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KINOGESCHICHTE: Nicht jedes Badkleid passt zu seinem Film

In Los Angeles werden heute die Oscars verliehen. Doch nicht jeder preisgekrönte Film ist perfekt. Macht nichts: Bei dieser Auflistung spektakulärer Pannen darf geschmunzelt werden.
Christian Satorius
Kate Beckinsale macht eine echt gute Figur in diesem Bikini – blöd nur, dass dieser zu Zeiten von Pearl Harbor noch gar nicht erfunden war. (Bild: Imago)

Kate Beckinsale macht eine echt gute Figur in diesem Bikini – blöd nur, dass dieser zu Zeiten von Pearl Harbor noch gar nicht erfunden war. (Bild: Imago)

Christian Satorius

Wer erinnert sich noch an die hübsche Szene in «Der Spion, der aus der Kälte kam» (1965), in der Richard Burton das Mikrofon an den Kopf knallt? Unvergessen auch der moderne Ozeandampfer, der im Burt-Lancaster-Streifen «Der rote Korsar» (1952) ungeniert durchs Bild schippert – mitten im tollsten Piratenangriff des 18. Jahrhunderts.

Peinlich, peinlich, aber warum hat das eigentlich keiner rausgeschnitten, mag man sich fragen? Die Antwort kennen wohl nur die Filmemacher. Andererseits: Vielleicht merkt es ja auch keiner. Mit ein bisschen Glück geht der Indianer mit der Armbanduhr im allgemeinen Getümmel des Wilden Westens ganz unbemerkt unter. Vor Filmfehlern ist kein Streifen wirklich sicher, seien es «Ben Hur», «Jurassic Park» oder «Titanic».

Manchmal schaffen Fehler auch Unvergessliches

Selbst in so manchem preisgekrönten Film finden sich Fehler. «Vom Winde verweht» von 1939 hat immerhin zehn Oscars erhalten, so für den besten Film und die beste Regie. Hätte da nicht Regisseur Victor Fleming auffallen müssen, dass es auch im 19. Jahrhundert, in dem der Film spielt, nicht urplötzlich dunkel werden konnte? Andererseits bleibt uns so wenigstens das denkwürdige Gespräch von Scarlett und ihrem Vater in besonderer Erinnerung.

Ganze elf Oscars heimste einst das Epos «Ben Hur» (1959) ein. Fehlerfrei war es allerdings bei weitem nicht. Kleines Beispiel gefällig? Als Hauptdarsteller Charlton Heston sich mit nassen Haaren unter einen Baum legt, trocknen diese in wundersamer Weise von einer Sekunde zur anderen. Kaum unter dem Baum, wird Ben Hur von Balthasar angesprochen, steht auf und siehe da: Die Haare sind trocken.

Andere Fehler sind nicht ganz so offensichtlich: Wer weiss schon, dass der Bikini in seiner heutigen Form erst 1946 erfunden wurde? Kate Beckinsale hätte ihn also gar nicht zur Zeit des Zweiten Weltkriegs tragen können, so wie in dem mit einem Oscar prämierten Film «Pearl Harbor» von 2001. Dumm nur, dass man sich ausgerechnet bei «Pearl Harbor» um hohe historische Authentizität bemüht hatte. Denn leider wimmelt es gerade hier von Filmfehlern geradezu historischen Ausmasses: Vor allem bei den militärischen Details wurde ordentlich geschlampt. Schiffe, die es zum Zeitpunkt des japanischen Angriffs noch gar nicht gab, und Flugzeuge, die alle die gleiche Kennung tragen, sind an der Tagesordnung. Manchmal tragen Fehler aber auch dazu bei, Unvergessliches zu schaffen – im positiven Sinn. Eine der romantischsten Szenen der Filmgeschichte gäbe es ohne Fehler nicht. Wer erinnert sich nicht an Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, wie sie am Bug der «Titanic» (1997) stehen? Sie auf der untersten Strebe der Reling, um noch besser sehen zu können. Genau das wäre auf der historischen «Titanic» gar nicht möglich gewesen, denn vorn am Bug gab es direkt über dem Deck gar keine Streben. Schwamm drüber.

Weniger schön ist, wenn plötzlich die gesamte Filmcrew im Bild auftaucht, so wie es in der finalen Küchenszene in «Jurassic Park» von 1993 der Fall ist. Der reichlich in der Küche verbaute Edelstahl hat es hier im wahrsten Sinne des Wortes so richtig in sich, spiegelt er doch die Welt jenseits des Kameraobjektivs wider, so wie es auch Scheiben, Spiegel und Hochglanzoberflächen in anderen Filmen immer wieder tun.

Nun müssen derartige Filmfehler nicht zwangsläufig ärgerlich sein, manchmal tragen sie zum besonderen Witz eines Filmes bei – dann nämlich, wenn dieser ohnehin so jenseitig ist, dass auch ein paar Korrekturen nichts mehr richten würden. Hier sorgen Filmfehler für Extra­lacher: so geschehen beim mehrfach zum «schlechtesten Film aller Zeiten» gekürten «Plan 9 aus dem Weltall» (1959) von Regisseur Ed Wood. Der Streifen geniesst bei Cineasten Kultstatus.

Der weit von jedem Oscar entfernte Science-Fiction-Spass mit seinen höchst seltsamen Ausserirdischen stand übrigens von Anfang an unter keinem guten Stern, verstarb Hauptdarsteller Bela Lugosi doch gleich zu Beginn der Dreharbeiten. Somit hatte Regisseur Edward Davies Wood junior lediglich 2 Minuten Material mit seinem weltbekannten Mimen zur Verfügung. Ein bisschen wenig für einen ganzen Film, könnte man meinen. Aber Ed Wood wäre nicht Ed Wood, hätte er sich nicht die post- hum verliehene Auszeichnung «Schlechtester Regisseur aller Zeiten» wirklich verdient.

Wenn die Pappgrabsteine gleich reihenweise umfallen

Wood nahm einfach das, was er hatte: eine kurze Szene, in der Lugosi an einer Rose riecht, und einen weiteren sehr kurzen Auftritt auf einem nachgebauten Friedhof, auf dem die Pappgrabsteine gleich reihenweise umfallen, sobald die Schauspieler dagegenstossen. Den Hauptdarsteller ersetzte er kurzerhand durch seinen Chiropraktiker Tom Mason. Das kleine Problem, dass dieser nicht die geringste Ähnlichkeit mit Lugosi hatte, umschiffte er gekonnt, indem er Mason sein Gesicht hinter einem Umhang verbergen liess – den gesamten Film über.

Während des ganzen Science-Fiction-Furors reihen sich die Fehler nur so aneinander, seien es gut sichtbare Drähte, an denen billigste Plastik-UFOs hängen, oder auch nur dilettantische Darsteller, die in einem Auto losfahren und in einem völlig anderen Fahrzeug ankommen. Aber genau das macht den Reiz für die Fans aus, denn eigentlich ist der gesamte Streifen nichts anderes als ein einziger grosser Fehler, der Filmgeschichte schrieb.

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