LAUSANNE: Implantat gegen Alzheimer

Wissenschaftler der ETH Lausanne haben einen neuen Weg zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit entwickelt. Sie implantieren dem Patienten eine bioaktive Kapsel, welche das Immunsystem gegen die Krankheit aktiviert.

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ETH-Forscher wollen mit einer Kapsel präventiv gegen Alzheimer vorgehen. Im Symbolbild: Ein Altersheim in der Nähe von Genf. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

ETH-Forscher wollen mit einer Kapsel präventiv gegen Alzheimer vorgehen. Im Symbolbild: Ein Altersheim in der Nähe von Genf. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Eine der vermuteten Ursachen der Alzheimer-Krankheit ist die Akkumulation des Proteins Abeta in verschiedenen Hirnregionen, wie die ETH Lausanne (EPFL) am Donnerstag mitteilte. Bei Alzheimerkranken lagern sich im Gehirn die gefürchteten Plaques ab. Diese Proteinklumpen lassen die Nervenzellen absterben.
 
Eine vielversprechende Möglichkeit, um gegen diese Plaques anzukämpfen besteht darin, das Protein Abeta mit Antikörpern zu markieren und so das körpereigene Immunsystem des Patienten zu alarmieren.
 
Um den grösstmöglichen Erfolg zu erzielen, sollte diese Behandlung so früh wie nur möglich einsetzen, bevor sich die ersten Anzeichen des kognitiven Zerfalls einstellen. Dies bedingt aber wiederholte Injektionen mit dem Impfstoff und kann Nebenwirkungen verursachen.
 
Um dieses Problem zu lösen haben die Wissenschaftler ein Implantat entwickelt, das einen regelmässigen Fluss von Antikörpern auslöst, um das Protein Abeta zu eliminieren, aber im Hirn des Patienten inoffensiv bleibt, wie aus der in der Fachzeitschrift «Brain» publizierten Studie hervorgeht.
 
Im Labor von Patrick Aebischer an der EPFL ist nun diese bioaktive Kapsel entwickelt worden, welche genetisch modifizierte Zellen enthält, um Antikörper gegen Abeta zu bilden. Diese Kapsel wird unter die Kopfhaut eingepflanzt. Mit der Zeit werden Zellen hergestellt und ein regelmässiger Fluss von Antikörpern in die Blutzirkulation freigesetzt, die sich dann im Hirn ausbreiten und die Abeta-Plaques ins Visier nehmen.

Implantat ist 27 Millimeter lang
 
Die Kapsel ist 27 Millimeter lang, zwölf Millimeter breit und 1,2 Millimeter dick. Sie enthält ein Hydrogel, welches das Wachstum der Zellen erleichtert. Alle verwendeten Materialien sind biokompatibel und das Labor hat eine einfache Methode entwickelt, um eine Massenproduktion zu ermöglichen.
 
Den Zellen im Innern der Kapsel kommt eine grosse Bedeutung zu. Sie müssen einerseits fähig sein, Antikörper zu produzieren, aber sie müssen anderseits auch mit dem Patienten kompatibel sein, so dass sie nicht von seinem Immunsystem abgestossen werden, wie das bei Transplantationen der Fall sein kann.
 
Die Membrane der Kapsel beschützt deshalb die Zellen, um zu verhindern, dass sie selber identifiziert und vom Immunsystem des Patienten attackiert werden. Dieser Schutz ermöglicht es auch, dass die Zellen eines Spenders für zahlreiche Patienten verwendet werden können.

sda