LEBENSERWARTUNG: Immer mehr Hundertjährige

In der Schweiz steigt die Zahl der Hundertjährigen stetig. Zwar sind die Frauen in dieser Altersgruppe deutlich in der Überzahl, doch die Männer holen auf.

Richard Clavadetscher
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Wir Schweizer werden älter, und nicht nur das: Auch die Zahl der Hundertjährigen im Land steigt: Exakt 1562 Frauen und Männer waren in der Schweiz im letzten Jahr 100 Jahre alt oder älter, nämlich 1272 Frauen und 290 Männer. Dies geht aus der soeben veröffentlichten Publikation «Die Bevölkerung der Schweiz 2015» des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.

Dass Frauen grundsätzlich länger leben als Männer, ist dabei nicht neu. Neu ist hingegen, dass die Männer bei den 100-Jährigen und Älteren anteilsmässig aufzuholen scheinen. Vor fünf Jahren nämlich war die Zahl der Frauen, die 100 Jahre alt und älter waren, exakt gleich hoch, hingegen waren es damals erst 111 Männer in dieser Alterskategorie.

Nicht nur Schweizerinnen und Schweizer erreichen dieses hohe Alter, sondern auch in der Schweiz lebende Personen ausländischer Staatsangehörigkeit. Allerdings machen sie nur gerade 6,2 Prozent dieser Altersgruppe aus. Das BFS führt dies auf den Umstand zurück, dass ein Teil der ausländischen Staatsangehörigen das Schweizer Bürgerrecht erwirbt – also in der Statistik dann als Schweizerin oder Schweizer erscheint – oder im Verlaufe des Lebens wieder ins Heimatland zurückkehrt.

Dass die Menschen hier immer älter und – eben – auch vermehrt sehr alt werden, hat sicher mit der guten medizinischen Versorgung in der Schweiz zu tun, das leuchtet ein. Doch sie ist nicht der einzige Grund.

Gesunde Lebensweise zahlt sich aus

Laut Mike Martin, Professor für Gerontopsychologie an der Universität Zürich, spielen «Bildungseffekte und Einkommenseffekte» ebenfalls eine Rolle: Menschen mit höherer Bildung und einem höheren Einkommen hätten in der Tendenz eine höhere Lebenserwartung. In diesen Kreisen neige man eben eher zu langfristigerem Denken – auch was die Gesundheit angehe, so Mike Martin. Eine über Jahre verfolgte gesunde Lebensweise aber kann sich im Alter bekanntlich auszahlen – nämlich durch zusätzliche Lebensjahre.

Einen weiteren Grund für die zunehmende Zahl von Menschen sehr hohen Alters in der Schweiz sieht Martin im Zuwanderungseffekt: Aufgrund der hier angebotenen anforderungsreichen Jobs würden eben auch Arbeitnehmende mit guter Bildung ins Land ziehen – Menschen also, die aufgrund des genannten Bildungseffekts eine höhere Lebenserwartung hätten.

Und schliesslich ist da noch der sogenannte Mengeneffekt: Durch die hohen Geburtenzahlen bei gleichzeitig niedriger Kindersterblichkeit im vergangenen Jahrhundert steigt auch die absolute Zahl der alten Menschen. Bei gleichbleibender Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre und älter zu werden, werden aus dieser grösseren Zahl eben auch mehr Menschen dieses Alter erreichen.

Weshalb aber holen nun die Männer gegenüber den Frauen bei den 100-jährigen und noch älteren Menschen auf? Martin vermutet, dass auch bei den Männern die Erkenntnis vermehrt Einzug gehalten hat, eine vernünftige Lebensweise verlängere das Leben tendenziell. Es sei ja das bei Männern bisher verbreitetere Risikoverhalten, das am meisten Lebensjahre koste, sagt er. Risikoverhalten: Dazu zählte der Experte nicht nur Alkohol- und Zigarettenkonsum, sondern auch etwa das Verhalten als Verkehrsteilnehmer oder im Freizeitbereich.

Richard Clavadetscher