat kam das schwache Beben auf Ischia nicht unerwartet: Bei der Insel handelt es sich um einen noch aktiven Vulkan – 1883 hatte ein Erdbeben über 2300 Tote gefordert und 80 Prozent der vorhandenen Bausubstanz zerstört.

Beim neuen Beben waren –einmal mehr – die illegal und zudem meist lausig gebauten Häuser das Hauptproblem. Davon gibt es Tausende auf der Insel: Laut der Umweltorganisation Legambiente sind auf Ischia bei den diversen Amnestien für Bausünder in letzten 30 Jahre über 7000 Gesuche um nachträgliche Legalisierung illegal erstellter Bauten gestellt worden. Damit liegt die 46 Quadratkilometer grosse Insel bezüglich Bausünden landesweit auf dem unrühmlichen fünften Platz. «In unzähligen Ermittlungen hatten wir festgestellt, dass bei den illegalen Bauten meist schlechtes Material verwendet und Bauvorschriften verletzt wurden», erklärte der frühere Vize-Staatsanwalt von Neapel, Aldo De Chiara. «Was jetzt auf Ischia passiert ist, entspricht genau dem, wovor wir jahrelang vergeblich gewarnt haben.»

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