JAVA: Vulkanausbruch: «Plötzlich war es stockdunkel»

Eine dicke Ascheschicht liegt über der indonesischen Insel Java. Grund dafür ist ein gewaltiger Vulkanausbruch in der Nacht auf Freitag. Eine Zentralschweizerin erlebte die Naturkatastrophe mit.

Stefanie Nopper
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In Yogyakarta, 300 Kilometer vom Vulkan Kelud entfernt, verteilt ein Polizist Atemschutzmasken. (Bild: Keystone)

In Yogyakarta, 300 Kilometer vom Vulkan Kelud entfernt, verteilt ein Polizist Atemschutzmasken. (Bild: Keystone)

Eine heftige Vulkaneruption hat in Indonesien rund 200 000 Menschen in die Flucht getrieben und das Land über Hunderte Kilometer unter einer dicken Ascheschicht begraben. Drei Menschen kamen auf der dicht besiedelten Hauptinsel Java ums Leben. Eine, die diese Naturkatastrophe vor Ort miterlebte, ist die Luzernerin Lisa Arnold (26). Sie lebt und arbeitet auf der Insel Java, genauer gesagt in Surakarta, einer Stadt in Zentraljava im Süden von Indonesien. Als Englischlehrerin und Korrektorin an der Universität bringt sie den oftmals nur wenig Englisch sprechenden Einwohnern die Sprache bei.

Als der aktive Vulkan Kelud im Osten der Insel das erste Mal Asche spuckte, lag Lisa Arnold noch im Bett – es war mitten in der Nacht: «Angefangen hat es mit einem ohrenbetäubenden Knall. Ich bin aufgewacht, hatte aber keine Ahnung, was los ist. Ich habe zunächst gar nicht realisiert, dass der Vulkan ausgebrochen ist.» Dieser liegt immerhin rund 270 Kilometer entfernt. Vielmehr habe sie sich über den nächtlichen Lärm geärgert. Als sie dann am Freitagmorgen vor die Tür trat, habe Arnold geglaubt, bei der herunterrieselnden weissen Asche handle es sich um Pulverschnee. «Ich war ganz verzaubert und hatte schon Angst, er würde bald wieder schmelzen.» Erst ihre Gastmutter, eine Dozentin der örtlichen Uni, bei der Arnold lebt, habe sie aufgeklärt, dass es sich nicht um Schnee, sondern um gefährliche Vulkanasche handle.

Weder Wasser noch Strom

Am Morgen nach dem Ausbruch gab es weder Wasser noch Strom, und die Insel war mit einer Ascheschicht von bis zu fünf Zentimetern bedeckt. Es gab nur wenige Mutige, die sich mit ihren Töffs auf die Strasse gewagt hatten. «Sie sahen aus wie Schneemänner – voll mit Asche», so Arnold. Dennoch machte sich die junge Lehrerin am Freitagmorgen auf zur Universität. Ihr Fahrer holte sie mit dem Auto ab. «Durch die Windschutzscheibe konnte er gar nichts sehen, so viel Asche flog durch die Luft.» Auf der Strasse habe ziemliche Aufregung geherrscht. «Alle diskutierten wild – das entspricht eigentlich gar nicht der indonesischen Mentalität», berichtet Lisa Arnold. Die Lage beruhigte sich später etwas.

«Asche wirbelte auf mich zu»

Doch dann wurde es brenzlig: «Es wurde plötzlich stockdunkel, und es herrschte Totenstille um mich herum. Ich ahnte nichts Gutes!», erinnert sich die 26-Jährige. Ihre Assistentin habe wie wild angefangen, mit den Händen zu fuchteln. Es war Zeit, ins Gebäude zu gehen – die zweite Aschewelle drohte. «Ich drehte mich um und sah einen Windstoss mit einer gewaltigen Ladung Asche auf mich zuwirbeln. Alle rannten so schnell sie konnten ins Haus. Ich schaffte es gerade noch, meine Atemschutzmaske anzulegen und die Tür hinter mir zuzuschlagen, bevor es richtig losging», so die Luzernerin. Doch im Innern des Universitätsgebäudes war sie auch nicht sicher vor dem feinen Aschestaub: «Die Mauern sind extrem luftdurchlässig.» Selbst die Glaskästen innerhalb des Gebäudes, in dem die Büros angesiedelt sind, hielten die Asche nicht fern. «Wir behielten die Masken die ganze Zeit an.»

Der Unterricht fiel aufgrund des gewaltigen Vulkanausbruchs aus, und die meisten Einwohner der Insel blieben zu Hause. Nach der Eruption haben die Einheimischen sofort zum Telefon gegriffen und sich nach der Gesundheit und Sicherheit ihrer Freunde und Verwandten erkundigt. «Der Zusammenhalt hier ist überwältigend. Ich habe zahlreiche SMS von meinen Freunden hier in Java bekommen. Meine Mama hat meinen Status auf Facebook geliked», so die junge Luzernerin.

Sobald die Asche jedoch nicht mehr so dicht war, gingen die meisten Einheimischen zu ihren Familien und begannen mit dem Wegputzen der Asche. «Die Leute hier haben zwar Angst, aber sie nehmen es gelassen. Für die jüngere Generation war es aber der erste Vulkanausbruch in dieser Stärke», sagt Arnold.

Prägendes Erlebnis

«Die Dunkelheit und die Wucht der Aschewelle waren extrem beeindruckend, wenn auch gefährlich», so Lisa Arnold weiter. Gefährlich ist der feine Staub, weil er die Atemwege verklebt. «Ich habe bereits Kopfweh davon – obwohl ich immer eine Maske trage.» Ein Grund zur Rückkehr in die Schweiz ist dieser Vulkanausbruch jedoch nicht. Vielmehr sieht sie ihr Erlebnis als Herausforderung und Bereicherung: «Im Nachhinein war es ein sehr prägendes Erlebnis. Aber als es anfing, war es einfach nur Action – und ich liebe Action. Ich bin erstaunt, wie ruhig ich in der Situation war im Vergleich zu meinem Umfeld», so die Zentralschweizerin.

Stefanie Nopper

Die Luzernerin Lisa Arnold mit Atemschutzmaske: Die Strassen sind von Asche bedeckt. (Bild: pd)

Die Luzernerin Lisa Arnold mit Atemschutzmaske: Die Strassen sind von Asche bedeckt. (Bild: pd)

Ein Fussabdruck in der Asche des Vulkans. (Bild: pd)

Ein Fussabdruck in der Asche des Vulkans. (Bild: pd)

Die Pflanzen sehen aus wie schneebedeckt. (Bild: pd)

Die Pflanzen sehen aus wie schneebedeckt. (Bild: pd)

Die Strassen sind mit Asche bedeckt. (Bild: pd)

Die Strassen sind mit Asche bedeckt. (Bild: pd)