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KRIPPEN: Ihr Kinderlein, kommet

Überall auf der Welt stellen Menschen zum Weihnachtsfest Figuren auf, die vor Augen führen, was sich im Stall von Bethlehem vor 2000 Jahren ereignet hat. Wir haben uns eine näher angeschaut.
Bettina Kugler
Der hochheilige Spielplatz eines Krippenbauers: Hier siehst Du nur einen kleinen Teil der über zweihundert Figuren. Es sind «Santons de Provence». (Bild: Urs Bucher)

Der hochheilige Spielplatz eines Krippenbauers: Hier siehst Du nur einen kleinen Teil der über zweihundert Figuren. Es sind «Santons de Provence». (Bild: Urs Bucher)

Bettina Kugler

Im kahlen Strauch vor dem Haus hängt eine Hinweistafel, «Krippe» steht darauf und ein Pfeil zeigt, in welche Richtung wir uns bewegen sollen. Wer nicht sowieso weiss von dem stillen bunten Treiben hinter dem Fenster, zu dem das Schild führt, dessen Neugier ist im Vorbeigehen geweckt. Da müssen wir hin! – So dachten ja vor mehr als zweitausend Jahren auch die Hirten auf dem Feld, als ihnen die Engel erschienen und von der Krippe im Stall zu Bethlehem sangen und erzählten. Wir spazieren aber durchs verschneite Quartier und besuchen Ivo Ledergerber.

Jahr für Jahr holt er aus Schränken, vom Estrich und aus dem Keller die Schachteln mit den mehr als zweihundert Figuren, mit den Landschaftskulissen aus Kork und Baumrinde. Er baut Spiegel ein, bringt Licht an, geht Moos und Tannengrün sammeln und bevölkert die Gegend um den Stall von Bethlehem mit Bauern, Handwerkern und feinen Damen. Mit Hirten und Zigeunern, mit Ochs und Esel, Hühnern, Schafen, Schweinen, Küken. Ein wunderbarer, hochheiliger Spielplatz für einen langen Tag im Advent. Man kann sich nicht daran sattsehen und entdeckt jedes Mal etwas Neues. Die Krippe mit dem Jesuskind, Maria und Josef, die musst Du erst einmal finden in diesem lebensfrohen Gewimmel.

Warten auf das Wunder in der «schönen Stube»

Die Quartierbewohner freuen sich schon im November auf die Fensterkrippe – nicht nur, weil daneben auch ein Teller mit Schoggikugeln steht, als Stärkung für den Heimweg. «Manchmal singen Kinder auch ein Weihnachtslied vor dem Fenster.» Das freut den Krippenbauer natürlich königlich. Ivo Ledergerber war Lehrer, zuvor Pfarrer. Im katholischen Dorf, in dem er aufgewachsen ist, und auch in der grossen Familie mit acht Kindern war die Krippe immer etwas ganz Besonderes. Die zu Hause stand im Weihnachtszimmer, in der «schönen Stube», auf der Anrichte. Sehen durfte er sie erst an Heiligabend.

Jetzt, da er Grossvater ist, geniesst er die Spielerei mit seinen Krippen lange vorher. Er bastelt auch Papierkrippen: Eine ganze Sammlung holt er hervor, mit ausgeschnittenen Figuren , für die es gedruckte Bögen gibt. Die klebt er in Wein- oder Zigarrenkisten. «Dresdner Stollen» steht auf einer, manche hat er auch bemalt. Die Fensterkrippe baut er für die Nachbarn auf – aber auch, weil es ihm selbst gefällt und guttut, mit den Händen zu arbeiten und die Szene einzurichten. Die Wohnung ist vorweihnachtlich geschmückt und überaus heimelig. Es duftet nach Lebkuchen und Tee, die Kerze auf dem Tisch, neben dem Räuchermännchen, leuchtet sanft mit ein paar Lichterketten um die Wette.

Wir schauen uns das Krippenfenster von hinten an, mit warmen Füssen in Filzfinken. Momentan mag niemand draussen staunen und singen; nur die Schneeflocken legen sich sacht auf Büsche und Mauern der Vorgärten. Die Figuren der Krippe stammen aus Südfrankreich. «Santons de Provence» heissen sie, und das Sammeln war eine Lust. «Früher habe ich auch einen Gottvater eingebaut», erzählt Ivo Ledergerber. «Den haben nur die Kleinen gesehen. Die Grossen hätten dafür in die Knie gehen müssen.» So ist es recht: wie die Hirten und Könige, Maria und Josef.

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