Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KOPENHAGEN: Vom Velo-Erfolg überrollt

In der Innenstadt gibt es mehr Velos als Autos. Die Folge sind Staus auf den Velowegen. Nun sollen Millionen investiert werden, um die Probleme zu lösen.
Niels Anner, Kopenhagen
Kopenhagen gilt als beste Velostadt der Welt. Doch der Erfolg wird zunehmend zum Problem. (Bild: Frédéric Soltan/Corbis (9. November 2016))

Kopenhagen gilt als beste Velostadt der Welt. Doch der Erfolg wird zunehmend zum Problem. (Bild: Frédéric Soltan/Corbis (9. November 2016))

Niels Anner, Kopenhagen

3500 Velos entfernt die Polizei in der dänischen Hauptstadt pro Jahr. Velos, die an öffentlichen Orten vor sich hinrosten. Trotzdem versperren Tausende «wild» abgestellte Zweiräder Trottoirs; die Abstellplätze sind hoffnungslos überfüllt. Lokale Medien sprechen von «Velo-Chaos» als Zeichen dafür, dass Kopenhagen mit dem eigenen Erfolg kaum noch zurechtkommt.

Um die Parksituation zu verbessern, wird nun ein in Japan entwickeltes, vollautomatisches Parkhaus gebaut: Das Velo wird dort abgegeben und von einem Lift- und Robotersystem an einen freien Standplatz verfrachtet. Geplant ist ein Versuch mit einer umgerechnet knapp 2 Millionen Franken teuren Anlage. Platz finden darin 120 Velos. Kopenhagen investiert seit Jahren Millionen in eine Velo-Infrastruktur höchster Güte. Unter anderem wurden 16 Velobrücken entweder gebaut oder projektiert; es sind zeitsparende Verbindungen in die City. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Stadt in einem umfangreichen Ranking 2017 zum wiederholten Mal zur besten Velo­stadt der Welt gekürt wurde, vor Utrecht und Amsterdam. Die generelle Zufriedenheit der Velofahrer liegt bei 97 Prozent. Doch die Autoren des Rankings warnen auch: Der anschwellende Veloverkehr führt zu Kapazitätsproblemen, die die Führungsrolle der Stadt in Frage stellen. Denn Geschwindigkeit ist für eine deutliche Mehrheit der Hauptgrund, aufs Velo zu steigen.

Hunderte Meter lange Staus vor den Ampeln

Das Problem ist zu Pendlerzeiten augenscheinlich: Morgens und abends wird der Velostreifen zur vierspurigen nicht Auto-, sondern Velobahn. Bei Rotlicht stauen sich die Zweiräder an neuralgischen Punkten auf Hunderten von Metern, eine Grünphase ist zu kurz, um den Pulk durchzuschleusen. Und wenn eine Baustelle oder ein Auto auf der Kreuzung den Fluss blockiert, ist Chaos vorprogrammiert.

2016 wurden in Kopenhagen auf den Strassen ins und aus dem Stadtzentrum erstmals mehr Velos als Autos gezählt. Auf dem Weg zu Arbeit oder Ausbildung nehmen laut Erhebungen von diesem Jahr innerhalb der Stadt 62 Prozent der Pendler das Velo, nur 9 Prozent das Auto. Wird die Agglomeration berücksichtigt, liegt der Auto-Anteil bei 24 Prozent, derjenige des öffentlichen Verkehrs bei 30 Prozent und der Velo-Anteil bei 41 Prozent. Damit fehlt noch ein Stück bis zum für 2025 gesetzten Ziel: Dann sollen 50 Prozent der Pendlerwege auf dem Velo zurückgelegt werden.

Doch es stellt sich unweigerlich die Platzfrage, zumal die ­Bevölkerung der Hauptstadt wächst. Der zuständige Stadtrat Morten Kabell anerkennt zwar die Proteste von bürgerlichen Politikern und frustrierten Autofahrern; er will die «Stadt den Autos nicht verschliessen». Aber Kopenhagen wolle der Mehrheit der Bevölkerung Vorfahrt geben und mehr Platz einräumen, sagt Kabell, also den Velos und dem öffentlichen Verkehr.

Leitsystem speziell für Velos

Messungen zeigen, dass auf einem Veloweg pro Stunde 2,5 Mal so viele Personen transportiert werden können wie auf einer Autospur. Auf der Königin-Louise-Brücke, wo die Anzahl Spuren reduziert und Velostreifen sowie Trottoirs verbreitert wurden, wuchs die Anzahl Personen seit 2008 um einen Fünftel. Bis zu 48 000 Velos kreuzen die Brücke jeden Tag. Doch auf die Schnelle versucht man es nun mit einer Verteilung des Veloverkehrs. Die Stadt testet neben der Optimierung von Ampeln momentan das – vermutlich weltweit erste – Velo-­Leitsystem mit elektronischen Anzeigetafeln. Diese informieren an fünf Hauptstrassen über Alternativrouten oder zeigen Fahrzeiten zu verschiedenen Zielen an. Der Nutzen der Tafeln ist indes umstritten; viele sehen sie vor allem als symbolische Handlung der linken Stadtregierung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.