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JUSTIZ: Gefängnis für burmesischen Polizeihauptmann

Moe Yan Naing sollte gegen zwei in Burma angeklagte Reuters-Journalisten aussagen, entlastete sie aber stattdessen. Der 47-Jährige zahlt dafür einen hohen Preis.
Hier noch in Uniform: Moe Yan Naing. (Bild: Thein Zaw/AP (Yangon, 20. April 2018))

Hier noch in Uniform: Moe Yan Naing. (Bild: Thein Zaw/AP (Yangon, 20. April 2018))

Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht trug Moe Yan Naing Uniform: die graugrüne Kluft der burmesischen Polizei, auf dem Arm deren gelb-blau-rotes Wappen, auf den Schultern die drei silbernen Sterne eines Hauptmanns. Das war am 20. April. Seitdem ist viel passiert, und das zeigt sich auch an der Kleidung, in der der 47-Jährige zuletzt am Mittwoch vergangener Woche in den Gerichtssaal in Yangon geführt wurde: Diesmal trug der Polizist als einziges Kleidungsstück einen knallblauen Häftlings­overall und war mit schweren Eisenstangen an Händen und Füssen gefesselt.

Die Geschichte Moe Yan Naings ist die eines Mannes, der die Wahrheit liebt. Sein Pech ist, dass er in einer Zeit lebt, in dem die Wahrheit in seinem Heimatland ungern gehört wird. Dass er darauf besteht, sie trotzdem zu erzählen, hat ihn zum Helden und seine Familie wohnungslos gemacht. Mitte Dezember letzten Jahres diente Moe Yan Naing im achten Polizeiba­taillon, als er wie viele seiner Kollegen von zwei Journalisten angesprochen wurden. Ko Wa Lone und Ko Kyaw Soe Oo, beide einheimische Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, wollten herausfinden, wie zehn zur muslimischen Minderheit der Rohingya gehörende Männer in einem spezifischen Dorf im Gliedstaat Rakhine zu Tode gekommen waren.

Seit August vergangenen Jahres sind bis zu 700000 Rohingyas vor ethnischen Säuberungen in Burma nach Bangladesch geflohen. Dass dabei viele tausend Menschen von burmesischen Sicherheitskräften und radikalen Buddhisten getötet wurden, gilt als gesichert. Allein die burmesische Regierung bestreitet, dass es zu gezielter Gewalt gegen die Rohingyas gekommen sei. Die beiden Reuters-Reporter wollten an einem Einzelfall auf­zeigen, wie systematisch die Rohingyas ermordet und in die Flucht geschlagen werden.

Moe Yan Naing wurde Zeuge, wie ein Brigadegeneral einen Offizier anwies, den Reuters-Männern als geheim klassifizierte Dokumente zuzuspielen. Kaum hielten die beiden 32 und 28 Jahre alten Männer die Papiere in der Hand, wurden sie verhaftet: Sie waren in eine Falle gelaufen und stehen nun wegen des illegalen Besitzes von Staatsgeheimnissen vor Gericht. Ihnen drohen bis zu 14 Jahre Haft.

Moe Yan Naing war ursprünglich von der Anklage als Zeuge geladen wurden. Doch bei seinem ersten Auftritt vor Gericht beschrieb er, wie die beiden Journalisten gelinkt wurden, dass die angeblichen «Geheimpapiere» gar keine echten seien: eine Aussage, dank derer die Journalisten frei- kommen könnten. Tumult brach aus, der Polizist wurde in Handschellen abgeführt. Seine Familie wurde am nächsten Tag aus seiner Dienstwohnung geworfen, Moe Yan Naing wenig später «wegen Missachtung der Polizeidisziplin» zu einem Jahr Haft verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hat versucht, den Beamten als «unzuverlässig» einstufen zu lassen, damit wäre seine Aus­sage nicht als Beweismittel zugelassen wird. Das ging dem Richter dann doch zu weit, weshalb Moe Yan Naing nun alle paar Wochen erneut vor Gericht erscheint und weiter auspackt: Sein unerschütterlicher Glaube an Recht und Gesetz steht dabei im krassen Widerspruch zu der Verlogenheit der burmesischen Regierung, die so tut, als würden die Rohingyas freiwillig aus ihrer Heimat fliehen. Obwohl Moe Yan Naing seit seiner Verhaftung abgemagert ist, gibt er sich standfest: Er bereue seine Aussage nicht, sagte er vergangene Woche.

Ulrike Putz, Singapur

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