KNONAU: Hier steckt Waldrapp Shorty

Der junge Waldrapp galt als verschollen. Jetzt ist er wieder aufgetaucht. Nahe der Grenze zur Zentralschweiz.

Andrée Stössel
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Bis jetzt flieht der schüchterne Shorty nicht vor seinen Fans: Ursula Ruf konnte ihn sogar fotografieren. (Bild: Leserbild Ursula Ruf)

Bis jetzt flieht der schüchterne Shorty nicht vor seinen Fans: Ursula Ruf konnte ihn sogar fotografieren. (Bild: Leserbild Ursula Ruf)

An seinem Winterziel kam Shorty nie an. Der junge Vogel, der zu einem Wiederansiedlungsprogramm für die seltenen Waldrappen gehört, hatte zwischen Bayern und der Toskana den Anschluss an seine Artgenossen verloren. Nach einer Zwischenlandung im Wallis blieb Shorty verschollen, weil der Akku seines GPS-Senders leer war (wir berichteten). Dabei war der junge Waldrapp die ganze Zeit über bei uns in der Nähe. Ursula Ruf hat den schweizweit gesuchten Vogel bei einem Spaziergang auf einer Wiese im Knonaueramt entdeckt. «Er ist etwa seit zwei Wochen in unserer Gegend», sagt die Fotografin. «Wir kommen übrigens grad vom Gucken.»

«Es handelt sich um Shorty»

Dass es sich bei dem Tier, das Ursula Ruf bereits mehrmals vor die Fotolinse bekommen hat, tatsächlich um den vermissten Shorty handelt, bestätigt Johannes Fritz, Leiter des Waldrapp-Teams in Österreich, welches den Zug der äusserst seltenen Vögel begleitet. «Es handelt sich sicherlich um Shorty», sagt Johannes Fritz. Dass er sich ausgerechnet in der Nähe von Mettmenstetten niedergelassen hat, liegt laut dem Projektleiter daran, dass es auf der Flugroute der Waldrappen liegt. Und auf der Wiese findet Shorty anscheinend noch ausreichend Larven, Würmer und Käfer. Doch wenn es wieder kälter wird und die Erde gefriert, könnte es für Shorty eng werden. Waldrappen stochern mit ihrem Schnabel im Boden, um an Nahrung zu kommen. Gefriert dieser, kommt der Vogel nicht länger ans Futter. «Shorty sollte schon lange im Süden sein», sagt Fritz. «Er würde einen Kälteeinbruch wohl kaum überleben.» Deshalb versucht das Waldrappteam den verwirrten Vogel mit Hilfe des Tierparks Goldau und der Vogelwarte Sempach einzufangen. «Das gelingt uns eher, wenn Shorty selber keine Nahrung mehr findet. Dann können wir ihn mit Fressen anlocken», sagt Johannes Fritz.

Der Forscher ist erleichtert, dass Shorty wieder aufgetaucht ist. Weil die Waldrapp-Populationen so klein sind, ist das Überleben jedes einzelnen Tieres wichtig. Auf den Suchaufruf hätten sich sehr viele Leute gemeldet, freut sich Johannes Fritz. «Es gibt immer mehr Fans, sie schicken uns viele Bilder.»

Bekennender Fan ist auch Ursula Ruf. «Wir besuchen das Tier jeden Tag, denn Shorty sitzt jeden Mittag auf der Wiese», sagt sie. «Anscheinend gefällt es ihm hier.»