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KRIMINALITÄT: Eitelkeit wird Yakuza zum Verhängnis

Japans Mafia-Clans sind auf dem Rückzug – aber viele Gangster werden einfach nur alt oder tauchen in zivile Bereiche unter. Wegen ihrer grossflächigen Tattoos lässt sich ihre Vergangenheit aber schwer verstecken.
Angela Köhler, Tokio
Seine Tattoos haben ihn verraten: Yakuza-Boss Shigeharu Shirai. (Bild: EPA)

Seine Tattoos haben ihn verraten: Yakuza-Boss Shigeharu Shirai. (Bild: EPA)

Angela Köhler, Tokio

Wo die Eitelkeit beginnt, endet der Verstand, sagt ein geflügeltes Wort. Vermutlich war diese Weisheit dem Japaner Shigeharu Shirai fremd. Der gesuchte Yakuza-Boss hatte sich 2005 nach Thailand abgesetzt, nachdem er den Anführer einer rivalisierenden Gang erschossen hatte. Sieben andere Mitglieder seiner Bande mussten für 12 bis 17 Jahre in den Knast. Der heute 74-Jährige führte jedoch im Exil ein zurückgezogenes Leben. Es fiel nicht einmal grossartig auf, dass mehrfach im Jahr Geldboten aus der alten Heimat kamen, die den Ober-Mafioso ­finanziell flüssig hielten.

Dadurch offenbar leichtsinnig geworden, spielte Shirai im August 2017 mit offenem Hemd Mahjong, als ein fremder Tattoo-Fan vorbeischaute. Beeindruckt von der farbenreichen und grossflächigen Tätowierung des Alten bat er ihn um ein Foto. Der geschmeichelte Yakuza liess sich von allen Seiten ablichten. Womit der mächtige Mafia-Boss offenbar nicht gerechnet hatte, ist die Macht der sozialen Medien.

Der junge Fan stellte das Foto über Facebook ins Netz. Der Post wurde tausendfach geteilt, am Ende auch von einer Sondereinheit der japanischen Polizei. Vergangene Woche schlugen ihre thailändischen Kollegen zu. Den Rest seines Lebens verbringt Altgangster Shirai nun hinter Gittern. Dieser Fahndungserfolg versetzt dem organisierten Verbrechen in Japan einen weiteren empfindlichen Schlag. Ohnehin ist die «ehrenwerte Gesellschaft» der Yakuza auf dem Rückzug. Ganze Banden lösen sich auf, notorische Gangster tauchen in legale Geschäftsbereiche ab oder werden einfach zu alt für den Kampf untereinander und gegen die Polizei.

Polizei liess Yakuza lange gewähren

Das grösste kriminelle Syndikat, die in der Hafenstadt Kobe ansässige Yamaguchi-gumi, hat sich 2015 in zwei verschiedene Organisationen aufgesplittert. Seither tobt zwischen beiden Gangs ein «totaler Krieg», wie die Polizei erklärt. Die teilweise brutalen Auseinandersetzungen haben allein im vergangenen Jahr zu über 60 Vorfällen geführt. Auf dem Höhepunkt ihres Daseins zählten die Banden mehr als 180000 Mitglieder. Politik, Polizei und die Gangster hatten sich lange arrangiert. Die Bosse aller Gangs sind namentlich bekannt. Aber man liess sie mit einer Mischung aus Anerkennung und Verachtung gewähren, obwohl die meisten ihrer Aktivitäten kriminell sind. Man könne sie besser observieren, wenn man sie nicht in den Untergrund dränge, lautet das Argument für diese nachsichtige Akzeptanz der Behörden.

Seit 2011 greifen die Behörden im ganzen Land aber stärker durch. Anlass war die Jahrhundert-Katastrophe im Norden Japans. Dort sollen Yakuza grossangelegte Betrügereien um Hilfsgelder und Ausgleichszahlungen für die Betroffenen begangen haben. Zu den Geschäften gehören auch staatliche Aufträge für Dekontaminierungsarbeiten sowie der Abriss oder Umbau von verlassenen Häusern. Der schmutzige Deal fiel auf, als 2012 ein hochrangiges Mitglied der Sumiyoshi-kai, eines der grössten Syndikate, verhaftet wurde. Die öffentliche Empörung schlug hohe Wellen.

Die Polizei nimmt für sich in Anspruch, mit ihrer verschärften Gangart den Einfluss und vor allem die Zahl der Gangster massgeblich verringert zu haben. Stolz verkündete sie im März, dass es 2016 nur noch knapp 40000 aufgelistete Yakuza gab, was ein rasanter Rückgang ist. Im Vergleich zum Jahr zuvor seien die Bandenmitglieder um ein Sechstel geschrumpft. Generell ist das der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik 1958.

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