KUNSTTURNERIN KAESLIN: Donghua setzt voll auf «Königin» Ariella

Er ist frisch verliebt – und er sagt Ariella Kaeslin grosse Taten an ihren ersten Olympischen Spielen hier in Peking voraus. Die Rede ist von Kunstturn-Olympiasieger Donghua Li, der es ja wissen muss.

Drucken
Teilen
Die Luzerner Kunstturnerin Ariella Kaeslin auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Die Luzerner Kunstturnerin Ariella Kaeslin auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

 «Ariella hat sehr grosse Chancen, im Olympiafinal der besten Acht zu turnen», sagte der Atlanta-Goldgewinner Donghua Li von 1996 am Sonntag. Mehr noch: «Wenn sie das schafft und das Glück ihr treu bleibt, hat sie sogar reelle Medaillenchancen. Schliesslich gehört sie punkto Schwierigkeitsgrad meiner Ansicht nach ganz klar zu den besten Fünf der Welt.»

Donghua Li – er ist als Botschafter von Swiss Olympic ins Reich der Mitte gekommen. Mit 40 Jahren führt er seine Künste am Pferdepauschen nach wie vor als vielbeachtete Show im Schweizer Haus vor. Gleich daneben spielt eine 14 Jahre jüngere Chinesin auf dem ebenso chinesischen Saiteninstrument Gu Zheng. Es ist Fen Tang, seit einem Monat die neue Frau an der Seite von Li. Fen ist seit einem Jahr in der Schweiz, besucht Deutschkurse und will später in Winterthur Kulturmanagement studieren. Li: «Wir haben uns von Anfang an blenden verstanden und sind überglücklich.»

Ariella, die Königin
Und Ariella Kaeslin? Auch sie fühlt sich in Peking pudelwohl: «Mit gefällt es riesig hier, ich fühle mich wie eine Königin!» Nach dem neunten von insgesamt 17 Trainings vor dem Wettkampfstart am kommenden Sonntag hatte die Luzerner Kunstturnerin, die erstmals an Olympia dabei ist, am Sonntagnachmittag endlich mal frei. Zeit, ein bisschen in der Stadt zu bummeln, shoppen – und den Platz des Himmlischen Friedens mit dem Eingang in die verbotene Stadt zu besuchen. Bei 38 Grad, ohne Smog und mit viel Sonne ging es nicht lange, bis Ariella umkreist war von chinesischen Fans, die mit ihr Fotos machen oder Autogramme wollten. «Hier sagen mir so viele Leute, wie hübsch ich bin», schmunzelte Ariella. Und fügte lachend hinzu: «Das kommt in der Schweiz weniger vor?»

Lange Olympia-Distanzen 
Aha, okay. Auch sonst strahlt Ariella Kaeslin im Reich der Mitte über die rechte und linke Backe. «Im Olympischen Dorf, das allerdings sehr weitläufig ist, sind wir bestens untergebracht, das Essen ist sensationell gut, mit grosser Auswahl praktisch aus der ganzen Welt», erzählt die 20-jährige Meggerin. «Die Leute hier sind sehr nett und zuvorkommend. Und auch die Stimmung unter den Athletinnen und Athleten ist glänzend.» Ihr Zimmer teilt Ariella mit Badminton-Spielerin Jeanine Cicognini. Mitte Woche bekommt Ariella Unterstützung: Dann fliegen Mama Heidi und Bruder Fabio von ihrem Abstecher in Shanghai in Peking ein.

André Häfliger, Peking