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KLOSTER EINSIEDELN: Die Legende von Mönch Meinrad

Der Mönch Meinrad lebte allein im «Finsteren Wald». Heute steht an diesem Ort das berühmte Kloster Einsiedeln.
Bettina Kugler
Meinrads Mörder werden sich noch wundern: Sie werden die beiden Raben nicht los. Die fliegen ihnen bis nach Zürich hinterher! (Bild: Getty)

Meinrads Mörder werden sich noch wundern: Sie werden die beiden Raben nicht los. Die fliegen ihnen bis nach Zürich hinterher! (Bild: Getty)

Bettina Kugler

Im Märchen flattern gleich sieben auf einen Streich auf. Der Leserabe hilft Erstgixen, einfache Geschichten zu entziffern, Buchstabe für Buchstabe. Der kleine Rabe Socke ist ein bisschen frech, hat aber das Herz am rechten Fleck, und seine harmlosen Streiche gehen immer gut aus. Und dann gibt es noch den Raben Abraxas, den treuen Freund und Ratgeber der Kleinen Hexe aus dem Buch von Otfried Preussler: Der ahnt immer schon, wenn eine Sache Ärger geben könnte. Dann mahnt er krächzend. Falls seine 127-jährige kleine Freundin trotzdem ihren Dickkopf durchsetzt und nach Lust und Laune herumhext, hält er ihr eine saftige Strafpredigt. Ja, Raben sind sagenhaft schlaue Tiere, das haben auch Vogelforscher herausgefunden. Raben beobachten genau und können sich gut merken, wo Futter versteckt ist. Sie können sich auch in andere Tiere hineinversetzen oder Handlungen planen. Wissenschafter haben zum Beispiel festgestellt, dass Raben oft an Strassen mit Lichtsignalen hocken und bei Rot Nüsse aufsammeln, die von fahrenden Autos «geknackt» worden sind.

Im Kloster war für Meinrad zu viel Trubel

Du fragst Dich jetzt sicher, was das alles mit dem heiligen Meinrad zu tun hat. Wo es doch im Jahr 861 noch keine Autos gab. Aber schlaue Raben, die gab es sehr wohl! Sie galten schon im Altertum als Symboltiere der Götter, spielten in Märchen und Sagen eine besondere Rolle. Zwei dieser klugen Vögel zähmte Meinrad. Sie waren seine Gesellschaft im «Finsteren Wald», wo er in einer Einsiedelei lebte. Er wollte dort ungestört sein und beten. Man sollte ja denken, es sei damals noch nicht so laut und hektisch zu- und hergegangen wie heute. Trotzdem wurde es Meinrad zu viel.

Wer dieser Meinrad war? Ein Mann aus Schwaben. Im Alter von nur fünf Jahren, also im zweiten Kindergarten (den es zu seiner Zeit natürlich auch nicht gab), war er als Schüler in das Kloster auf der Insel Reichenau im Bodensee gekommen. Niemand fand zu seiner Zeit, das sei viel zu früh, um die Familie zu verlassen, von fremden Leuten betreut und belehrt zu werden. Sein Onkel Erlebald hatte die Idee, dass Meinrad Benediktinermönch werden sollte. Onkel Erlebald selbst war Abt. So nennt man den Obersten eines Klosters. Für Meinrad war es genau das Richtige. Abgesehen davon, dass er lieber allein gelebt hätte, als Einsiedler eben. Selbst im Kloster war ihm zu viel los. Heute spricht man ja manchmal von «klösterlicher Stille» – im Gegensatz zum Alltagslärm. Erwachsene, die gestresst sind und zu viel arbeiten, werden ins Kloster geschickt, um einmal abschalten zu können, Zeit ohne Handy, Com­puter und Fernseher zu verbringen. Und meistens tun sie sich ziemlich schwer damit! Davon konnte Meinrad noch nichts ahnen.

Er zog also von der Reichenau auf den Etzelberg, einen Hügel über dem Zürichsee. Dort hatte er eine kleine Kapelle, einen schönen Blick auf den See und Ruhe zum Lesen. Aber schon damals verbreiteten sich besondere Neuigkeiten schnell. So kamen immer mehr Leute auf den Etzelberg: Leute, die den frommen Meinrad besuchen wollten. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als noch tiefer in den Wald zu wandern. Jetzt kommen die Raben ins Spiel!

Eine Räubergeschichte aus dem Mittelalter

Die Legende erzählt, dass Meinrad im «Finsteren Wald» zwei junge Raben rettete. Fast hätte ein Sperber sie aus dem Nest geholt. Im Märchen ist es ja auch oft so, dass eine gute Tat später belohnt wird. Meinrad nahm die Raben mit sich an seinen Rückzugsort: Dort wurde später das Kloster Einsiedeln gebaut. Eines Tages klopften zwei Räuber an seine Tür. Es wird ihm nicht recht gewesen sein – aber ohne Essen und Trinken konnte er sie eben auch nicht wegschicken. Die beiden überfielen ihn, wollten ihn bestehlen und gingen mit Keulen so hart zur Sache, dass der fromme Mönch tot umfiel. Als sie jedoch fliehen wollten, verfolgten die Raben sie – bis nach Zürich. «Sie liessen nicht von den Räubern ab, bis man diese gefangen und bestraft hatte.» So steht es im Kinderheft zur Ausstellung «Kloster Einsiedeln. Pilgern seit 1000 Jahren», die derzeit im Landesmuseum Zürich zu sehen ist. Mit Meinrad und den Raben fing nämlich die Geschichte des Klosters an. In der Ausstellung gibt es viel zu entdecken, auch für Kinder. Zum Beispiel ein Digitales Buch, das diese Geschichte in Bildern erzählt. Hören kannst Du sie heute auch vor Ort: bei einer Führung für Kinder und Familien. Sie beginnt um 15.15 Uhr und dauert eine Stunde.

Treuer Rabe.

Treuer Rabe.

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