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JAGD: Für die Wölfe in Italien ist die Schonzeit vielleicht bald vorbei

Erstmals seit 46 Jahren will die italienische Regierung die Jagd auf Wölfe wieder zulassen. Der Bestand hat in den letzten Jahren massiv zugenommen – doch die Abschusserlaubnis ist umstritten.
Dominik Straub/Rom
Der Wolf hat in der Zentralschweiz nicht nur Freunde – er muss sich etwa vor Schützen in Acht nehmen, die sich nicht an das Gesetz halten. (Symbolbild: Julian Stratenschulte/Keystone (Mecklenburg-Vorpommern, 2. Jan. 2016))

Der Wolf hat in der Zentralschweiz nicht nur Freunde – er muss sich etwa vor Schützen in Acht nehmen, die sich nicht an das Gesetz halten. (Symbolbild: Julian Stratenschulte/Keystone (Mecklenburg-Vorpommern, 2. Jan. 2016))

Dominik Straub/Rom

Das Papier des Umweltministeriums trägt den etwas scheinheiligen Titel «Aktionsplan zum Erhalt und zum Management des Wolfs in Italien». Zwar würden in der Tat die meisten der vorgesehenen Massnahmen dem «Erhalt» und der friedlichen Koexistenz zwischen Mensch und Wolf dienen – aber am Schluss des Aktionsplans kommt dann eben doch der entscheidende Punkt, der in Italien seit Wochen zu reden gibt: In bestimmten Fällen soll der Wolf zum Abschuss freigegeben werden – zum ersten Mal seit 1971, als er unter absoluten Schutz gestellt worden war.

Die Bejagung wäre nur bei Beständen erlaubt, die von der Grösse her als «zufriedenstellend» gelten, und ausserdem dürften jeweils höchstens 5 Prozent der betreffenden Population abgeschossen werden.

Bestand hat sich um das 20-Fache erhöht

Die Pläne der Regierung, die morgen definitiv beschlossen werden sollen, haben bei Tierschützern und Umweltverbänden scharfen Protest ausgelöst. «Die Tötung von Wölfen ist sowohl aus moralischen als auch aus wissenschaftlichen Gründen vollkommen inakzeptabel», betont der Sprecher des Tierschutzverbands LAV, Massimo Vitturi. Die Bejagung des Wolfs löse keine Probleme – viel effizienter seien Präventionsmassnahmen wie der Schutz der Nutztierherden durch Elektrozäune und der Einsatz von Schäferhunden. Die Viehzüchter und Schäfer verweisen dagegen auf die massiven Schäden, die in ihren Herden durch die Wölfe verursacht würden.

Die Argumente der italienischen Wolfsfreunde und -feinde sind letztlich die gleichen wie jene ihrer schweizerischen und österreichischen Kollegen. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Während jenseits der italienischen Grenze die Wolfspopulationen kaum der Rede wert sind, hat sich in Italien der Bestand seit 1971 um mindestens das 20-Fache erhöht. Von den noch etwa 100 Tieren, welche die zuvor gnadenlose Bejagung überlebt hatten, ist die Wolfspopulation in Italien laut Schätzungen des nationalen Forschungsinstituts Ispra 2015 auf mindestens 2000 Tiere gestiegen. Die spektakuläre Erholung des Wolfsbestandes in Italien ist nur teilweise auf das Schutzprogramm zurückzuführen. Der wichtigste Grund für die Ausbreitung war (und ist) die Abwanderung grosser Bevölkerungsteile aus den kargen Gebirgstälern des Apennins in die In­dustriegebiete Norditaliens: Waren nach dem Zweiten Weltkrieg noch 18 Prozent der Landfläche Italiens mit Wäldern bedeckt, sind es heute wieder 40 Prozent.

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