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KIRCHE: Seelsorgerin für Prostituierte

Das Angebot ist weltweit einzigartig. Die Römisch-katholische Kirche beider Basel stellt eine Seelsorgerin für Sexarbeiterinnen an – mit dem Segen von Bischof Felix Gmür.
Die 38-jährige Theologin Anne Burgmer. (Bild: PD)

Die 38-jährige Theologin Anne Burgmer. (Bild: PD)

Kari Kälin

Papst Franziskus verurteilt Prostituierte nicht, sondern geht auf sie zu. Im letzten Jahr sprach er im Vatikan persönlich mit vier Opfern von Menschenhandel. Franziskus ist ohnehin der Papst der Armen und Randständigen. «Besser eine Kirche mit Beulen, die auf der Strasse unterwegs ist, als eine Kirche, die krank ist, weil sie sich eingeschlossen hat», twitterte er neulich.

Büro im Rotlichtviertel

Die Römisch-katholische Kirche beider Basel nimmt sich die Maxime des Oberhaupts der katholischen Kirche zu Herzen – und schafft die Stelle Seelsorge im Tabubereich (Sita). Ab Anfang Jahr wird die deutsche Theologin Anne Burgmer (38) als erste Prostituierten-Seelsorgerin amten. Das Angebot sei in seiner Art weltweit einzigartig, sagten gestern Kirchenvertreter vor den Medien.

Burgmers Büro befindet sich im Rotlichtviertel der Stadt Basel, direkt neben der städtischen Prostituiertenberatung. Sexarbeiterinnen-Seelsorgerin Burgmer ist in einem 40-Prozent-Pensum angestellt, die Stelle ist auf drei Jahre befristet. «Die Sita soll für Menschen da sein, die sich in einem gesellschaftlichen Tabubereich aufhalten», sagt Burgmer, die in Bonn und Luzern Theologie studiert hat.

In Basel-Stadt sind rund 3000 Prostituierte tätig, viele von ihnen stammen aus katholischen Ländern. Die Sita will deren Bedürfnisse nach Seelsorge und Spiritua­lität befriedigen. Einen moralischen Ansatz verfolgt sie nicht. Man wolle die Prostituierten nicht dazu überreden, sich einen anderen Beruf zu suchen, sagt Thierry Moosbrugger, Sprecher der Kirche beider Basel. Und: «Die Prostituierten sollen jemandem ihre Geschichte erzählen können, ohne dass sie dafür stigmatisiert werden.» Wie viele Frauen das Angebot nutzen werden, ist völlig offen. Im Jahresbericht wird Seelsorgerin Burgmer Statistik führen.

Jesus als Vorbild

Anne Burgmer verrichtet ihre neue Aufgabe mit dem Segen des Bischofs von Basel. Felix Gmür hat ihr die kirchliche Beauftragung Missio Canonica erteilt. «Ich wünsche eine Kirche, die rausgeht zu den Menschen. Unsere Aufgabe ist es, auch zu denjenigen zu gehen, die keine Lobby haben», sagt Gmür. Deshalb gebe es Seelsorge im Tabubereich.

Dass die katholische Kirche auf Prostituierte zugeht, liegt eigentlich auf der Hand. So liess sich Jesus seine Füsse durch eine Hure salben – und vergab ihr ihre Sünden. Überhaupt zeigt sich Jesus konziliant im Umgang mit sexuell fehlbaren Frauen. Als die Pharisäer eine Ehebrecherin steinigen wollten, sagte er: «Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.»

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