KERSTIN COOK: Miss Schweiz: Studium ein Bluff?

Ihr Fernstudium macht Kerstin Cook an der englischen «Open University». Für diese «Universität» braucht es nicht mal einen Schulabschluss.

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Kerstin Cook. (Bild Nadia Schärli/Neue LZ)

Kerstin Cook. (Bild Nadia Schärli/Neue LZ)

Im Vorfeld der Miss-Schweiz-Wahlen war überall zu lesen und zu hören, dass Kerstin Cook an der «Oxford Open University» ein Fernstudium in Biologie absolviere. Bis Donnerstagnachmittag war das auch noch in ihrem offiziellen Kandidatenprofil auf der Webseite der Miss-Schweiz-Organisation zu lesen.

Doch nun ist klar: Die Schule «Oxford Open University» gibt es gar nicht. Cook studierte zwar an der Open University, aber diese hat mit der renommierten Oxford University nichts zu tun. Im Gegenteil: Sie ist bekannt für ihre lockeren Zulassungsbedingungen.

Verkäuferin und Model
Um an der «Open University» zu studieren, braucht es laut deren Webseite für die meisten Fächer «keine vorgängigen Qualifikationen» – nicht mal einen Schulabschluss. Das kam Kerstin Cook entgegen, da sie keine Matura hat. Cook brach das Sport-Gymnasium im vierten Jahr ab und arbeitet seither als Verkäuferin und Model. Die Internetseite klatschheftli.ch bezeichnet Cooks Schule gar als «Migros-Klubschule für Engländer», weil sich jeder dort einschreiben könne. Blick.ch schrieb von Kerstins «Biolügie-Studium».

Wollte sich die 21-jährige Krienserin also klüger darstellen, als sie ist? Kerstin Cook sagte zu den Vorwürfen: «Ich habe nie behauptet, ich hätte eine Matura gemacht.» Das Fernstudium mache sie zur Weiterbildung, da sie sich vorstellen könne, einmal Physiotherapeutin zu werden. In England wäre das laut Cook mit diesem Studium möglich. «Eine akademische Ausbildung strebe ich nicht an», präzisiert sie.

Für die Miss-Schweiz-Organisation sind die Vorwürfe ebenfalls nicht gerechtfertigt. Ihr Sprecher Raffy Locher sagte auf Anfrage: «Wir haben das abgeklärt. Entscheidend für uns ist, dass sie tatsächlich zwei Jahre studiert hat.» Sie habe drei Fächer belegt (Deutsch, Physik und Biologie) und diese auf dem A-Level abgeschlossen. «Sie macht das seriös und hat das sicher nicht nur vorgeschoben, um besser dazustehen.»

Locher räumt aber ein, dass der Name «Oxford Open University» auf der Webseite der Miss Schweiz Organisation nicht korrekt war. Er sei einem Text der «Schweizer Illustrierten» entnommen worden. Inzwischen wurde der Name der Ausbildungsstätte auf der Webseite korrigiert.

Jan Flückiger