JODLERFEST: Wogen um Radio- und TV-Musik geglättet

Wolkenloser Himmel und schon 24 Grad am Sonntagmorgen auf der Martinsplatz-Wiese mitten in Baar. Ein feierlicher Festakt mit Ansprachen, Musik und ökumenischem Gottesdienst. Und ein Thema: Was ist aus dem Kampf der Jodlergemeinde um mehr Volksmusik an Radio und Fernsehen geworden?

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Hans Aregger mit Helen Iten und Joachim Eder (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Hans Aregger mit Helen Iten und Joachim Eder (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ein gutes Jahr ist es her, da gab es ja mächtig Zündstoff um diese Frage. In seiner Absicht, jedem «sein Radio» zu geben, konzentrierte Radio DRS sein Volksmusikangebot auf den Spartensender DRS Musigwälle, der heute täglich von über 300'000 Volksmusikfans gehört wird. Das führte zu heftigen Diskussionen, Freunde der Schweizer Volksmusik fühlten sich abgeschoben.

Der Entlebucher Jodlerstar Franz Stadelmann kämpfte damals, vor allem auch medial, an vorderster Front. «Dass an unserem Radio der Anteil Volksmusik auf knapp unter 10 Prozent gesunken ist, bemängle ich immer noch. Das ist nach wie vor zu wenig», erklärte Stadelmann. «Immerhin hat die Debatte vor einem Jahr ganz bestimmt dazu geführt, dass dieser Anteil nicht noch weiter gesunken ist. Das ist immerhin etwas.»

Unterschiedlich beurteilt die Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands, Karin Niederberger, die mit vier ihrer sechs Kinder anreiste: «Einerseits ist das Vollprogramm gut, andererseits wünsche ich mir eine Präsenz unserer Musik auch auf anderen Kanälen.»

Einen «Musik-Mix auf allen Sendern» befürwortet auch Nidwaldens Landammann Beat Fuchs. Seinen Zuger Kollegen, Festredner Peter Hegglin, freut es, dass es auf DRS 1 «immerhin noch das ?Wunschkonzert? und den ?Nachtexpress?» gibt. Beide Sendungen standen übrigens vor den heissen Musikdisputen auf der Kippe ...


Dass es die Musigwälle gibt und dass diese auch Erfolg hat, freut Rolf Schweiger. Als genügend beurteilt der Zuger FDP-Ständerat auch den Anteil an volkstümlichen Sendungen im Schweizer Fernsehen. «Beim Radio aber müsste man die Gewohnheiten der grossen Spartenkundschaft noch besser lenken», findet er. «Die Musigwälle-Frequenz muss viel bekannter gemacht werden. Und für mich, der Radio vor allem im Auto hört, müsste der Sender auch dort empfangbar sein – auch ohne optionales DAB im Autoradio.»

Joachim Eder indes ist «froh und glücklich», dass es den Spartensender gibt: «Hier läuft ganz sicher immer die Musik, die mich zu Hause beim Schreiben von Reden am besten inspiriert», erklärte der Zuger FDP-Regierungsrat.

Für genügende und angemessen hohe Anteile an Volksmusik in den Medien setzt sich auch die Interessengemeinschaft für Volkskultur unter anderem ein. «Die Dispute vor einem Jahr waren fruchtbar», zog IG-Präsident Hanspeter Seiler Bilanz. «Man hat unser Anliegen im ganzen Land und vor allem auch bei den Verantwortlichen wahrgenommen. Diese Anliegen werden heute aber auch ernst genommen – man spricht rege miteinander und findet konstruktive Lösungen. Viele Wogen sind inzwischen geglättet», so der ehemalige Berner SVP-Nationalrat und Co-OK-Chef des Eidgenössischen Jodlerfestes 2011 in Interlaken.

Hans Aregger bläst ins gleiche Horn. «Unsere Musik ist präsent in den Medien», sagte die Horwer Volksmusik-Legende, die am 14. September 80 Jahre alt wird. «Wir müssen auch mal zufrieden sein, andere haben schliesslich auch ihre Rechte.»

André Häfliger