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«Kommunikation ist Basis für gegenseitigen Respekt»

Nachgefragt

Was ist Flirt, was sexueller Übergriff? Sind wir prüde geworden? Macht uns das Anprangern in den sozialen Netzwerken zu Denunzianten? Die aktuelle Sexismus-Debatte wirft viele Fragen auf. Maria Lichtsteiner, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Campus Luzern, hat Antworten.

Maria Lichtsteiner, wo endet der Flirt und wo beginnt der sexuelle Übergriff?

Unter sexueller Belästigung wird jedes Verhalten mit sexuellem Bezug verstanden, das von Betroffenen nicht erwünscht ist. Entscheidend ist nicht das Verhalten der belästigenden Person, sondern entscheidend ist, wie das Verhalten bei der betroffenen Person ankommt.

Einer muss aber ja den Anfang machen bei einer körperlichen Annäherung? Das Risiko einer Abfuhr sollte man doch eingehen dürfen?

Im Fokus sollte die respektvolle Begegnung sein und das Gespür für die Grenzen des anderen – seine subtilen nonverbalen Signale.

Der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Flirten ist normal. Oder nicht?

Flirten ist Kommunikation, kreative und lebendige Begegnung zwischen zwei aneinander interessierten Personen. Was für die einen normal und erwünscht ist, kann für andere bereits sexuell belästigend wirken. Doch gleich, wo diese Grenzen gesetzt sind, es gilt sie zu respektieren. Ein Nein ist heutzutage ein Nein. Und: Auch ein Nichtreagieren oder Schweigen ist ein Nein.

In Filmen oder Serien propagiert Hollywood forsches erotisches Auftreten, im realen Leben zeigt es sich prüde. Eine Doppelmoral?

Film und Werbung sind Parallelwelten. Ich denke nicht, dass wir im realen Leben prüder werden. Trotzdem sind viele verunsichert, weil einerseits alte Konventionen nicht mehr greifen, andererseits alles erlaubt zu sein scheint. Damit kompetent und kommunikativ stark umzugehen ist die grosse Herausforderung. Die Fundamente erfüllender Liebe und Erotik sind neu zu definieren. Offene Kommunikation ist auch in der Sexualität Basis für gegenseitigen Respekt.

Stichwort Denunziation. Wie anständig ist es, in den sozialen Netzwerken Leute öffentlich anzuklagen?

Das ist eine sehr ambivalente ­Angelegenheit. Einerseits haben diese Enthüllungen etwas Mittelalterliches an sich, das An-den-Pranger-Stellen. Andererseits haben Opfer heute dank Internet eine Stimme, um Machtmissbrauch öffentlich zu machen. Problematisch sind Enthüllungen im Netz mehrfach: Rechtfertigt eine unbedachte sexistische Äusserung den öffentlichen Pranger? Wo liegt die Grenze zum Mobbing? Wie schnell werden Opfer im Netz zu Tätern? Zudem besteht die Gefahr, dass Aktionen wie #me too das alte Machtgefälle zwischen Mann und Frau paradoxerweise wieder zementieren. Angesagt wäre aber eine Beziehung auf Augenhöhe, achtsame und gleichberechtigte Kommunikation und das Durchsetzen gesellschaftlicher Regeln. (sh)

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