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KLIMA: Statt Ausstoss-Reduktion: CO2 soll aus der Luft geholt werden

Die Staatengemeinschaft ist bisher nicht in der Lage, die globalen Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Wie wäre es denn, Kohlendioxid einfach zu vernichten?
Andreas Lorenz-Meyer
Mit Geoengineering soll die Atmosphäre gesäubert werden. (Bild: Getty)

Mit Geoengineering soll die Atmosphäre gesäubert werden. (Bild: Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

Eine Reihe von technischen Ansätzen zielt darauf ab, die globale Erwärmung zu bremsen. Durch Beeinflussung der Solarstrahlung oder durch Entnahme von Kohlendioxid. Zusammengefasst werden die Techniken unter dem Begriff Geoengineering oder Climate Engineering. Alle sind mehr oder weniger umstritten. Was die Machbarkeit angeht und weil es klüger ist, Klimagasemissionen zu vermeiden statt CO2 erst in die Atmosphäre zu geben.

«Ich gehe davon aus, dass einige Geoengineering als Ausrede benutzen werden, um echte Bemühungen zur Emissionsminderung zu blockieren», sagt Stefan Schäfer vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam. Wichtiger ist ihm aber das 2-Grad-Ziel. Zwei Grad markiert die maximale Temperaturerhöhung. Jenseits dieser zwei Grad drohen dem Klimasystem sogenannte Kippelemente. Die Folgen der Erwärmung wären dann nicht mehr beherrschbar.

Ohne CO2-Vernichtung reicht es nicht

Die massive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre sei schon Teil der Klimapolitik, stellt Schäfer fest. Aus Sicht des Internationalen Klimarats (IPCC) reicht es gar nicht mehr aus, Klimagasemissionen zu reduzieren. Es braucht zusätzlich die Entnahme von CO2, um die Erwärmung unter zwei Grad zu halten. «Geoengineering ist damit bereits Teil derjenigen Berechnungen geworden, die die Machbarkeit ambitionierter klimapolitischer Ziele belegen.» Es sei aber problematisch, wenn kaum einer wisse, worauf ein klimapolitisches Ziel eigentlich basiere. Die Diskussion um die CO2-Entnahme bleibt somit auf einen sehr kleinen Personenkreis beschränkt.

Die Entnahme von CO2 funktioniert auf mehrere Arten. Einige Klimaökonomen favorisieren die BECCS-Methode. Das Kürzel steht für «Bioenergy with Carbon Capture and Storage», eine Kombination aus Bioenergiegewinnung mit der Abscheidung und Speicherung des im Verbrennungsprozess freiwerdenden Kohlendioxids. «So hofft man, gleichzeitig mit der CO2-Entfernung auch noch Energie erzeugen zu können», erklärt Schäfer.

Hunderte Millionen Hektar Boden für Energiepflanzen

Aber BECCS hat sehr grosse Nachteile. Zum einen nimmt die Methode viel Platz weg. Es brauchte, um eine spürbare Wirkung zu erzielen, Hunderte Millionen Hektar Boden für Energiepflanzen, die allein der Erzeugung von Bioenergie dienen. Existierende Anbauflächen für Nahrungsmittel können dadurch verdrängt werden. Zudem bedeutet BECCS Monokulturen. Der Anbau dieser Energiepflanzen schadet auch der Vielfalt.

Während BECCS direkt bei der Emissionsquelle zum Einsatz kommt, wird CO2 bei «Direct Air Capture» (DAC) aus der normalen Umgebungsluft genommen. Man braucht kein Kraftwerk, sondern kann die Anlagen im Prinzip überall aufstellen. Das aus der Luft gesogene CO2 wird dann gespeichert oder weiterverwendet. Schäfer schätzt die Technik so ein: «Der Energieaufwand ist sehr gross und das Filtern von CO2 aus der Umgebungsluft damit sehr teuer. Gleichzeitig existiert noch kein Markt für das Entfernen von CO2. Der müsste erst politisch geschaffen werden.»

Möchte man tatsächlich den globalen Klimawandel mindern, dann ist der Massstab, in dem der Atmosphäre CO2 entzogen werden müsste, gigantisch. Das sähe man an den Berechnungen des IPCC, sagt Schäfer. Dessen klimaökonomische Modellrechnungen laufen darauf hinaus, «dass bis zum Jahr 2100 insgesamt 500 bis 800 Gigatonnen an Negativemissionen geschaffen werden müssten, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius oder gar 1,5 Grad Celsius zu begrenzen». Das ginge bis zum Zwanzigfachen der derzeitigen jährlichen CO2-Emissionen. Schäfer glaubt nicht, dass diese Mengen so bald möglich sind. «Natürlich kann man in kleinem Massstab CO2 entfernen. Als Beitrag zum Klimaschutz mag das auch sinnvoll sein. Aber die Mengen, die aktuell diskutiert werden, wenn es um die Einhaltung des 2-Grad-Ziels geht, halte ich für unrealistisch.»

In diesem Jahr steht ein IPCC-Sonderbericht zur Erreichung von 1,5 Grad an. 1,5 Grad maximale Erwärmung sind im Pariser Klimavertrag angegeben, was naturgemäss noch schwerer zu erreichen ist als zwei Grad. Schäfer glaubt, dass in dem Bericht auch «Solar Radiation Management» diskutiert wird, die zweite Geoengineering-Kategorie, welche Sonneneinstrahlung reduzieren soll. Das läuft zum Beispiel über das Ausstreuen kleiner Partikelchen, so genannter Aerosole, in grosser Höhe. Die Aerosole stoppen einen Teil der Sonneneinstrahlung und sorgen so für künstliche Abkühlung.

Gefährliche Manipulation der Atmosphäre

Theoretisch. Kritiker warnen jedoch, solche Manipulationen am Klimasystem hätten unabsehbare Folgen. Auch Andreas Oschlies vom Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist skeptisch. Er weist darauf hin, dass die Aerosole nur eine kurze Lebenszeit von sehr wenigen Jahren haben, während Treibhausgase Jahrhunderte bis Jahrtausende in der Atmosphäre bleiben. «Der künstliche Sonnenschutzschild lässt sich nur durch ständiges Nachliefern der kurzlebigen Aerosole aufrechterhalten. Ohne diesen Schutzschild würde es Hunderte Jahre dauern, bis es spürbar abkühlt. Für die Aufrechterhaltung des solaren Geoengineerings über einen so langen Zeitraum gibt es aber keine Garantie.» Stoppt die Zugabe von Aerosolen aus irgendeinem Grund, würden die Durchschnittstemperaturen schnell ansteigen. Das wäre für viele Ökosysteme noch schlimmer als die aktuelle Erwärmung.

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