KOPENHAGEN: U-Boot-Bauer vor Gericht

Die Schlinge um den dänischen Tüftler Peter Madsen zieht sich zu. Laut Gericht besteht der begründete Verdacht, dass er eine Journalistin brutal ermordet hat.

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Ermittler untersuchen das geborgene U-Boot des dänischen Tüftlers Peter Madsen. (Bild: Jens Noergaard Larsen/EPA (Kopenhagen, 13. August 2017))

Ermittler untersuchen das geborgene U-Boot des dänischen Tüftlers Peter Madsen. (Bild: Jens Noergaard Larsen/EPA (Kopenhagen, 13. August 2017))

Zum ersten Mal im mysteriösen U-Boot-Fall von Kopenhagen hat gestern eine öffentliche Gerichtsverhandlung stattgefunden. Dabei beschloss das Bezirksgericht, die Untersuchungshaft gegen den angeschuldigten U-Boot-Kapitän Peter Madsen zu verlängern. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, die schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines U-Boots getötet, ihre Leiche zerstückelt und ins Meer geworfen zu haben. Madsen bekräftigte gestern seine Version, es sei am 10. August zu einem Unfall gekommen. Demnach sei er beim Aufhalten einer 70 Kilo schweren Luke ausgerutscht, woraufhin die Luke Wall mit voller Wucht am Kopf getroffen und getötet habe.

Im Schock habe er das U-Boot versenken wollen, sagte Madsen – doch habe er sich entschieden, den Leichnam im Meer zu bestatten. In seiner Panik habe er dies für die bessere Lösung gehalten, als den Seerettungsdienst zu alarmieren. Er streitet weiter ab, die Leiche zerstückelt zu haben. Wieso der nackte Torso der Schwedin zwölf Tage später ohne Arme, Beine und Kopf ans Ufer gespült wurde, konnte er nicht erklären. Laut Anklage wurden die Gliedmassen, die bis heute nicht gefunden wurden, gezielt abgetrennt.

Die Staatsanwalt stellte Madsen verschiedene Fragen zu seinem Sexualleben. Der Angeklagte sagte, dass er schon an Sex-Partys teilgenommen, sich aber nie für Gewalt interessiert habe. Auch habe er schon im U-Boot Sex mit Frauen gehabt, doch bei ihm und Wall sei «nichts Sexuelles» im Spiel gewesen.

Bereits als Teenager Raketen gebastelt

Der Staatsanwalt präsentierte an der Gerichtsverhandlung verschiedene Aussagen von Bekannten von Madsen. Diese schilderten, dass der Tüftler dem Konsum von bizarren Pornos nicht abgeneigt war. Auch in seinem Privatleben, so das Bild, das die Anklage zeichnete, war er jemand, der Grenzen austestete. Der Däne hatte bereits als Teenager grössere Raketen gebastelt. «Selbstverständlich», sagte er 2014, wolle er als Privatmann ins All fliegen. Madsen gab vor Gericht zu, dass er temperamentvoll sei.

Fragen hatte auch Madsens Reaktion nach dem Tod Walls aufgeworfen. Er habe nicht Spuren verwischen wollen, als er sein U-Boot versenkte, erklärte er gestern. «Ich glaubte einfach nicht, dass nach dem Vorgefallenen je noch jemand damit fahren wollte.» Obwohl Beweise fehlen, folgte der Richter gestern dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Widersprüchliche Aussagen, die zerstückelte Leiche und die durch ihn verursachte Erschwerung der Ermittlungen sprächen gegen Madsen, so der Richter.

 

Niels Anner, Kopenhagen