Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KOPENHAGEN: Hacker legen Mietvelos lahm

In der dänischen Hauptstadt hat ein Hackerangriff Tausende Mietvelos ausser Betrieb gesetzt. Ein Teil der Designer-Zweiräder lässt sich nicht mehr orten.
Niels Anner, Kopenhagen
Die weissen Bycykler sind die die «Stadtvelos» Kopenhagens. (Bild:Bycyklen.dk)

Die weissen Bycykler sind die die «Stadtvelos» Kopenhagens. (Bild:Bycyklen.dk)

Niels Anner, Kopenhagen

Sie sind die Rolls-Royce unter den Mietvelos: Die 1900 weissen Bycykler, die «Stadtvelos» Kopenhagens. Die robust gefertigten Zweiräder überzeugen durch elegantes Design mit geschwungenem Lenker und Rahmen plus Elektromotor. Die für 5 Franken pro Stunde überall in der Stadt zu mietenden Velos werden von vielen Pendlern benützt, sind aber auch bei Touristen beliebt.

Dazu trägt auch ein Merkmal bei, das sie von den meisten Mietvelos in anderen Städte unterscheidet: Die Bycykler verfügen über einen Touchscreen am Lenker, über den alle möglichen Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder Routenwahl abgerufen werden können; zum Beispiel lässt sich auch die nächstgelegene Station finden, wo das rollende Designerstück abgeliefert werden kann. Dank dem gut ausgebauten Angebot ist es der Velostadt Kopenhagen bisher auch gelungen, billige asiatische Leihveloanbieter wie O-Bike fernzuhalten. Diese überschwemmten letztes Jahr ungefragt Städte in der Schweiz und Europa mit Tausenden ihrer Billigvelos, was nicht selten im Chaos endete.

Doch gerade die ausgefeilte Technik der Bycykler in Kopenhagen machte den Betreibern jetzt einen bösen Strich durch die Rechnung. Ein Hackerangriff legte nämlich die stolze Flotte kurzerhand lahm – und während Tagen waren Hunderte von Velos unauffindbar, weil ihr GPS-System nicht mehr funktionierte. An sich sei der Angriff «recht primitiv» gewesen, teilte die Betreiberfirma mit. Aber er war wirkungsvoll. Der unbekannten Täterschaft gelang der Zugriff auf die Server der Firma, wo sämtliche Datenbanken gelöscht wurden. Kunden- und Kreditkartendaten seien nicht gestohlen worden, diese seien separat abgelegt, doch das ganze Betriebssystem brach zusammen – die Velos liessen sich nicht mehr bewegen.

Betreiber ruft Passanten zur Hilfe auf

Nach einiger Zeit gelang es den Betreibern, ihre Server wieder in Betrieb zu nehmen und ein ­Back-up zu installieren. Doch das nächste Problem wartete bereits: Nun musste jedes einzelne Mietvelo manuell mit einem Update versorgt werden. Da die Zwei­räder vom System abgehängt ­waren, konnten sie aber nicht mehr geortet werden.

Die verzweifelten Betreiber riefen deshalb zu einer «Schatzsuche» auf: Passanten sollten Bilder und Nummern der Velos schicken, wenn sie welche in der Stadt entdeckten. «Wenn ihr ein Bycykel seht, abgeschlossen oder nicht, wären wir superfroh um einen Tipp», schrieb die Firma in jovialem Ton. Taucht ein Velo wieder auf, rücken Mitarbeiter aus, um das Update einzulesen. Nach ein paar Tagen war dies erst bei 200 von 1900 Velos der Fall; mittlerweile sind einige mehr ­der auffälligen Velos aufgetaucht. Wie viele noch unbenutzbar irgendwo herumstehen, will die Firma nicht verraten. In einer neuen Mitteilung schrieb sie, dass die «Schatzsuche und Detek­tivarbeit» weitergehe.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.