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ITALIEN: Wildschwein-Plage auch in Rom

Nach der Toskana erlebt nun auch die Ewige Stadt eine Invasion von Wildschweinen. Die Lage sei kritisch, sagt die Stadtregierung nach einem tödlichen Verkehrsunfall.
Dominik Straub, Rom
Treiben Aargauer Jäger zur Verzweiflung: Wildschweine (Archiv) (Bild: Keystone)

Treiben Aargauer Jäger zur Verzweiflung: Wildschweine (Archiv) (Bild: Keystone)

Dominik Straub, Rom

Der Unfall ereignete sich in der vergangenen Woche: Ein Motorradfahrer stiess auf der Via Cassia, einer von sieben Konsularstrassen des antiken Roms, mit einem Wildschwein zusammen. Das Tier war auf die Strasse gerannt; der 49-jährige Lenker stürzte und erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bereits Anfang März hatte ein Autofahrer auf einer stark befahrenen Durchgangsstrasse in der Nähe des Vatikans ein Wildschwein gefilmt, das in heller ­Panik und gestrecktem Galopp vor dem Verkehr zu fliehen versuchte. In diesem Fall hatten ­sowohl das Tier als auch die menschlichen Verkehrsteilnehmer Schwein gehabt: Niemand war zu Schaden gekommen.

Der Zwischenfall beim Vatikan und vor allem der tödliche Unfall auf der Via Cassia haben den Römern ein Problem vor Augen geführt, das zwar nicht neu ist, sich aber in den letzten Jahren offenbar zugespitzt hat: Die Ewige Stadt ist besonders in den grünen Aussenquartieren im Norden und im Nordosten mit einer Wildschwein-Invasion konfrontiert.

Konkrete Erhebungen zum Bestand gibt es zwar nicht, aber allein die unzähligen Videos und Fotos von Wildschweinen in der Stadt, die nun plötzlich in den sozialen Medien und den Websites der Lokalzeitungen gepostet werden, lassen auf eine explosionsartige Vermehrung schliessen. Die Stadtregierung hat die Situation bereits als «kritisch» bezeichnet. Die Behörden wirken angesichts der Ausbreitung der Wildschweine jedoch etwas hilflos. Eine Abschusskampagne kommt aus politischen Gründen nicht in Frage: Die Protestbewegung von Beppe Grillo, der Stadtpräsidentin Virginia Raggi angehört, hat sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben. Laut nach­gedacht wird auf dem Kapitolshügel deshalb über die Sterilisierung der Wildschweine durch die Injektion eines Medikaments.

«Der Beweis, dass die Stadt vollkommen verwahrlost»

Wie man sich eine solche Aktion konkret vorstellen soll, vermochte die Umweltkommission der Stadt aber bisher noch nicht zu erklären. Und so empfiehlt die Stadtregierung den Bürgerinnen und Bürgern erst einmal, «sich von den Wildschweinen fernzuhalten» und sie im Falle einer ungewollten Begegnung «auf keinen Fall zu reizen».

Für die Opposition sind die Schweine ein gefundenes Fressen. Die Römer Sektion des sozialdemokratischen PD von Regierungschef Paolo Gentiloni fragte sich, wie es möglich sei, dass man in einer Grossstadt wie Rom wegen eines Wildschweins zu Tode kommen könne.

Für die Umwelt- und Konsumentenschutzorganisation Codacons wiederum ist der tödliche Unfall «der Beweis dafür, dass die Stadt vollkommen verwahrlost ist»: Weil der Müll nur un­regelmässig und manchmal gar nicht weggeführt werde, übe Rom inzwischen eine magische Anziehungskraft auf die Wildschweine aus. Codacons hat gegen die Stadtregierung eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Der herumliegende Müll lockt nicht nur Wildschweine an, sondern auch Ratten, Möwen und anderes Getier. Die Rattenplage vom letzten Sommer ist den Römern noch in frischer Erinnerung; die Ewige Stadt ist, wie Codacons nicht ganz zu Unrecht kritisiert, zu einem «Zoo unter freiem Himmel» verkommen.

Bezüglich des Wildschwein-Problems steht die Stadt freilich nicht allein da: In der Toskana liegt der Bestand inzwischen bei 400000 Tieren, von denen die Regionalregierung eigentlich 150000 Stück zum Abschuss hatte freigeben wollen. Der Glaubenskrieg zwischen Jägern und Tierschützern ist indessen noch nicht entschieden, und so harrt die Ausmerzaktion immer noch ihrer blutigen Umsetzung.

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