KOCHEN: Lieber Laptop, was koche ich heute?

Coop und Migros haben fast gleichzeitig neue Onlineplattformen lanciert. Sie kommen auffallend ähnlich daher – mitsamt der Erkenntnis, dass das Ausschneiden von Rezepten noch längst nicht passé ist.

Beda Hanimann
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Laptop oder Smartphone werden zu wichtigen Küchenhelfern. (Bild: Ralph Ribi)

Laptop oder Smartphone werden zu wichtigen Küchenhelfern. (Bild: Ralph Ribi)

Die Frage hat kein Verfalldatum. Generationen von Hausfrauen haben sie sich täglich gestellt, und auch die beiden Grossverteiler, die gerade wie zufällig gleichzeitig neue Koch-Onlineplattformen lanciert haben, kommen nicht um sie herum. «Was koche ich heute?», heisst es im Migros-Portal www.migusto.ch als Erstes, Coop fragt auf www.fooby.ch : «Was möchtest du kochen?»

Die zentrale Küchenfrage ist also bei beiden der Angelpunkt. Bei Migusto wählt man zwischen Mittagessen, Abendessen und Dessert und hat dann jeweils fünf Kriterien wie «Aus dem Ofen» oder «Das herzhaft ist». Unter «Stöbern und Entdecken» gibt es zehn Kategorien von «Einfach & schnell» bis «Vegan». Bei Fooby heisst der Schnellzugriff «Rezepte, Zutaten, Trends», das Rezeptmenu ist eher zufällig gegliedert in zehn Kapitel wie Apéro, Familie, italienische Rezepte oder Rezepte mit Avocado.

Kochtipps mit Hintergedanken

Die Rezeptdatenbank ist das Herzstück, das natürlich mediengerecht verlinkt ist. Ein Klick bei Migusto, und die Mengenangaben werden für 4, 8 oder 12 Personen angegeben. Ein Klick bei Fooby, und in einem separaten Fenster erscheint der bebilderte Einkaufszettel. Kurzvideos zeigen bei beiden, wie ein Granat­apfel entkernt wird oder wie man Schwarzwurzeln schält. Basiswissen gibt es hier im Menu «Kochschule», dort unter «Schulküche». Hintergrundgeschichten heissen einmal «Storys», einmal «Topfgeschichten». Als habe der gleiche Webmaster seine Hand im Spiel.

Plausibler ist die Erklärung für diese Duplizität: Anleitungen zum Kochen können auch heute nicht neu erfunden werden. Das alles gibt es auch in herkömmlichen Kochheftchen. Nur ist es hier vernetzt – mit Vorbehalten. Da rät Fooby unter «Italienische Rezepte» zu einem Zabaione mit Aprikosen, das Foodlexikon meldet gleichzeitig: «Keine Ergebnisse für den Suchbegriff Zabaione gefunden.»

«Fooby nimmt den Menschen nicht das Kochen ab, sondern macht es bequemer und lustvoller», heisst es bei Coop. Die Migros will mit Migusto das Kochen so vermitteln, «wie es bei jedem zu Hause stattfindet: spontan und unkompliziert».

Der Hobbykoch ist auch Konsument

Menschenfreundliche Bekenntnisse, hinter denen aber natürlich noch mehr steht. Denn der Hobbykoch ist auch ein Konsument, und mit dem Online- und Communitygedanken wird sein Kochverhalten erfass- und steuerbar. Wenn Coop zu jedem Rezept mit Weisswein auf den gleichen Weissen aus der Toscana verweist, ahnt man: Hier wird Marketing und Sortimentsbewirtschaftung betrieben. Was aber weder unlauter noch neu ist. Auch die Verkäuferin auf dem Markt rückt Erdbeeren oder Ananas in den Vordergrund, wenn sie realisiert, zu grosszügig eingekauft zu haben.

Auffallend ist ausserdem: Fooby und Migusto sind Kinder des Onlinezeitalters, Fooby gibt es auch als App – und doch erscheint zu beiden mehrmals jährlich eine Printausgabe.

Beda Hanimann

Hinweis
www.fooby.ch ; www.migusto.ch