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KOPF DES TAGES: PRINZ HARRY: Günstig abzugeben: Die britische Krone

Prinz Harry gibt sich lustlos: König werden, wer will das schon? Royals, die streiken: Bahnt sich da in Grossbritannien eine Verfassungskrise an?
Prinz Harry kennt niemanden, der sich um die Königskrone reissen würde. (Bild: David Moir/Getty)

Prinz Harry kennt niemanden, der sich um die Königskrone reissen würde. (Bild: David Moir/Getty)

Eine Königskrone. Es soll Zeiten gegeben haben, da brachten sich unentwegt Leute um, nur damit sie so ein Ding auch mal tragen konnten. Gewiss, es wirkt ein bisschen altmodisch, aber Interessenten können es nachlesen, bei William Shakespeare zum Beispiel.

Übrigens ist die britische Krone zugegebenermassen schwer und wenig kleidsam. Königin Elizabeth II. machte einen recht zufriedenen Eindruck, als sie zur abgespeckten Thronrede am Mittwoch stattdessen mit einem gewöhnlichen Hut erscheinen durfte. Überhaupt gebe es in der Familie niemanden, der das Utensil tragen will – behauptet jedenfalls Prinz Harry, Elizabeths Enkel und derzeit Fünfter der Thronfolge. Der 32-Jährige hat sich über Monate hinweg von einer Journalistin des US-Magazins «Newsweek» begleiten lassen, eine Titelgeschichte ist der Lohn.

Die Äusserungen des einstigen Party-Prinzen haben in letzter Zeit zugenommen. Das hängt mit einem herannahenden Jahrestag zusammen: Der Knabe war knapp 13, als 1997 seine Mutter Diana, damals 36, starb. Den Schicksalsschlag habe er lange verdrängt, vertraute Seine Königliche Hoheit schon dem «Daily Telegraph» an, erst intensive Gespräche mit Psychologen hätten ihn gerettet. «Ich war nahe am totalen Zusammenbruch.» Mit seiner neuen Offenheit will der Ex-Soldat Menschen, die an Traumata leiden, zu Offenheit ermutigen: «Noch nie hat jemand psychische Störungen überwunden, ohne darüber zu reden.»

Daran gibt es nichts zu deuteln. Auch die Tatsache, dass in Therapien unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen, birgt keine Überraschung. Harry etwa erinnert sich mit Schrecken an den Tag, als seine Mutter öffentlich zu Grabe getragen wurde. «Ich musste einen langen Weg hinter ihrem Sarg herlaufen, während mir Millionen dabei zusahen.» Ein vermeidbares Trauma, findet der Erwachsene: «Kein Kind sollte jemals so etwas tun müssen.»

Das stellt massive Kritik an seinem Vater dar, Thronfolger Charles, von dem schon Diana sagte, der wolle ohnehin gar nicht König werden. Indirekt echot Harry die tote Mutter mit der Frage, ob es denn in der Königsfamilie Leute gebe, die König oder Königin werden wollen? «Ich glaube nicht. Aber wir erfüllen unsere Pflicht, wenn die Zeit kommt.» Dass der neuerdings stets melodramatisch klingende Prinz nicht König werden will, na gut, das wird das Land aushalten. Ob das auch für Charles, 68, und für Harrys Bruder William, 35, gilt? Dann hätte Grossbritannien zum Brexit auch noch ein Verfassungsproblem.

Sebastian Borger, London

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